Die Schiedsrichterinnen aus Deutschland: Maike Merz und Tanje Kuttler.  (Foto: IMAGO, IMAGO / Eibner)

Handball | EM

Deutsches Schiedsrichterinnen-Gespann erlebt EM-Märchen

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Lena Bergmann

Vor ausverkauften Rängen pfeifen die beiden Schwestern Maike Merz und Tanja Kuttler die Handball-EM in Deutschland - als erstes und einziges deutsches Frauen-Schiri-Duo.

Alle sprechen von Deutschlands Handball-Männern - doch die deutschen Schiedsrichterinnen Tanja Kuttler und Maike Merz erleben ihr ganz persönliches EM-Märchen. "Wir geben mittlerweile auch wahnsinnig viele Autogramme und bekommen Nachrichten von Mädchen und Jungs gleichermaßen, die sagen: Ihr seid meine Vorbilder," sagt Merz gegenüber SWR Sport stolz.

Fans sorgen für Gänsehaut-Moment bei EM

Bei der Vorstellung des Schiedsrichterinnen-Gespanns auf dem Spielfeld spürt Tanja Kuttler die Unterstützung der Zuschauer: "Da kam bei uns der Applaus von den Rängen durchaus an und das hat uns wahnsinnig stolz gemacht. Für mich persönlich war das ein ganz großer Gänsehaut-Moment."

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Es sei "Wahnsinn", was bei der EM im eigenen Land in den vollen Arenen abgehe, sagt auch Merz. Ein großes Lob richtet sie an die Fans: "Es ist toll, dass nicht nur die deutschen Spiele ausverkauft sind, sondern auch fast alle anderen Spiele. Und wir sind noch in der Vorrunde!" Für sie und ihre jüngere Schwester sei es "eine Riesen-Ehre, bei so einer Europameisterschaft dabei sein zu dürfen. Das ist das Ziel von jedem."

Schwestern-Duo vom Bodensee legte steile Karriere hin

Die Liebe zum Handball teilen die beiden Schwestern aus Tettnang am Bodensee mit der Familie. Eltern, Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins - alle haben etwas mit Handball zu tun. Von Trainer über Schiedsrichter bis Spieler. Kuttler und Merz entscheiden sich irgendwann für die Laufbahn als Unparteiische. Mit großem Erfolg: Sie sind das erste Frauen-Gespann in der Bundesliga, dann in der Championsleague. Vor einem Jahr gingen sie als erste deutsche Schiedsrichterinnen bei einer Männer-WM in die Geschichte ein, nun gelang das gleiche Kunststück bei einer EM. "Es ist schon brutal viel passiert in den letzten fünf Jahren. Wenn man zurückblickt, kann man manchmal nur mit dem Kopf schütteln. Also da sind Dinge passiert, die wir uns in unserer gesamten Karriere nicht vorstellen konnten," erinnert sich Kuttler.

"Wir mussten besser sein als die Männer"

Die beiden Schiris sind 35 und 38 Jahre alt und beide Mütter von insgesamt drei Kindern. Sie wünschen sich, dass mehr Frauen und junge Mädchen ihrem Vorbild folgen. "Wenn Frauen sich beweisen und die Leistung bringen, muss der Weg für sie offen sein und Gleichberechtigung gelebt werden", sagt Kuttler. Sie betont aber auch: "Wir sind kein Fan einer Quote."

Seit fünf Jahren pfeifen die beiden in der Bundesliga. Es sei "nicht immer einfach gewesen", berichtete Kuttler über die Anfänge ihrer Schiedsrichterinnen-Karriere vor 15 Jahren im "Mannheimer Morgen": "Uns wurden zu Beginn viele Steine in den Weg gelegt. Es wurde uns schlichtweg nicht zugetraut, den Weg bis ganz nach oben zu gehen." Ihre Schwester und sie hätten "immer kämpfen" müssen: "Wir mussten besser sein als Männer." Inzwischen sei das allerdings anders. "Es hat sich sehr viel zum Guten verändert", meint Kuttler. "Immer mehr Frauen sind inzwischen als Schiris in der Bundesliga der Männer oder auch in der European League unterwegs. Wir sind da auf einem guten Weg."

Nächster Einsatz des Duos steht noch nicht fest

Für ihre erste EM hat das Schiedsrichterinnen-Gespann vor allem ein Ziel: "Wir wollten jetzt erst mal eine gute Leistung zeigen, uns beweisen und zeigen, dass wir hier richtig sind. Dass wir mit den Kollegen auch mithalten können," erklärt Merz. Die ersten beiden EM-Einsätze seien "überwältigend" gewesen: Nach der Vorrunden-Partie Schweden gegen Bosnien und Herzegowina in der Mannheimer SAP-Arena, pfiffen die beiden dann das Match Griechenland - Dänemark in der Münchner Olympiahalle. "Es macht einfach einen Riesenspaß," so Merz.

Ob die beiden Schwestern erneut zum Einsatz kommen, erfahren sie erst kurzfristig vor den Spielen. Merz ist aber schon jetzt zufrieden mit den Nominierungen: "Wir hatten zwei tolle Spiele und sind schon super glücklich damit. Wir genießen jetzt jeden Moment, den wir noch hier sind." Auch Kuttler betont: "Es geht hier für uns nicht nur darum, möglichst viele Spiele zu pfeifen, hier gibt es für uns auch unfassbar viel zu lernen, in diesem Kreis der absoluten Schiedsrichter-Elite Europas."

Nicht nur Schiris sondern auch "Riesen-Fans"

Auch an Tagen, an denen die Schwestern nicht im Einsatz sind und sich zurücklehnen könnten, sind sie bei den Spielen vor Ort und fiebern mit: "Wir sind halt einfach riesen Handball-Fans, das heißt wir schauen uns natürlich, wenn irgendwie möglich, jedes Spiel an und legen die Schiri-Brille auch mal ab," so Tanja Kuttler. Maike Merz ist sich ebenfalls sicher: "Wir werden auf jeden Fall als Zuschauer die Stimmung in der Halle genießen. Das sind Momente, die man einfach aufsaugen muss bei einer EM." Auch die DHB-Männer will das Schwestern-Duo weiterhin unterstützen.

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