LKA-Chef Andreas Stenger auf dem Maimarkt

Tod nach Polizeieinsatz: LKA-Chef bedauert Fehlen von Bodycam-Video

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Der Fall sorgt für Aufsehen und Proteste: Bei einem Polizeieinsatz in Mannheim ist ein 47-Jähriger zu Tode gekommen - gegen die Beamten wird ermittelt. Im SWR-Interview auf dem Maimarkt hat sich Baden-Württembergs LKA-Chef Andreas Stenger zu dem Fall geäußert.

SWR-Moderator Pascal Lasserre und Andreas Stenger, LKA-Chef (v.l.) (Foto: SWR, Markus Palmer)
SWR-Moderator Pascal Lasserre und Andreas Stenger, LKA-Chef (v.l.) Markus Palmer

Nach einem Polizeieinsatz in der Mannheimer Innenstadt am 2. Mai war ein 47-jähriger Mann gestorben. Der Leiter des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg (LKA), Andreas Stenger, sagte am Sonntag im SWR-Interview auf dem Maimarkt, es sei bedauerlich, dass es keine Video-Aufzeichnung einer Bodycam vom Einsatz gebe. "Wir als Ermittler hätten uns sehr gewünscht, wenn wir bei der Aufarbeitung des Falls über dieses Videomaterial verfügen könnten."

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Beamte hatten Bodycam-Aufnahme nicht gedrückt

Die Polizisten waren bei dem Einsatz in der Innenstadt zwar mit sogenannten Bodycams augerüstet, diese waren aber nicht angeschaltet und hatten den Vorfall nicht aufgezeichnet. Warum das nicht passierte, ist Gegenstand der Ermittlungen. "Manchmal entwickeln sich solche Situationen dynamisch und hektisch und es ist ein sehr massives Geschehen. Da kann es auch mal vorkommen, dass man es nicht tut", so Stenger. "Nichtsdestotrotz muss es unser Anliegen sein, die Kollegen so zu trainieren, dass sie das unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Belange aber tun - in Fällen, in denen es sehr wichtig wäre."

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Ermittler bekommen viele Videos von Augenzeugen

Inzwischen haben die Ermittler zahreiche Videos von Augenzeugen zugeschickt bekommen. Dieses Material werde jetzt ausgewertet: "Jetzt ist einfach die Stunde der Multimedia-Forensik, zu prüfen, zu recherchieren und das Ganze zu strukturieren, um das Geschehen zu rekonstruieren", so der LKA-Chef. "Das läuft gerade mit großer Dynamik."

Landeskriminalamt ermittelt gegen Beamte

Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg hat die Ermittlungen gegen zwei Beamte übernommen. Sie sollen den Mann in Mannheim überprüft haben. Zuvor hatte laut LKA ein Arzt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) die Polizei alarmiert, weil ein ZI-Patient möglicherweise Hilfe brauche. Dabei handelte es sich um den 47-Jährigen.

Mann brach plötzlich zusammen

Zwei Beamte und der Arzt hatten den Mann in der Mannheimer Innenstadt entdeckt. Als die Polizisten den Mann kontrollieren wollten, habe er Widerstand geleistet, sei von den Beamten überwältigt worden und plötzlich leblos zusammengebrochen. In den sozialen Netzwerken im Internet kursierten später Videos, auf denen zu sehen ist, wie ein Beamter auf den Kopf des Mannes einschlägt. In Mannheim gab es inzwischen mehrere Demonstrationen gegen Polizeigewalt.

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LKA-Chef Andreas Stenger hat Verständnis für Proteste

Die Proteste in Mannheim könne er verstehen, sagte Stenger. "Aber man muss auch sehen, dass wir da sehr schnell und sehr konsequent ermitteln. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat ein Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge eingeleitet, die Beamten sind suspendiert", so der LKA-Chef. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran und versuchen, das Geschehen zu rekonstruieren und aufzuklären."

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