Rollenbilder früher und heute – 2 Generationen im Gespräch

Dauer

Doris und Thomas aus Stuttgart sind Nachbarn und Freunde. 50 Jahre trennen die beiden, trotzdem reden sie über Gott und die Welt. Thema diesmal: Gleichberechtigung.

„Mit einem Mann zusammenbleiben, um versorgt zu sein – das braucht heute keine Frau mehr: Die versorgt sich selber und macht ihr Ding und das finde ich großartig.“

Doris, 84, Rentnerin

1 Thema, 2 Generationen

Männer sind die Ernährer, Frauen kümmern sich um Kinder und Haushalt – wie blicken zwei unterschiedliche Generationen auf derartige Rollenbilder? Wir haben Doris (84) und Thomas (34) getroffen. Die beiden verbindet eine ganz besondere Freundschaft. Doris lebt in der Nachbarschaft von Thomas’ WG, wird liebevoll die „WG-Oma“ genannt. Obwohl sie 50 Jahre trennen, gibt es zwischen ihnen keine Tabus, sie reden über Gott und die Welt – und die großen Themen des Lebens.

Geschäftsfrau, Hausfrau und Mutter in einem

Doris war verheiratet und hat drei Kinder großgezogen. Zusammen mit ihrem Ex-Mann baute sie in der Nachkriegszeit ein großes Sportgeschäft in Stuttgart auf, gleichzeitig war sie Hausfrau und Mutter. Ihre eigenen Bedürfnisse musste sie immer zurückstecken.

„Damals war das ein ganz anderes Leben: Der Mann hat das Sagen gehabt und die Frau hat machen müssen, was der gewollt hat. So bin ich großgeworden. Ich habe gemeint, das muss so weitergehen.“

Doris, 84, Rentnerin aus Stuttgart

Doris zieht die Reißleine

Irgendwann wurde es ihr zu bunt. Als ihr Mann sie betrügt, lässt sie sich scheiden: „Mein Mann hat gar nicht gemerkt, dass wir nebeneinanderher leben. Er war ein großer Sportler und immer unterwegs. Und ich habe daheim alles gemacht.“

Und wie sieht es heute aus?

So eine klassische Rollenverteilung wäre für Thomas undenkbar. „Heutzutage ist man hier auf Termin, dort auf Termin, der Partner nicht daheim. Es ist nicht jeder Tag wie der andere. Deswegen funktioniert es nicht so.“ Zwar hat der 34-Jährige bislang noch keine Familie gegründet, aber wie es bei ihm daheim laufen würde – dazu hat Thomas eine ganz klare Meinung.