Alkoholsucht: Arbeit im Sozialkaufhaus gibt Dimitri eine neue Chance

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Inga Malin Köberich
Julius Bauer
Julius Bauer Vorstellung (Foto: SWR)
Dimitri hält eine Musikbox in der Hand und lächelt. Im Hintergrund erkennt man das Sozialkaufhaus, in dem viele gebrauchte Dinge für wenig Geld weiterverkauft werden.  (Foto: SWR)
„Ich bin als Alkoholiker in diese Einrichtung gekommen. Und ich wurde trotzdem aufgenommen wie ein Mensch. Mir wurde hier eine neue Chance gegeben.“ – Dimitri arbeitet ehrenamtlich im Sozialkaufhaus der Trierer Nothilfe.
Dimitri bei der Arbeit. Seine Aufgabe heute: Ein Regal aufbauen.  (Foto: SWR)
Dimitris Alkohol- und Drogenkonsum bringen ihn bis zur Staatsanwaltschaft. Seine Strafe: 1.000 Sozialstunden, die er im Sozialkaufhaus abarbeitet.
Schaufenster des Trierer Sozialkaufhaus. Im Schaufenster liegen viele gebrauchte Sachen, die weiterverkauft werden sollen. (Foto: SWR)
Die Arbeit gibt Dimitri eine völlig neue Struktur im Leben und macht ihm unheimlich Spaß. Heute arbeitet er deswegen weiterhin ehrenamtlich dort.
Dimitri arbeitet hauptsächlich in der Elektroabteilung. Er testet einen gespendeten Mixer, ob dieser noch funktioniert.  (Foto: SWR)
„Wenn wir hier rausgehen, haben wir alle zusammen gelacht und der Tag hatte einen Sinn. Jeder hat hier eine Möglichkeit, jeder bekommt hier eine Chance.“

Ich habe mich durch meinen Konsum auf falsche Wege leiten lassen. Doch diese Einrichtung hat mir den Willen gezeigt. Sie hat mir auf gut Deutsch in den Hintern getreten und gezeigt, was im Leben wirklich wichtig ist.

Seit knapp 20 Jahren kämpft Dimitri mit der Alkoholsucht. Lange führt er ein Doppelleben: Morgens geht der gelernte Elektromaschinenbauer zur Arbeit, abends stürzt er sich mit Alkohol und Drogen in die Nacht- und Partyszene. Eine Krankheitsgeschichte führte dazu, dass Dimitri nicht mehr arbeiten geht und sich ab diesem Zeitpunkt nur noch auf exzessive Partys konzentriert.

Ich habe sehr viel Blödsinn gebaut. Partys gefeiert, auf denen alles von A bis Z konsumiert wurde. Ich habe mich nicht mehr auf das Wesentliche konzentriert. Das war einer meiner Tiefpunkte durch meinen Alkoholkonsum.

Sozialstunden führen ins Sozialkaufhaus Trier

Für den in der Zeit seiner Sucht gebauten „Blödsinn“, wie Dimitri es nennt, bekommt er 1.000 Sozialstunden verordnet. Diese führen ihn in das Sozialkaufhaus der Trierer Nothilfe. Eine neue Chance: „Dieser Laden hat mir gezeigt, dass man dem Leben immer noch eine Zukunft geben kann und nichts verloren ist. Egal, wie schwer sich der Tiefpunkt auch anfühlen mag.“

Im Sozialkaufhaus entwickelt Dimitri so viel Freude, dass er dort heute ehrenamtlich weiterhin arbeitet. Die Arbeit und die Menschen im Sozialkaufhaus haben ihm geholfen, wieder eine Struktur im Alltag aufzubauen.

Ehrenamtliche Arbeit macht glücklich

„Wenn wir hier rausgehen, haben wir alle zusammen gelacht und wirklich eine schöne Zeit gemeinsam verbracht. Auch wenn es anstrengend war. Am Ende des Tages gehe ich immer mit einem Lächeln aus dem Laden.“

Sein Traum für die Zukunft: „Ich bin der Einrichtung so dankbar. Ich habe gelernt, meinen Tag neu zu strukturieren und weiß jetzt, worauf es wirklich ankommt. Gerade arbeite ich circa vier Stunden freiwillig hier, aber mein großer Wunsch ist es, einen Job zu finden und wieder normal zu arbeiten.“

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