Bauarbeiten auf dem Gelände des Solar Decathlons in Wuppertal.

Studentenwettbewerb

Wie geht nachhaltiges Bauen in der Stadt?

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AUTOR/IN
Elena Weidt
Lisa Schmierer
ONLINEFASSUNG
Lilly Zerbst

Beim Solar Decathlon treten 18 Hochschulteams gegeneinander an: Wer hat den innovativsten Entwurf? Wir haben ein Team aus Baden-Württemberg bei den Vorbereitungen begleitet.

Zum ersten Mal findet dieser Wettbewerb dieses Jahr in Deutschland statt. Der Solar Decathlon startet am 10. Juni in Wuppertal. Es ist der weltweit größte universitäre Wettbewerb für nachhaltiges Bauen und Wohnen.

Biberacher Team setzt auf Recycling und Innovation

Die teilnehmende Teams kommen aus elf Ländern. Sie müssen eine von drei Aufgaben wählen: Ein Gebäude sanieren und erweitern, einer Baulücke schließen oder etwas Bestehendes aufstocken.

Für Letzteres hat sich das Team aus Biberach entschieden: Sie wollen platzsparend drei Etagen auf ein bereits bestehendes Café in Wuppertal aufstocken. Mit wiederverwendbaren Holzwänden, einer eigens entworfenen Kiesdämmung und einer röhrenförmigen Solaranlage wollen sie bei der Jury punkten. Einen Teil ihres Entwurfs baen die Studierende in realer Größe auf dem Wettbewerbsgelände in Wuppertal auf.

Computeranimation der Aufstockung des Cafés.
Das Team aus Biberach entwirft drei zusätzliche Etagen, die auf ein bereits bestehendes Café in Wuppertal aufgestockt werden sollen.

Das Team aus Biberach hat ein Jahr an ihrem Entwurf gefeilt. Sie wollen zeigen, dass auch eine eher kleine Hochschule innovative und nachhaltige Baukunst kann. Noch nie gab es hier ein Projekt, an dem so viele Studierende aus unterschiedlichsten Fächern wie Energietechnik, Gebäudetechnik, Architektur oder Bauphysik zusammengearbeitet haben.

“Wir sind die Improvisierer. Weil wir das erste Mal an dem Projekt teilnehmen, ganz viel neu ist, und ganz viel Unerwartetes kommt, aber wir bis jetzt immer Lösungen gefunden haben.“

Die Studierenden packen selbst an

Im Gegensatz zu vielen Mitstreitern, fertigen die Studierenden hier viele Teile wie die Holzwände sogar selbst. Unterstützt werden sie dabei von Profis. Zwei Zimmermeister des Bildungszentrums Holzbau in Biberach betreuen das Team. Die beiden Handwerker in Zunft stehen oft neben den Studierenden, beobachten sie, erklären und greifen auch mal ein.

Bieberach will mit neuartiger Kiesdämmung punkten

Auch der Bauphysiker Professor Andreas Gerber ist Teil des Teams. Er ist Experte in Sachen klimagerechtes Bauen. Von ihrer Trittschalldämmung aus Kies, die die Gruppe statt Mineralwolle oder Hartschaum in die Böden einbaut, erhofft Gerber sich ein paar Extrapunkte von der Jury. Denn Kies soll besonders gut die Wärme speichern.

"Dafür verwenden wir eine Schüttung, die wurde noch nie gebaut. Die bauen wir hier zum ersten Mal und ich glaube, wenn wir zeigen können, dass das richtig funktioniert, dass da vielleicht ein Potenzial für die Zukunft liegt. Das ist mir wichtig.”

Das Team der Hochschule in Biberach füllt Kies auf die Holzplatten, die später die Decke bzw. den Boden bilden sollen.
Statt Mineralwolle oder Hartschaum schütten die Studierenden aus Biberach Kies in die Zwischenräume der aus Holz bestehenden Böden. Diese Trittschaldämmung soll auch als thermischen Speicher dienen, erklärt Prof. Gerber.

Grüne Energie und Funktionalität: Röhrenförmige Solaranlage als Gartenüberdachung

Die Biberacher wollen auch bestehende Technik sinnvoll integrieren – zum Beispiel eine Photovoltaik-Anlage, die nicht aus Solarpaneln, sondern aus einzelnen Röhren besteht. Der Vorteil: hier kann Licht und Wasser durch. Die Anlage kann so auf das Flachdach des Cafés gebaut werden, dass darunter noch ein Dachgarten wachsen kann, erklärt Student Leopold Wimper.

Ein Student arbeitet an der röhrenförmigen Solaranlage am Boden. Sie sieht aus wie eine große Heizung für Handtücher.
Die röhrenförmige Solaranlage erinnert an einen großen Heizkörper. Der Vorteil der Struktur: Licht und Wasser kann durch das Solar-Dach zu den Pflanzen im Garten dringen.

In zwei Wochen wird der Sieger gekürt

Der Wettbewerb ist auch für Besucher und Besucherinnen zugänglich. In zwei Wochen fällt dann die Entscheidung, ob die Biberacher beim Solar Decathlon tatsächlich auch gewinnen werden.

"Wir sind froh, wenn alle Systeme funktionieren. Wenn das Team am Ende glücklich feiert, ist es sehr gut. Und wenn wir noch irgendein Preis mit nach Hause nehmen, ist es das Sahnehäubchen."

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