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Long-Covid: Viele Menschen gelten nach einer Covid-19-Erkrankung als genesen, leiden aber weiter unter Symptomen wie Atemnot, Schwindel oder auch Konzentrationsstörungen. Für sie gibt es nun spezielle, zertifizierte Reha-Kurse.

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Sie klagen unter Atemnot, Gelenkschmerzen, Muskelschwäche, Herz- und Kreislaufbeschwerden bis hin zu neurologischen Problemen wie Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen. Weil es sich bei einer Covid-19 Infektion um eine Multiorganerkrankung handle, die den ganzen Körper betreffe, seien auch die Folgesymptome nach überstandener Krankheit vielfältig, erklärt Prof. Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Genesen sei nicht gleich genesen. Nach zwei bis drei Wochen seien die Patienten von ihren primären Symptomen frei. Danach käme aber die zweite Phase – und die könne sehr lange dauern. Das sei für den Rehasport eine große Herausforderung, denn man werde in Zukunft vermehrt Patienten im Rehasport haben.

Post-Covid-Symptome

In Deutschland gelten rund 90 Prozent der COVID-19 Patient:innen als genesen. Die Funktion verschiedener Organe können aber, nach Abklingen der Akutbeschwerden, weiter beeinträchtigt sein. Dann käme es zu den sogenannten Post-Covid-Symptomen. Ohne den passenden Sport und Bewegungsprogramme können sich diese Symptome dann zu einer Krankheit entwickeln, erklärt Benedikt Ewald, Direktor Sportentwicklung beim Deutschen Behindertensportverband DBS.

Reha-Teilnehmende mit Maske (Foto: Imago, imago/Wavebreak Media LTD)
Ohne den passenden Sport und Bewegungsprogramme können sich die Symptome nach einer Corona-Infektion dann zu einer Krankheit entwickeln. Imago imago/Wavebreak Media LTD

Es werde angenommen, dass drei Viertel der Covid-Genesenen von Covid-Langzeiteinschränkungen betroffen sein werden – bei 2,5 Millionen Infizierten eine beträchtliche Summe. Man gehe davon aus, dass auf die Vereine eine ähnliche Welle wie bei den Akutinfektionen zurolle.

Deutsche Behindertensportverband und Reha-Angebot

Der Deutsche Behindertensportverband DBS will daher den Betroffenen künftig ein Sport-Angebot machen. Denn der DBS ist bundesweit zuständig für die Zertifizierung von sogenannten Reha-Sport-Kursen und für die Fortbildung von Übungsleitern und Trainern. Der DBS verfolgt dabei mit seinem Angebot einen ganzheitlichen Ansatz bei der Rehasport-Therapie. Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Koordination und Flexibilität, gehören ebenso dazu wie die Schulung von  Körperwahrnehmung und Entspannungstechniken.

Körperliche Bewegung unter Anleitung ist wichtig für die Regeneration nach vielen Krankheiten, auch bei Covid-19. (Foto: Imago, imago sportfotodienst)
Körperliche Bewegung unter Anleitung ist wichtig für die Regeneration nach vielen Krankheiten, auch bei Covid-19. Imago imago sportfotodienst

Darüber hinaus soll in den Kursen auch Gemütszustände wie Depressionen und Ängsten entgegengewirkt werden. Benedikt Ewald erklärt, dass sie bei Covid-Erkrankungen, dadurch dass sie so neu seien, eine hohe Verunsicherung feststellen, sogar mentale Einschränkungen bis hin zu Depressionen. Hier könne das Gruppenangebot und der Selbsthilfecharakter des Rehasports eine ganz wichtige Rolle spielen.

Reha-Vereine bereiten sich auf die neuen Patienten vor

Vereine, Übungsleiter und Trainer  werden derzeit bundesweit auf die neuen Patienten mit ihren Krankheitsbildern vorbereitet. Das entsprechendes Schulungsmaterial hat der Verband soeben fertiggestellt. Online-Fortbildungen für Reha-Übungsleiter haben gerade begonnen. Es seien gerade erste Fortbildungen zum Thema Long-Covid und Rehasport gemacht worden und da werden vor allem medizinische Themen behandelt. Es werden Auswirkungen von post-Covid-Symptomen gezeigt und welche Möglichkeiten der Rehasport biete.

Reha-Sport (Foto: Imago, imago sportfotodienst)
Es werden Auswirkungen von post-Covid-Symptomen gezeigt und welche Möglichkeiten der Rehasport bietet Imago imago sportfotodienst

Es gebe einen Leitfaden für alle Vereine der Landesverbände, wie mit den Covid-Indikationen umzugehen sei. Es gebe sehr unterschiedliche Ausprägungen, Einschränkungen könne es im Bereich der Orthopädie, im neurologischen Bereich, im Bereich der Inneren-Medizin geben. Eine Zuordnung nach der jeweiligen Einschränkung müsse stattfinden. Covid sei da nicht der primäre Zuordnungsfaktor, sondern ein sekundärer.

Ansprechpartner für eine Reha und Angebot des Rehasports

Ansprechpartner für die Kurse ist der württembergische Behinderten und Rehabilitationssportverband in Stuttgart bzw. der Behinderten und Rehabilitationssportverband Rheinland-Pfalz in Koblenz. Sportmediziner  Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschulen Köln: Es sei wichtig, die Patienten genau zu beobachten.

Mann müsste die Symptome der Patienten ernst nehmen und im Rehasport beachten, den Patienten bei Lungenproblemen also spezifisches Atemtraining anbieten. Bei peripheren, neurologischen Ausfällen könne man auch sensomotorisches Training machen. Man könne auch kognitive Schulung und Hirnleistungsfähigkeitsschulung anbieten. Es gebe nun sehr viele Angebote, die zusammengebracht werden müssen.

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