Kinder und Jugendliche sind oft die Leidtragenden politischer Entscheidungen. (Foto: imago images, imago images/Rolf Poss)

Brandbrief #Stopthecuts

Kommentar: Jugendliche leiden unter Kürzungen im Bildungswesen

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Mit einem Brandbrief wendet sich ein Bündnis aus Jugendverbänden an Bildungs- und Finanzpolitiker und protestiert gegen drohende Kürzungen im Bildungsbereich.

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Unter dem Hashtag #Stopthecuts wollen Jugendverbände darauf aufmerksam machen, dass der Zustand des Bildungswesens ein Skandal ist.

Verschleppte Probleme und riesige Finanzlöcher im Bildungswesen

Bildung und Wissenschaft in Deutschland sind bereits heute chronisch unterfinanziert – nachwachsende Generationen treffen auf marode Schulen, fehlende Lehrkräfte, überfüllte Hörsäle und prekäre Arbeitsbedingungen – schreibt das Bündnis.

"Von Legislatur zu Legislatur" seien die Probleme verschleppt worden, "sodass heute allein für die dringend notwendige Sanierung von Gebäuden und Infrastruktur 103 Milliarden Euro fehlten. Weitere 55 Milliarden Euro müssten allein für das Personal in Schule, Kita und Wissenschaft investiert werden."

Bereits in den Jahren 1965 bis 1971 demonstrierten Schüler in den Ruhrstädten Dortmund, Essen und Bochum für bessere Bedingungen in der Bildung. (Foto: imago images, imago images/Klaus Rose)
Bereits in den Jahren 1965 bis 1971 demonstrierten Schüler in den Ruhrstädten Dortmund, Essen und Bochum für bessere Bedingungen in der Bildung. imago images/Klaus Rose

Bildung hat keine Lobby

Im Regierungsprogramm der Ampel-Koalition sah es zunächst aus, als würde das Thema Bildung tatsächlich etwas mehr Gewicht bekommen. Doch der Ukraine-Krieg und auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Wirtschaft in die Knie gezwungen und führen zu hohen Kosten, die unser Staat schultern muss.

Nun heißt es in der Politik unisono: Wir müssen den Gürtel enger schnallen – und wo geht das besser als auf einem Gebiet, in dem kaum Lobbyisten unterwegs sind, da es sich um Kinder, Heranwachsende und junge Menschen in Ausbildung handelt? Bingo.

Schon werden erste Rufe laut, die Misere mit Do-it-Yourself-Methoden anzugehen. So wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann vorgeschlagen hat, dass Teilzeit-Lehrer einfach alle mal eine Stunde länger arbeiten sollten, dann würde nicht soviel Unterricht ausfallen.

Der baden-württembergische Ministerpräsident sprach sich dafür aus, dass Lehrer mehr arbeiten sollten. Das sorgte für reichlich Gegenwind. (Foto: imago images, imago images/Arnulf Hettrich)
Der baden-württembergische Ministerpräsident sprach sich dafür aus, dass Lehrer mehr arbeiten sollten. Das sorgte für reichlich Gegenwind. imago images/Arnulf Hettrich

Größere Klassen helfen nicht bei Integration ukrainischer Kinder

Darunter fällt auch der Vorschlag zum Aufstocken der Klassenteiler, um zu uns geflüchtete ukrainischen Kinder rasch in die Schulen aufzunehmen. Doch ehrlich gesagt: Die Klassen sind schon groß und die Integration der ukrainischen Kinder braucht besondere Zuwendung des Lehrpersonals. Es bräuchte dafür also eher kleinere Klassen und mehr Lehrende.

Dramatische Zunahme gesundheitlicher Probleme bei Kindern und Jugendlichen

Die Jugendorganisationen warnen zu Recht: All das schlage sich in der psychischen Gesundheit der Kids und jungen Menschen nieder. Tatsächlich zeigen viele Studien, dass sich die körperliche und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen zwei Jahren drastisch verschlechtert hat.

Dieser Verweis auf die psychische Angeschlagenheit der nachwachsenden Generationen sollte nicht einfach beiseite gewischt werden. Kinder, Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende – sie haben besonders unter den Pandemie-Schutzmaßnahmen gelitten: durch Kontaktbeschränkungen und monate- bzw. semesterlangen Distanzunterricht. Hier muss noch viel nach- und aufgeholt werden. Dazu braucht es mehr Unterstützung durch Lehrende, Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen und andere Helfende als früher.

Die Corona-Maßnahmen waren für viele Kinder und Jugendliche eine extreme Belastung. (Foto: imago images, imago images/Kirchner-Media)
Die Corona-Maßnahmen waren für viele Kinder und Jugendliche eine extreme Belastung. imago images/Kirchner-Media

Kinder und Jugendliche sind die Haupt-Leidtragenden politischer Maßnahmen

Hier zu sparen, heißt an unser aller Entwicklungschancen zu sparen. Unser Land setzt auf Kopfarbeit, auf Forschung und Innovation, denn wir haben kaum Rohstoffe, was gerade wieder schmerzlich deutlich wird.

Doch in den Haushaltsdebatten spielt Bildung kaum eine Rolle, nur in den Kürzungsplänen vieler Länder taucht sie auf. Das hat die Jugendverbände zu ihrem offenen Brief veranlasst. Sie fürchten – ich meine zu Recht – dass sie die Zeche zahlen müssen, für all die Corona-Rettungspakete, von denen sie nichts haben, für den Wirtschaftsabschwung und die Ausgaben der Bundesregierung infolge des Ukrainekrieges. 

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