Ein Spitzkrokodil treibt im Wasser.

Nachwuchs ohne Befruchtung

Erste Jungfernzeugung bei Krokodilen entdeckt

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Veronika Simon
Portraitbild von Veronika Simon, Multimedia-Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell
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Lilly Zerbst

Um ein Kind zu zeugen braucht es eine Eizelle und ein Spermium und damit auch zwei Individuen, die die jeweilige Komponente bereitstellen – zumindest beim Menschen. Bei Krokodilen scheint das flexibler zu sein.

Hinweis auf Jungfernzeugung

Damit hatten die Tierpfleger eines Reptilienparks in Costa Rica wohl nicht gerechnet: Im Gehege eines 18-jährigen Spitzkrokodilweibchen fanden sie ein Nest. Das Tier lebte durchgehend allein. Dennoch hatte die einsame Krokodil-Dame Eier gelegt und das nicht nur zum Schein, wie es isolierte Krokodile zur Paarungszeit manchmal tun. In der Hälfte der 14 Eier schien sich tatsächlich Leben zu entwickeln.

Ein Spitzkrokodil und ein Taucher begegnen sich.
Spitzkrokodile sind im südlichen Florida, in Mittelarmerika und im Norden Südamerikas verbreitet. Sie werden durchschnittlich vier bis sechs Meter lang. Namensgebend ist ihre typisch spitze Kopfform.

Totes Krokodilbaby beweist Jungfernzeugung

Die Tierpfleger nahmen die Eier an sich und brüteten sie unter der Wärmelampe aus. Als nach drei Monaten noch nichts geschlüpft war, gaben sie die Hoffnung auf. Sie öffnete die Eier und fanden in sechs der sieben Eiern nichts. In dem siebten aber war ein voll entwickeltes Krokodilmädchen. Es war zwar tot, aber voll entwickelt.

Geöffnetes Krokodilei mit voll ausgebildetem, toten Krokodilmädchen aus Jungfernzeugung.
Als klar war, dass die Krokodile nicht schlüpfen würden, öffneten die Forschenden die Eier und fanden in einem einen voll ausgebildeten, nicht lebensfähigen Krokodilfötus. Untersuchungen ergaben, dass es sich um ein Krokodilmädchen handelte.

Um die alleinige Elternschaft der Krokodil-Dame zu bestätigen, verglich ein US-amerikanisches Forschungsteam die DNA von Mutter und Tochter. Tatsächlich ähnelten sich bestimmte DNA-Abschnitte extrem, sodass ausgeschlossen werden konnte, dass noch ein Vater beteiligt war.

Voll ausgebildetes, nicht lebensfähiges Krokodilbaby aus unbefruchtetem Ei.
DNA-Untersuchungen ergaben, dass kein Krokodilvater bei der Zeugung beteiligt war.

Solo-Fortpflanzung überrascht Krokodil-Experten

Es ist das erste Mal, dass man diese Art der Fortpflanzung bei Krokodilen entdeckt hat. Wenn sich Weibchen ohne Befruchtung von einem männlichen Tier fortpflanzen, spricht man von Parthenogenese. Diese auch "Jungfernzeugung" genannte Variante kannte man schon bei Schlangen und Eidechsen oder einigen Vögeln, auch bei Fischen wie Rochen oder Haien ist sie bekannt. Bei Krokodilen ist das neu.

Eine große Sägeschrecke sitzt auf einem Ast.
Bisher wusste man: Viele weibliche Insekten und Spinnentiere sind zur Solo-Fortpflanzung fähig. Darunter auch diese große Sägeschrecke. Sie gehört zu den größten Insekten Europas.

Entdeckung wirft Fragen zur Evolution auf

Es stellt sich die Frage, ob die Parthenogenese bei Krokodilen und auch anderen Tieren nicht vielleicht viel öfter vorkommt als bisher gedacht. Für das einsame Krokodilweibchen bedeutet sie vor allem: Hoffnung auf Jungtiere, auch wenn kein Männchen weit und breit in Sicht ist.

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