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Das neue Coronavirus scheint für ältere Menschen gefährlicher zu sein als für jüngere. Wie können sich Risikogruppen wie z.B. Senioren am besten schützen?

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Auf den ersten Blick klingt es beruhigend, was Gesundheitsminister Spahn auf der Bundespressekonferenz erklärte:

„Nach jetzigem Wissensstand verläuft eine Infektion mit dem Coronavirus für 80 Prozent der Infizierten milde oder symptomfrei, für Menschen unter 50 ist das Risiko vergleichsweise sehr gering“

Gesundheitsminister Jens Spahn

Schwerere Verläufe von Covid-19 bei Menschen über 50 Jahren

Für Menschen über 50 jedoch steigt das Risiko, dass eine Erkrankung schwer verläuft. Je älter ein Patient ist, desto höher ist auch sein Risiko. Experten sagen: 20 Prozent der über 80-jährigen Patienten könnten an einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sterben.

Denn gerade ältere Menschen haben häufig Vorerkrankungen, zum Beispiel Probleme mit dem Herzen oder der Lunge sowie Bluthochdruck.

Gesundheitsminister empfiehlt für Risikogruppen Impfung auf Pneumokokken

Bei Risikogruppen ist das Immunsystem oft nicht mehr so gut aufgestellt und kann das Virus nicht in Schach halten. Problematisch wird es dann, wenn der Körper nebenbei noch mit einer weiteren Infektion zu kämpfen hat. Daher empfiehlt Gesundheitsminister Spahn auch:

„Mitbürger, die älter als 60 Jahre sind, sollten sich gegen Pneumokokken impfen lassen, wie es ja auch empfohlen ist. Eine Pneumokokkenimpfung für über 60-Jährige, damit im Fall der Fälle eine zusätzliche Infektion, die die Lunge dann zusätzlich belastet, vermieden werden kann.“

Gesundheitsminister Jens Spahn
Großeltern sollten nicht mehr wie gewohnt die Enkel hüten, da diese das Virus übertragen könnten (Foto: Imago, imago)
Großeltern sollten nicht mehr wie gewohnt die Enkel hüten, da diese das Virus übertragen könnten Imago imago

Zusätzliche Erkrankungen machen Covid-19 gefährlicher

Impfungen gegen Pneumokokken oder die Grippe wirken nicht gegen das neuartige Coronavirus selbst. Doch sie könnten verhindern, dass eine Covid-19-Erkrankung durch eine bakterielle Lungenentzündung oder Grippe noch komplizierter und damit gefährlicher wird. Denn all diese Erkrankungen können die Lunge betreffen.  

Laut dem Vorsitzenden des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, Berthold Dietsche, sind jedoch die betroffenen Zielgruppen, also Menschen über 60, in den meisten Fällen eh schon geimpft. Falls das auf einzelne Patienten nicht zutrifft, sollten diese sich telefonisch mit ihrem Arzt in Verbindung setzen und den Fall abwägen.

Ältere Menschen müssen besonders vor einer Ansteckung mit dem neuen Conoavirus geschützt werden. (Foto: Imago, imago)
Ältere Menschen müssen besonders vor einer Ansteckung mit dem neuen Conoavirus geschützt werden. Imago imago

Zum Schutz von Senioren: drastische Maßnahmen in der Schweiz

Dass sich ältere Menschen in besonderer Weise vor dem neuen Coronavirus schützen müssen – darin sind sich die Experten einig. Dazu gehört auch, den direkten Kontakt mit Menschen zu vermeiden.

In der Schweiz wurden zum Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe daher bereits drastische Maßnahmen beschlossen, wie der ARD -Korrespondent aus der Schweiz, Dietrich Karl Mäurer, berichtet:

„Seit Mitternacht gelten in der italienischsprachigen Schweiz einschneidende Maßnahmen, um eine Ausbreitung des neuartigen Virus auszubremsen. Personen über 65 dürfen keine Kinder mehr hüten und weder an öffentlichen oder privaten Festen teilnehmen. Um sie vor Ansteckungen zu schützen, dürfen sie auch keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen.“

Dietrich Karl Mäurer, ARD-Korrespondent Schweiz
In Teilen der Schweiz dürfen ältere Personen über 65 keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen. Mit der strengen Maßnahme soll diese Risikogruppe vor Ansteckungen geschützt werden. (Foto: Imago, imago)
In Teilen der Schweiz dürfen ältere Personen über 65 keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen. Mit der strengen Maßnahme soll diese Risikogruppe vor Ansteckungen geschützt werden. Imago imago

Experten fordern, liebgewonnene Gewohnheiten zu hinterfragen

Damit haben die Schweizer in dieser Region den zweiten Schritt im Kampf gegen die Epidemie eingeläutet. Zuerst konzentriert man sich nämlich darauf, betroffene Personen vom Rest zu trennen, in Quarantäne zu setzen und so die Ausbreitung zu stoppen. Erst wenn das nicht mehr reicht, werden besonders Schutzbedürftige isoliert, um sie vor einer Infektion zu bewahren.

So weit gehen die Behörden in Deutschland noch nicht. Doch auch hier empfehlen Experten wie der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin, liebgewonnene Gewohnheiten zu hinterfragen und für einige Zeit auszusetzen.

Senioren sollen vorläufig direkten Kontakt mit Enkeln vermeiden


Dazu gehöre auch, dass ältere Menschen den nahen, menschlichen Kontakt vermeiden und Großeltern nicht mehr wie gewohnt die Enkel hüten sollten, da diese das Virus übertragen könnten. Auch, wenn das für alle Seiten schmerzhaft sein könne:

„Diese Überlegung, nicht mehr auf diese Kinderbetreuungsressource Oma und Opa zurückgreifen zu können und stattdessen Oma und Opa als einen schützenswerten Bereich anzusehen, wo man mithelfen muss. Wo man einfach sagen muss: erstens: Wir kaufen für die ein und wir versorgen die. Und zweitens: Wir bringen denen das auch bei, wir sprechen mit denen und sagen: Es ist ernst.“

Virologe Prof. Christian Drosten

Um mit dieser ernsten Situation verantwortungsvoll umzugehen, empfiehlt die WHO älteren Menschen daher:

  • anderen zur Begrüßung nicht die Hand zu geben
  • stark auf die eigene Hygiene zu achten und
  • sich von erkälteten Menschen fernzuhalten.

Damit erhöhe man seine Chance, gesund durch die nächsten Monate zu kommen.

Zum Schutz der Senioren: liebgewonnene Gewohnheiten wie das gemeinsame Familienfrühstück sollten hinterfragt und für einige Zeit ausgesetzt werden (Foto: Imago, imago)
Zum Schutz der Senioren: liebgewonnene Gewohnheiten wie das gemeinsame Familienfrühstück sollten hinterfragt und für einige Zeit ausgesetzt werden Imago imago

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