STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls erhöhen. Doch über eine gesunde Ernährung lässt sich dieses Risiko deutlich verringern.

Audio herunterladen (5,8 MB | MP3)

Was hat der Darm mit dem Herzen zu tun? Einiges. Denn alles, was wir essen, landet im Darm – und die Vorgänge dort haben auch Auswirkungen auf das Herz und seine Gesundheit. Zum Beispiel beim Cholesterin. Cholesterine sind bestimmte Fette, die im Blut kreisen. Besonders das LDL-Cholesterin erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen.

"Und jetzt gerade in Zeiten von Homeoffice und wenig Bewegung sehen wir auf Hausärzteseite doch peu à peu, dass die Cholesterinwerte steigen. Das macht uns Sorgen, weil man es nicht merkt und weil es auch nicht wehtut."

Arteriosklerose. Ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. (Foto: Imago, imago images / Westend61)
Ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Imago imago images / Westend61

Hoher LDL-Cholesterinspiegel ist eine "stumme Bedrohung"

Was nicht weh tut, kann trotzdem gefährlich sein. Diese "stumme Bedrohung" sei weit verbreitet, sagt die Kieler Hausärztin Siljia Schäfer. Je länger die schlechten Fette im Blut kreisen, desto größer sei die Gefahr, dass sie sich an den Innenwänden der Blutgefäße ablagern und die Gefäße "verkalken", wie der Volksmund sagt. Der Fachbegriff dafür ist: Arteriosklerose. Und damit ist nicht zu spaßen.

"Todesursache Nummer eins in Deutschland: Herzinfarkt und Schlaganfall. Und da muss man besonders auf die Gefäßrisikofaktoren achten. Und neben Rauchen, Diabetes und zu hohem Blutdruck ist natürlich der Cholesterinspiegel besonders wichtig."

Herzinfarkt und Schlaganfall sind hierzulande immer noch Todesursache Nummer eins. Rauchen, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung, können das Risiko deutlich erhöhen. (Foto: Imago, imago images/Elmar Gubisch)
Herzinfarkt und Schlaganfall sind hierzulande immer noch Todesursache Nummer eins. Rauchen, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung, können das Risiko deutlich erhöhen. Imago imago images/Elmar Gubisch

Eigeninitiative ein wichtiger Faktor für den Erfolg

Wie bei vielen Erkrankungen, ist auch hier die eigene Initiative der Schlüssel zum Erfolg: mehr Bewegung und genau schauen, was auf den Teller kommt. Bei einem zu hohen Cholesterinwert würde die Hausärztin Siljia Schäfer nicht sofort mit Medikamenten anfangen. Zunächst sollte untersucht werden, wie schlimm diie Ablagerungen von Chlesterin wirklich seien. Und dann sollte man versuchen, die Werte über eine Ernährungsumstellung wieder in den Griff zu bekommen.

Hier kommt es – erklärt die Ärztin und Ernährungsmedizinerin – vor allem auf viele Ballaststoffe an. Ballaststoffe sind unverdauliche Faserstoffe in pflanzlichen Lebensmitteln – und äußerst hilfreich. Stichwort: Mediterrane Kost: Viele Beobachtungsstudien zeigen, dass Menschen, die langfristig viel Gemüse und andere Ballaststoffe essen, aber wenig Fleisch, eine bessere Herz-Kreislaufgesundheit haben.

Durch eine bestimmte Ernährung lässt sich ein erhöhter LDL-Cholesterin-Spiegel positiv beeinflussen. (Foto: Imago, imago images/YAY Images)
Durch eine bestimmte Ernährung lässt sich ein erhöhter LDL-Cholesterin-Spiegel positiv beeinflussen. Imago imago images/YAY Images

Stoffwechselprodukte aus dem Darm haben Einfluss auf Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Warum das so ist, war lange unklar. Forschungen von Herzspezialisten an der Berliner Charité zeigen nun, dass der Darm dabei eine wichtige Rolle spielt. Kardiologe Arash Haghikia.

"Es gibt schon länger Beobachtungen, dass die Stoffwechselprodukte aus dem Darm Einfluss haben auf die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In den letzten Jahren haben wir uns mehr mit der bakteriellen Flora des Darms und deren Stoffwechselprodukten beschäftigt und beobachtet, dass bestimmte Stoffwechselprodukte protektiv sind, also schützend."

Mikroben als nützliche Untermieter im Darm

Die Darmflora nennen Forscherinnen und Forscher inzwischen Mikrobiom. Denn sie besteht aus Millionen von Mikroben. Das sind nützliche Untermieter: sie verarbeiten unsere Nahrung. Eines dieser Bakterienprodukte ist die Propionsäure, eine kurzkettige Fettsäure. Darmmikroben stellen sie aus Gemüse, Hülsenfrüchten und anderen Ballaststoffen her.

Man kann Propionsäure in Form von Natriumpropionat auch künstlich herstellen und in eine Kapsel pressen – dann gilt sie als Nahrungsergänzungsmittel. Und dieses gaben die Berliner Kardiologen Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel. Die eine Gruppe erhielt ein Placebo, eine Scheinsubstanz , die andere die Propionsäure. Die hatten einen erhöhten LDLSpiegel, waren aber ansonsten gesund. Die Gruppe, die die Propionsäure erhielt, zeigte nach 8 Wochen eine Reduktion des LDL-Cholesterins.

Propionsäure beeinflusst Cholesterinspiegel positiv

Das LDL-Cholesterin der Teilnehmenden sank durch Einnahme der kurzkettigen Fettsäure im Schnitt um etwa 8%, – längst nicht so viel wie unter medikamentösen Cholesterinsenkern, aber signifikant, also messbar. Ein Darmprodukt, das die Blutfette senkt? Wie das gelingt, hat Arash Haghikia auch erforscht:

Dafür haben sich Haghikia und seine Kolleginnen und Kollegen in experimentellen Arbeiten den Mechanismus angeschaut, und gesehen, dass die Propionsäure möglicherweise die Cholesterinaufnahme im Darm direkt senkt. Die Cholesterinaufnahme im Darm wird dann herunterreguliert.

Mit Hilfe der Propionsäure fängt der Darm die schlechten Fette gewissermaßen ab, bevor sie ins Blut gelangen. Cholesterinsenkung via Darmmikroben. Für eine Therapie mit Propionsäure-Kapseln ist es aber noch zu früh.

"Was wir nicht wissen: Wie die Langzeiteffekte der Propionsäure sind auf den Fettstoffwechsel. Unsere Studie ging über 8 Wochen. Wir haben einen cholesterin-senkenden Effekt gesehen. Wie das aber aussieht, wenn man über Jahre Propionsäure nimmt, das haben wir nicht untersucht."

Vielleicht können bestimmte natürliche Cholesterinsenker wie Prospionsäure mit etablierten Cholesterin-Medikamenten kombiniert werden. (Foto: Imago, imago images/Steinach)
Vielleicht können bestimmte natürliche Cholesterinsenker wie Prospionsäure mit etablierten Cholesterin-Medikamenten kombiniert werden. Imago imago images/Steinach

Kombipräparate zur Senkung des Blutfettspiegels denkbar

Denkbar wäre, so Arash Haghikia, in der Therapie des Blutfettspiegels in Zukunft Medikamente und kurzkettige Fettsäuren wie Propion zu kombinieren. Das muss aber erst noch genauer untersucht werden. Hausärztin Sijia Schäfer hat es sowieso lieber, wenn Patient*nnen, statt eine Kapsel einzuwerfen, erst einmal auf die Mittelmeerküche umstellen. Als Ernährungsmedizinerin plädiert sie dafür, lieber natürliche Lebensmittel zu essen und zu verwerten und darüber das Ganze zu schaffen. Das sei einen Versuch wert.

"Ich ändere meinen Lebensstil, ich denke drüber nach, ich übernehme Verantwortung für meinen Körper. Das ist nicht nur ein Benefit für den Cholesteinspiegel, sondern auch für viele andere Dinge im Körper."

Ob dann der Cholesterinwert nach der Ernährungsumstellung wieder im grünen Bereich ist, sollte dann auch kontrolliert werden. Dafür sollten spätestens nach einem halben Jahr wieder die Blutwerte bestimmt werden.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG