Derzeit gibt es mehr Sonnenflecken als erwartet.

Astronomie

Mehr Sonnenflecken als erwartet

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Uwe Gradwohl
Uwe Gradwohl, Leiter der Redaktion SWR Wissen Aktuell.
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Ralf Kölbel

Die Sonne ist aktiver als gedacht. Derzeit bilden sich auf ihr mehr Sonnenflecken als man das zuvor berechnet hat. Woran könnte das liegen?

Zunächst: Sonnenflecken haben mit der Sommerhitze nichts zu tun, sie bilden sich auch im Winter. Und sie kommen und gehen in einem rätselhaften Rhythmus. Alle 11 Jahre gibt es ein Maximum der Anzahl an dunklen Flecken auf der Sonne, und darauf steuern wir gerade zu. Forschende in den USA waren bislang recht stolz darauf, dieses Maximum vorausberechnen zu können - doch diesmal scheinen sie danebenzuliegen.

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Zahl der Sonnenflecken höher als erwartet

Der gemessene Wert für die Anzahl der Sonnenflecken im Juni: über 160. Vorhergesagt war ein Wert bei 120. Und das Maximum ist wohl noch nicht erreicht. Das von der NASA und der amerikanischen Wetterbehörde NOAA gemeinsam betriebene Modell zur Vorhersage der sogenannten Sonnenflecken-Relativzahl scheint mit seinen Prognosen zunehmend falsch zu liegen.

Sonneneruptionen schicken Teilchenschauer und Magnetstürme durchs All

Die Messreihe zur Zählung der Sonnenflecken reicht zurück bis ins Jahr 1749. Nach Jahrzehnten der Sonnenbeobachtung fiel den Astronomen des 19. Jahrhunderts auf, dass die Sonnenfleckenzahl regelmäßig schwankt. Alle 11 Jahre kommt es zu einem Sonnenfleckenmaximum. Die Zeit um das Maximum ist dann auch jener Zeitraum, in dem es auf der Sonnenoberfläche häufiger zu gewaltigen Ausbrüchen kommt. Sonneneruptionen schicken massereiche Teilchenschauer und starke Magnetstürme ins All – die immer wieder mal auch die Erde treffen. Für Menschen des 18. oder 19. Jahrhunderts weniger ein Problem – für eine moderne Zivilisation schon.

Polarlichter sind ein Himmelsspektakel, das vor allem in nörlichen Regionen zu beobachten ist.
Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen des Sonnenwindes aus der Magnetosphäre mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen in den oberen Schichten der Erdatmosphäre kollidieren und diese ionisieren.

Satelliten können durch Magnetstürme aus der Bahn geraten

Beispielsweise für Satellitenbetreiber. Trifft ein Magnetsturm die Erde, dehnt sich deren obere Atmosphäre ins Weltall hinaus aus. Satelliten, die eigentlich im Vakuum des erdnahen Weltalls auf Umlaufbahnen kreisen, spüren dann plötzlich die Reibung an den Luftmolekülen der dünnen oberen Erdatmosphäre – und können in der Folge aus der Bahn geraten. SpaceX hat auf diese Weise im Februar 2022 40 Satelliten verloren, die alle nach dem Start wegen eines Magnetsturms ihre Umlaufbahnen nicht erreichen konnten.

Das Verhalten der Sonne einigermaßen zuverlässig vorhersagen zu können ist ein großes Ziel der Wissenschaft. Bislang wurden die Flecken gezählt. Wenn nach 11 Jahren keine Flecken mehr auftauchten, wurde der Fleckenzyklus für beendet erklärt. Dann wurde nach der Länge des Zyklus geschaut und daraus eine Vorhersage für die Länge und Stärke des nächsten Sonnenfleckenzyklus abgeleitet. Aktuell weichen aber Vorhersage und tatsächliche Sonnenaktivität immer deutlicher voneinander ab. Zur Freude einer Gruppe von Forschenden mehrerer Institute in den USA: Sie haben bereits vor drei Jahren den stärkeren Fleckenzyklus vorhergesagt.

Ohne die Sonne könnten wir auf der Erde nicht leben; sie spendet uns Licht und Wärme. Allerdings ist unser Planet auch permanent der Brandung des Sonnenwindes ausgesetzt, der auch bedrohlich sein kann.
Ohne die Sonne könnten wir auf der Erde nicht leben; sie spendet uns Licht und Wärme. Allerdings ist unser Planet auch permanent der Brandung des Sonnenwindes ausgesetzt, die auch bedrohlich sein kann.

Höhepunkt der Sonnenaktivität kommt früher als erwartet

Diese Gruppe hat nicht die Flecken gezählt, sondern das Magnetfeld der Sonne gemessen, das sich mit den Flecken zusammen verändert. Wenn die Fleckenzahl sinkt, wird auch das mit den Flecken einhergehende Magnetfeld schwächer. Doch es verschwindet nicht zusammen mit den Flecken, sondern erst etwas später. Die Forschenden haben die Zeitpunkte des Verschwindens der Magnetfelder bestimmt. So sind sie zu anderen Werten für die Längen der Sonnenzyklen gekommen – und damit auch zu einer anderen Prognose für die künftige Sonnenaktivität.

Demnach wird der Höhepunkt der Sonnenaktivität nicht erst Ende 2025, sondern bereits ein Jahr früher, Ende 2024, erreicht. Und dieses Aktivitätsmaximum soll deutlich stärker ausfallen als bislang gedacht.

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