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Warum wirken Marionetten-Figuren auf der Bühne viel größer als sie in Wirklichkeit sind?

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AUTOR/IN
Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Es handelt sich um eine optische Täuschung die auch absichtlich eingesetzt wird. Das bestätigte mir auch Karin Birkhold-Gerhards vom Marionettentheater in Schwäbisch Hall. Diese Täuschung wird durch gleich mehrere Effekte erzielt. Zum einen erscheinen die Marionetten so groß, weil die anderen Requisiten – also die Gegenstände, mit denen sie so zu tun haben, Stühle, Tische, Türen – im Verhältnis etwas kleiner gestaltet sind. Neben diesen kleinen Gegenständen wirken die Figuren fürs Auge umso größer. Der zweite Trick ist, dass die Bühne selbst zwar relativ breit ist, aber nach hinten nur wenig Tiefe hat. Der Raum, in dem sich die Marionetten nach vorne und hinten bewegen, ist also relativ schmal. Das Bühnenbild wird aber so gestaltet bzw. gezeichnet, dass es so aussieht als wäre nach hinten sehr viel Raum. Und auch dies lässt die Figuren größer erscheinen. Das alles funktioniert aber vor allem deshalb, weil der Zuschauer es mit künstlichen Figuren zu tun hat, bei denen er nicht weiß, wie groß sie wirklich sind. Wir sehen also die Tische, die Stühle und Türen und gehen davon aus: Die sind „normal“ groß – gleichzeitig sieht das Auge die Figuren, die im Vergleich dazu übergroß erscheinen. Würde jetzt statt der Figuren ein Mensch die Bühne betreten, wäre die optische Täuschung weg – dann würde man sofort sehen, dass der Mensch „normal“ groß ist und es sich bei den Tischen und Stühlen im Vergleich dazu um Mini-Gegenstände handelt.