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Der SWR Fernsehturm Stuttgart könnte UNESCO-Weltkulturerbe werden. Jedenfalls hat das baden-württembergische Wirtschaftsministerium diesen weltweit ersten Stahlbetonturm auf die deutsche Vorschlagsliste gesetzt. Ich frage mich, ob darin ein Symbol für den SWR liegt. Gehört der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter Arten- oder Denkmalschutz gestellt? Ist das sowas wie die Ehrung für das Lebenswerk, nach der nix mehr kommt? Ganz im Gegenteil!

Viele Türme auf der ganzen Welt von Toronto bis Johannesburg wurden nach dem Vorbild des Fernsehturm Stuttgart gebaut. Die Erbauer haben in den 50er-Jahren eine Pionierleistung erbracht, indem sie eine Technik nutzten, die es bis dahin noch bei keinem Fernsehturm gab. Damit steht er für baden-württembergischen Erfindungsreichtum und zeugt von dem Mut Neues zu wagen. Von diesem Spirit können wir uns heute ein Scheibe abschneiden. Auch der SWR muss mutig sein, indem er Innovationen nicht nur zulässt, sondern sie aktiv fördert. Und wie unsere Vorgängergeneration stehen wir zu den Menschen, die sich etwas trauen.

Der Fernsehturm steht für mich aber auch symbolisch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er bildet eine weithin sichtbare Landmarke, an der sich die Menschen orientieren. Er steht aufrecht, egal welches Wetter herrscht oder ob eine Pandemie grassiert. Er ist nicht perfekt. Von Zeit zu Zeit müssen Schrauben und Bauteile gepflegt und erneuert werden. Aber er ist für alle einfach da. Und die Menschen im Raum Stuttgart identifizieren sich mit „ihrem“ Turm. Er strahlt Standfestigkeit und Selbstbewusstsein aus. Dieses Selbstbewusstsein dürfen auch wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk bei aller Demut an den Tag legen, denn wir erleben gerade, dass wir gebraucht werden und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft wichtig sind. Der Fernsehturm erfüllt in diesem Sinne die Mission des SWR: Er gibt den Menschen im Südwesten Orientierung, Heimat und Geborgenheit.

Klingt für Sie zu pathetisch? Kann sein. Aber das Symbol für einen gradlinigen, innovativen und verlässlichen SWR gefällt mir sehr gut. Und wenn dieses Bauwerk sogar UNESCO-Weltkulturerbe wird, können sich noch viele Generationen an diesem Symbol orientieren.

Ihr Kai Gniffke

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