Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des Südwestrundfunks (SWR) © SWRPaul Gärtner (Foto: SWR, Paul Gärtner)

EINBLICK | 21.12.2022

Doppelinterview im Spiegel

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AUTOR/IN
Kai Gniffke

Die Zukunft des Journalismus und Unabhängigkeit von den internationalen Tech-Konzernen – das sind die Themen, die mir als Intendant des SWR und als künftiger ARD-Vorsitzender am Herzen liegen. Das habe ich in der vergangenen Woche in einem Doppelinterview mit Tom Buhrow im SPIEGEL deutlich gemacht. Eine Bemerkung darin war offenbar missverständlich und hat für Irritationen gesorgt.  

Doch zuerst die Frage, worum geht es? Ab Januar organisiert der SWR das Zusammenspiel in der ARD mit den anderen ARD-Sendern. Im Vorfeld unseres ARD-Vorsitzes habe ich in der vergangenen Woche dem SPIEGEL ein Interview gegeben, in dem ich klargemacht habe, wie wichtig die ARD gerade in den aktuellen Umbruchzeiten für die Menschen in Deutschland ist, für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie. Wie wichtig es ist, dass wir der ARD gemeinsam entschlossen ein Update aufspielen, um auch in Zukunft noch für die Menschen in diesem Land da zu sein – mit Recherche, Relevanz und Qualität. Guter Journalismus ist eine der Grundfesten unserer Gesellschaft, wichtig für den Zusammenhalt und die Momente, die uns gemeinsam bewegen.

Ich habe das Interview mit Leidenschaft geführt. Leidenschaft für Journalismus, Leidenschaft für die Arbeit, mit der so viele Kolleginnen und Kollegen der ARD exzellentes Programm machen. Ich bemühe mich immer um eine bildhafte Sprache. Eine Sprache, die ein wenig anders klingt als man es von der ARD gewohnt ist und die mich an manchen Punkten angreifbar macht. Ich finde, dass wir in der ARD mit breiter Brust und Entschlossenheit die Zukunft des Journalismus gestalten werden – auch wenn es Gegenwind gibt. Wir stellen uns auf den technologischen Wandel ein, werden Dinge loslassen, die viele Menschen lieben. Programme, für die sich womöglich starke Interessengruppen einsetzen. Wir sind in diesem Transformationsprojekt im SWR und in der ARD schon weit gekommen – dank der Arbeit, dem Mut und der Veränderungsbereitschaft unserer Mitarbeitenden. So wollen wir gemeinsam weitermachen. Die Reibungen, die wir dabei mit der Gesellschaft, mit unseren Gremien, mit der Medienpolitik haben werden, habe ich mit „Halligalli“, „Quieken“, „Jaulen“ umschrieben. Andere Begriffe wären besser gewesen. Wichtig ist mir aber: Wir schaffen diese Transformation nur gemeinsam mit allen Mitarbeitenden – egal, wie groß der Gegenwind sein wird. Nur gemeinsam lässt sich das durchziehen. 

Ich hoffe, dass meine bildhafte Wortwahl nicht das Einzige ist, was hängen bleibt, sondern auch Sätze wie diese: Uns geht es um die Zukunft des Journalismus. Ich will in Journalismus investieren. Und: Wir dürfen uns nicht von Techkonzernen abhängig machen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Und ich freue mich darauf, diesen Prozess als ARD-Vorsitzender mitzugestalten.

Ihr Kai Gniffke

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Kai Gniffke