Prof. Dr. Kai Januschowski, Leiter Augenärztliche Praxis Krankenhaus Prüm

Internationale Spitze in der Eifel

Augenarzt in Prüm ist weltweit anerkannt

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Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon

Vor anderthalb Jahren hat eine neue Augenarztpraxis in der kleinen Eifelstadt Prüm geöffnet. Heute ist sie schon international bekannt. Und jetzt soll dort auch geforscht werden.

Wer heute rund um Prüm ein Problem mit den Augen hat, der kann im Krankenhaus in Prüm nicht nur mit modernster Technik untersucht werden. Er oder sie kann sich auch von einem der laut einem Online-Portal 25 besten Netzhautchirurgen der Welt operieren lassen.

Noch vor zwei Jahren mussten Patientinnen und Patienten aus der Gegend gut 50 Kilometer hin- und zurückfahren, um zu einem Augenarzt zu kommen - es herrschte akuter Arztmangel. Dann hat Prof. Dr. Kai Januschowski im Sommer 2021 eine neue Praxis in einem zuvor stillgelegten Teil des Prümer Krankenhaus eröffnet.

"Wir sind in einer Luxussituation: Wir haben mehr Bewerbungen als Stellen."

Und die hat sich in anderthalb Jahren zu einem europaweit anerkannten Standort für Augenheilkunde entwickelt, der Patienten und Mediziner anzieht, sagt Leiter und Chirurg Januschowski: "Wir sind in einer Luxussituation: Wir haben mehr Bewerbungen als Stellen. Ich denke, das liegt vor allem an der Attraktivität des Standortes Prüm."

Denn mittlerweile gebe es modernste Geräte zur Diagnostik in Prüm. Und auch die operativen Leistungen - OPs am grauen Star, Netzhautoperationen, Hornhautteilverpflanzungen, das Einsetzen von Linsen - seien interessant für junge Augenärzte. So gibt es mittlerweile im kleinen Prüm drei Fachärzte und drei Assistenzärzte für Augenheilkunde.

Von der Notversorgung zur etablierten Praxis

Je breiter das Spektrum, das man anbietet, und je besser die medizinische Versorgung, desto interessanter sei es für die Profis, nach Prüm zu kommen, sagt Januschowski: "Hinzu kommt noch: Prüm ist eine sehr schöne Stadt. Die Natur hier ist wirklich sehr schön. Hier gibt es noch bezahlbaren Wohnraum."

"Das ist ein wahnsinniger Schritt in Richtung besserer Versorgung."

Von anfangs nur wenigen Tagen Sprechstunden und einem OP-Tag pro Woche konnte deshalb mittlerweile auf Sprechstunden die ganze Woche über und OPs an drei Tagen aufgestockt werden, sagt Januschowski: "Das ist ein wahnsinniger Schritt in Richtung besserer Versorgung. Wir können 200 bis 300 Patienten die Woche behandeln und fangen jetzt an, die Patienten zu regelmäßigen Kontrollen zu sehen."

Denn ursprünglich sei die Praxis gegründet worden, um die Notversorgung der an Augenärzten armen Region sicherzustellen und möglichst viele Patientinnen und Patienten erstzuversorgen: "Jetzt sind wir da, dass wir die Versorgung mehr strukturieren können. Das ist für mich persönlich eine ganz schöne Entwicklung."

Warteliste noch nicht abgearbeitet

Dennoch: Die Warteliste der Praxis ist nach wie vor sehr lang. Ungefähr 500 Patienten warteten noch auf einen Termin. Erst nach und nach versuche man, feste Termine an die Menschen darauf zu vergeben.

"Wenn man sich nur die Warteliste von 500 Patienten anschaut, dann geht das alles noch nicht schnell genug."

Um mehr Menschen behandeln zu können, braucht es aber auch mehr Personal und mehr Behandlungszimmer. Drei weitere Räume seien vom Krankenhaus bereits zugesagt worden, berichtet Januschowski: "Wenn man sich diese Entwicklung betrachtet, sind wir relativ relativ gut und auch relativ fix dabei. Aber wenn man sich nur die Warteliste von 500 Patienten anschaut, dann geht das alles noch nicht schnell genug."

Neues Forschungsinstitut seit Januar

Aber nicht nur hier will man aufstocken: Um die Region dauerhaft medizinisch besser zu versorgen, muss auch die Forschung ausgebaut werden, findet Januschowski: "Weil ich überzeugt bin, dass das nur geht, wenn man ständig daran arbeitet, dass man die neuesten Techniken, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Patientenversorgung hat."

Deshalb hat er im Januar das "Medical Research Expert Institute" am Prümer Krankenhaus gegründet. Das Institut arbeite gemeinnützig und damit nicht gewinnorientiert. Neben einem Geschäftsführer gibt es eine Biologin, die die wissenschaftliche Seite betreut. Fünf Ärzte und drei medizinische Fachangestellte sollen wissenschaftliche Studien betreuen.

Im Moment entstehen die Studien in Kooperation mit der Industrie und werden von einer öffentlichen Stiftung gefördert, sagt Januschowski. Im nächsten Jahr sollen dann gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium Studien zur medizinischen Versorgung und Digitalisierung in strukturschwachen Regionen durchgeführt werden.

"Wie schaffen wir es, dass unsere technischen Möglichkeiten die medizinische Versorgung älterer Menschen auf dem Land verbessern?"

Zwei Forschungsrichtungen am Institut

Denn das Forschungsinstitut in Prüm hat zwei Standbeine. Zum einen will Kai Januschowski mit seinem Team herausfinden, wie man auch älteren Menschen in ländlichen Regionen digital medizinisch helfen kann: "Wie wir die Digitalisierung im Moment nutzen, hilft sie dem Patienten noch recht wenig. Viele ältere Leute auf dem Land haben kein Smartphone. Wie schaffen wir es, dass unsere technischen Möglichkeiten bei diesen Leuten ankommen und wir ihre medizinische Versorgung verbessern können?"

Im zweiten Zweig des Forschungsinstituts sollen bereits vorhandene medizinische Studien in ihrer vierten Phase überprüft werden: Das Team soll untersuchen, welche Vorteile neue Behandlungsansätze, die schon für den Markt zugelassen sind, wirklich in der Praxis für die Patienten haben.

Dabei geht es zum Beispiel um künstliche Linsen, die ins Auge eingesetzt werden, aber nicht nur das Sehen in die Ferne wie bei den herkömmlichen, starren Linsen erlauben. Damit soll man auch auf dem Armaturenbrett oder der Arbeitsfläche der Küche noch gut sehen können und nur zum Lesen eine Brille brauchen. Insgesamt sollen in diesem Jahr fünf Studien abgeschlossen werden.

Prüm bei Medizinern aus Europa beliebt

Schon jetzt ist die augenärztliche Praxis im Prümer Krankenhaus international gefragt. Mitte Januar etwa war ein Ärzteteam aus den Niederlanden zu Besuch. Man wollte sich die Methoden für OPs in Prüm anschauen und die Technik und modernen Maschinen der Praxis. Zum Beispiel ist es hier möglich, die Netzhaut bei Operationen im Querschnitt zu sehen.

Auch ein Team aus Rumänien war kürzlich da. Eine Operation zu zeigen sei viel einfacher, als die Kenntnisse in Lehrbüchern oder Videos zu vermitteln, findet Januschowski: "Wir haben ja den Vorteil, dass wir eine doch relativ moderne Ausstattung haben. Und vielen erfahrenen Chirurgen reicht es häufig aus, wenn sie bei verschiedenen Techniken einfach mal bei uns vorbeischauen. Um mal zu sehen, wie das funktioniert."

Eifeler Atmosphäre in der Praxis

Abseits vom internationalen Renommee geht es in der Augenarztpraxis eiflerisch zu, lacht Januschowski, der nicht aus der Region kommt: "Auf den Gängen wird Eifeler Platt geredet. Ich habe hier eine ganz tolle Region entdeckt mit unglaublich tollen Menschen, die mir vorher völlig unbekannt war."

Einziger Wermutstropfen sei, dass die Praxis es jetzt, nach anderthalb Jahren, noch nicht geschafft hat, die komplette Versorgung für alle Patienten zu gewährleisten. "Aber da arbeiten wir dran und das wird hoffentlich werden", sagt Januschowski.