Bei der diesjährigen Zensus-Zählung sind in Rheinland-Pfalz einige Pannen passiert (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Edith Geuppert)

Statistisches Landesamt verschickt Mahnungen

Datenpannen beim Zensus in RLP: Wenn Tote angeschrieben werden

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Von Mai bis August lief bundesweit eine Volkszählung, auch Zensus genannt. Bei der Erhebung, so stellte sich in Rheinland-Pfalz heraus, gab es viele Datenpannen - unter anderem wurden auch Tote angeschrieben und angemahnt.

Als Hans Fink Anfang Mai in das Eifelörtchen Hetzerath fährt, findet er Post vom Landesamt für Statistik im Briefkasten. Die eigentliche Empfängerin, seine Stief-Schwiegermutter Elisabeth Berg, ist bereit 2009 verstorben. Ungeöffnet schickt er den Brief mit dem Vermerk "Adressatin bereits verstorben" an das Landesamt zurück.

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Zwei Wochen später liegt wieder Post im Briefkasten: Die Behörde schreibt erneut die tote Elisabeth Berg an. Was das Statistische Landesamt von Frau Berg will? Sie führen eine Volkszählung durch, den sogenannten Zensus. Herr Fink sucht Kontakt zur Behörde. Wie vom Amt empfohlen, füllt Herr Fink ein Formular aus und teilt darin mit, dass Frau Berg bereits seit Jahren tot ist.

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Entschuldigung kommt schnell

Kurze Zeit später bekommt er eine Entschuldigungsmail, in der es heißt, dass es bei Sterbefällen manchmal vorkäme, dass die betreffenden Stellen das nicht zeitnah erführen. "Wenn das Ganze bereits 13 Jahre zurück liegt, dann kann das wohl nicht wahr sein, dass man so lange braucht, um die Daten zu verarbeiten", wundert sich Fink.

Doch es folgt der dritte Brief. Doch die Erben, die Töchter von Hans Fink, haben das Grundstück von Frau Berg bereits verkauft. Hans Fink fährt zum Notar, um für das Landesamt die Daten der neuen Eigentümer herauszubekommen und übermittelt diese.

Gelbe Überraschung

Anfang August dann die Überraschung: Das Landesamt für Statistik schickt eine Zwangsgeldandrohung im gelben Brief. Frau Berg solle endlich Auskunft geben. Ansonsten seien 300 Euro fällig.

Auf Nachfrage des Politikmagazins Zur Sache Rheinland-Pfalz heißt es: "Bei der Ermittlung der Eigentümerinnen und Eigentümer zur Gebäude- und Wohnungszählung haben wir uns auf verschiedene Verwaltungsregister gestützt, unter anderem auf die der Grundsteuerstellen. Es ist in Einzelfällen immer möglich, dass ein Eigentümerwechsel in einem Register nicht oder fehlerhaft vorgenommen wurde."

Landesamt für Statistik reagiert auf Pannen

Mittlerweile hat das Statistische Landesamt auf zahlreiche Beschwerden reagiert. In den Gebieten, in denen die Zustellprobleme aufgetreten sind, wird das Mahnverfahren laut Behörde ausgesetzt. Zudem soll die Rücksendefrist für die Formulare bis Mitte September verlängert werden.

Warum gibt es einen Zensus?

Ziel des Zensus ist zu ermitteln, wie viele Menschen in Rheinland-Pfalz leben, wie sie wohnen und arbeiten. Basis sind die Melderegister der Kommunen, hinzu kommen stichprobenartige Befragungen von Haushalten.

Die Einwohnerzahl ist beispielsweise Bemessungsgrundlage für den Länderfinanzausgleich, für die Einteilung von Wahlkreisen und für die Festlegung der Länderstimmen im Bundesrat. Die Kommunen nutzen Daten aus dem Zensus unter anderem dafür, geeignete Standorte für Kindergärten oder Seniorenheime zu planen.

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