Eröffnung des Hospiz in Worms (Foto: SWR)

"Hier herrscht das Leben!"

Nach Jahren des Wartens: Worms hat ein Hospiz

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AUTOR/IN
Pauline Sachs

Im ehemaligen Krankenhaus Hochstift hat nun das erste Hospiz der Stadt eröffnet. Noch wohnt niemand darin, aber schon jetzt steht fest: Der Bedarf ist groß.

In ein paar Tagen ziehen im neuen Hospiz in Worms die ersten sechs Gäste ein. "Gäste", wohlgemerkt, nicht "Patienten". Es geht um sterbenskranke Menschen, die im Hospiz ihre letzte Lebensphase verbringen. Lichtdurchflutete Zimmer, wohnlich eingerichtete Aufenthaltsräume und eine weitläufige Dachterrasse sollen ihnen ein Sterben in einer positiven Atmosphäre ermöglichen. Hospizleiterin Verena Wolff ist begeistert von der zentralen Lage, mit Blick auf Dom und Stadtmauer: "Wir sind mittendrin. Hier herrscht das Leben. Gegenüber ist eine Schule, das alles bringt hier Leben rein."

Eröffnung des Hospiz in Worms (Foto: SWR)
Möglichst hell: Alle Zimmer haben Balkone und große Fenster.

Unterstützung für Sterbende und Angehörige

Verena Wolff und ihr Team wollen vor allem eines: Die Wünsche ihrer Gäste so gut wie möglich erfüllen. Der Pflegeschlüssel ist hier deutlich niedriger als in einem Pflegeheim; es gibt also mehr Mitarbeiter, die sich um die Gäste kümmern können. Es wird täglich frisch gekocht und ehrenamtliche Helfer kommen vorbei, um sich zu unterhalten oder einfach zuzuhören. Auch Angehörige dürfen jederzeit zu Besuch kommen und auch selbst einige Tage ins Hospiz einziehen, wenn sie wollen. Für trauernde Kinder und Jugendliche gibt es einen eigenen Raum mit Spielen und Filmen – eine Initiative von Dr. Ulrike Löffler, Ärztin im Ruhestand: "Angebote für trauernde Kinder fehlen, dabei ist eine altersgerechte, qualifizierte Betreuung so wichtig."

Eröffnung des Hospiz in Worms (Foto: SWR)
Der große Aufenthaltsraum mit Kamin und Kücheninsel.

Es gibt schon eine Warteliste

In Worms gibt es bereits seit 26 Jahren einen ambulanten Hospizdienst: Pflegekräfte und Seelsorger der Ökumenische Hospizhilfe betreuen sterbenskranke Menschen im eigenen Zuhause. Das Hospiz Hochstift ist die erste stationäre Einrichtung in der näheren Umgebung, die nächstgelegenen stationären Hospize sind in Mainz und Ludwigshafen.

"In der finalen Lebensphase sollte niemand auf einer Warteliste stehen müssen."

Und der Bedarf ist da: Derzeit stehen sechs Plätze zur Verfügung, im Januar sollen es zwölf sein. "Und bereits am Tag der Eröffnung gibt es eine Warteliste", sagt die Vorsitzende des Fördervereins Kathrin Anklam-Trapp, und hält das für einen unerträglichen Zustand: "In der finalen Lebensphase sollte niemand auf einer Warteliste stehen müssen."

Eröffnung des Hospiz in Worms (Foto: SWR)
Die Ökumenische Hospizhilfe Worms bietet ambulante und nun auch stationäre Hospizbetreuung in Worms und Umgebung an.

Der lange Weg zum Hospiz

Hinter dem Projekt steht der Trägerverein Ökumenische Hospizhilfe Worms e.V., bestehend aus Mitgliedern der Caritas und Diakonie sowie der evangelischen und katholischen Kirche. Vor zwei Jahren kaufte der Verein einen Teil des Hochstiftsgebäudes, seit letztem Sommer werden die oberen Stockwerke umgebaut. "Die Finanzierung war eine große Herausforderung", so Lars Diemer, Caritasdirektor in Worms. Auch großzügige Spenden spielten eine wichtige Rolle – und tun das weiterhin: Die Krankenkassen erstatten den Hospizen 95 Prozent der Betriebskosten, den Rest müssen die Träger selbst stemmen. Für die Gäste ist der Aufenthalt im Hospiz, anders als beispielsweise in einem Pflegeheim, kostenfrei.

Eröffnung des Hospiz in Worms (Foto: SWR)
Weiter Blick: von der Dachterrasse aus kann man über Rheinhessen blicken.

Die Vereinsmitglieder sind stolz, dass ihr Projekt jetzt steht. Und Hospizleiterin Verena Wolff ist gespannt auf ihre neue Aufgabe. Am Montag ist es endlich so weit: Die ersten Gäste ziehen ein.

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