Solaranlagen über Obstplantagen (Foto: SWR)

Wissenschaftler ziehen erste Bilanz

Solar oben - Obst unten: Pilotprojekt in Grafschaft läuft gut

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Wissenschaftler haben am Donnerstag erste Erkenntnisse vorgestellt, wie Solaranlagen als Schutz für Obstbäume dienen können. Demnach schützen die Solarpanele unter anderem Apfelbäume vor Sonnenbrand.

Seit einem Jahr wachsen Äpfel unter einer Photovoltaik-Anlage in Grafschaft-Gelsdorf. Nun gibt es erste Ergebnisse des Pilotprojekts. Doch noch muss an der Anlage geforscht werden.

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Die Sonne scheint auf die Felder in Grafschaft-Gelsdorf im Kreis Ahrweiler. Nur zwischen den Obstbäumen von Johannes Nachtwey ist es schattig und kühl. Der Grund: In seiner Plantage steht ein großes Gerüst, an dem Solarpanele befestigt sind. Wie Sonnensegel sind sie über die Obstbäume gespannt. Während unten die Äpfel reifen, sollen die Photovoltaik-Anlagen einmal Strom erzeugen. Es ist das erste sogenannte Agri-PV-Projekt über Apfelbäumen in Deutschland.

"Wir haben in Zukunft zwei Fragen zu beantworten: Die Energieversorgung und die Lebensmittelproduktion", so Biobauer Nachtwey. Beides könne man mit so einem Projekt kombinieren. "Es sind ja fast nur positive Dinge, die man hier erreichen kann." Doch die Methode steht noch ganz am Anfang. Nachtweys Anlage in Gelsdorf ist erstmal nur ein Pilotprojekt. Forscher wollen damit herausfinden, wie sich die Solarpanele auf das Obst auswirken.

Photovoltaik-Anlage schützt Apfelbäume vor Sonnenbrand

Seit einem Jahr wachsen Nachtweys Apfelbäume nun im Schutze der Photovoltaikplatten. Nun steht die erste Apfelernte bevor. Für ein Fazit sei es noch zu früh, allerdings gebe es schon erste Ergebnisse, so Jürgen Zimmer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, das an der Anlage forscht. An besonders sonnigen Tagen könne die Anlage nämlich die Bäume schützen: "Es hat sich gezeigt, dass wir an der Agri-PV-Anlage keine Sonnenbrandschäden hatten. Unter Hagelnetzen hatten wir dann leichte Sonnenbrandschäden."

Solaranlagen über Obstplantagen (Foto: SWR)
Unten reifen die Äpfel, darüber produziert die sogenannte Agri-PV-Anlage Strom. Obstbauer Johannes Nachtwey aus Grafschaft-Gelsdorf kann in diesem Jahr die ersten Äpfel unter der Anlage ernten.

Auch Hagelschäden könnten dadurch abgewendet werden. Doch schon jetzt habe sich auch gezeigt, dass einige Apfelsorten unter den Modulen später reiften, so Jürgen Zimmer. Um das genau zu erforschen, haben Landwirt Nachtwey und die Wissenschaftler verschiedene Apfelarten gepflanzt. Auch die Solarmodule sind unterschiedlich. So soll sich bis 2025 zeigen, für welche Obstbäume eine solche Agri-PV-Anlage geeignet ist.

Anlage soll Strom für bis zu 70 Häuser produzieren

Wegen Lieferengpässen konnte die Anlage bislang noch nicht ans Netz gehen. Landwirt Johannes Nachtwey hofft, dass sich das in den kommenden Monaten ändert. Dann könnte auf einer Fläche von 3.600 Quadratmetern, Strom für etwa 70 Einfamilienhäuser produziert werden.

"Wir hoffen, dass das künftig ein Standbein sein könnte - für die Landwirtschaft, aber auch für die Energiewende."

Auch Winzer haben Interesse an Agri-PV-Projekt

"Wir hoffen, dass das künftig ein Standbein sein könnte, für die Landwirtschaft aber auch für die Energiewende", so Klimaschutzministerin Katrin Eder bei einem Besuch auf der Obstplantage. Ihr Ministerium fördert das Projekt. Sie kann sich vorstellen, dass neben Obstbauern auch andere Landwirte von Photovoltaik-Anlagen auf ihren Feldern profitieren können. "Wir haben auch Anfragen von Winzerinnen und Winzern, die auch gerne einen Modellversuch im Weinbau machen würden", so Eder. Allerdings stecke die Technik derzeit noch in den Kinderschuhen.

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Das Land unterstützt das Projekt mit 576.000 Euro. Weitere Unterstützung kommt vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Zu den Forschungspartnern gehört das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE).

Einige Fragen bleiben offen

Inzwischen gibt es in ganz Deutschland verschiedene Projekte mit Agri-PV-Anlagen. Im Mai wurde etwa in Kressbronn am Bodensee eine ähnliche Anlage eingeweiht. Bis sie die herkömmlichen Hagelnetze ersetzen und Strom produzieren, wird es allerdings noch etwas dauern. Noch gibt es viele ungeklärte Fragen. So muss zum Beispiel eine Einspeisung ins Stromnetz eingerichtet werden - auf Feldern häufig ein größerer Aufwand. Außerdem muss die Fläche unter der Anlage gut bewirtschaftet werden können. Traktoren müssen zum Beispiel problemlos unter den Solarmodulen herfahren können.

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Noch ist außerdem unklar, wie sehr die Module die Pflanzen vor Hagel, Starkregen, Frost oder extremen Temperaturen schützen. All das soll in Grafschaft-Gelsdorf weiter erforscht werden. Wenn die Ergebnisse positiv sind, will Biobauer Johannes Nachtwey in Zukunft noch mehr seiner Felder mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten.

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