Eine Feuerwehrfrau steht auf einer von starkem Regen überfluteten Straße. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt)

Neue Unwetter-Studie der TU Kaiserslautern

Deutschland ist schlecht auf Unwetterkatastrophen vorbereitet

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AUTOR/IN
Elke Klingenschmitt
ONLINEFASSUNG
Tamara Land

Die Flutkatastrophe im Ahrtal voriges Jahr hat es deutlich gezeigt: Deutschland hat große Defizite beim Schutz vor Schäden durch Unwetter. Das bestätigt nun auch eine neue Studie.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal war ein Schock für Deutschland. Und bis heute wird erbittert über eine Frage gestritten: Wer war schuld daran, dass nicht rechtzeitig gewarnt wurde? Auf der IFAT - der Weltleitmesse für Umwelttechnologien - wurde nun eine Studie vorgestellt, die vor allem eine Aussage in den Mittelpunkt stellt: Deutschland hat beim Schutz vor Schäden durch Überflutungen nach Unwettern riesengroße Defizite.

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Lokale Gegebenheiten beeinflussen Ausmaß der Schäden

Mit der zeitnahen Warnung vor Starkregenereignissen fange die Prävention schon an, sagen die Autoren der Studie, Wolfgang Günthert von der Universität der Bundeswehr in München und Theo Schmitt von der TU Kaiserslautern. Dabei müsse der Wetterbericht mit den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort interpretiert werden. Denn die Schäden, die durch Starkregen entstehen können, hängen hauptsächlich von der Topographie und der Art der Bebauung ab. Im Falle der Ahrtalkatastrophe war es ein enges Flusstal, in das zusätzlich noch Bäche und Schlammlawinen einströmten. Unterführungen, Keller und Tiefgaragen können dann durch die Wassermassen zu tödlichen Fallen werden.

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Städte und Gemeinden sollten Risiko-Karten erstellen

Bisher, so Günthert und Schmitt, würden die Städte und Gemeinden die möglichen Schäden durch Starkregen schlicht ausblenden. Der Experten-Vorschlag, das zu ändern, klingt plausibel, ist aber in der Durchführung extrem aufwendig: Deutschlandweit sollten Risikokarten erstellt werden, Straße für Straße und bis auf das einzelne Haus genau. In diesen Karten sollten auch das Gefälle, die Kanalisation und Grünflächen erfasst werden und Informationen darüber, wie das Regenwasser bei Starkregen abgeleitet wird oder versickern kann. Mit diesen Daten könne man dann die Wirkung von Starkregenereignissen simulieren. Für Städte und Gemeinden sollte eine solche Risiko-Kartierung verpflichtend werden. Diese Karten wären auch für Privatpersonen hilfreich, die ihr Haus hochwassersicher neu bauen oder umbauen wollen. Für das Ahrtal würde das bedeuten, dass unter Umständen bisher bebaute Areale auf einer solchen Risiko-Karte als zukünftig nicht bebaubar ausgewiesen werden.

Schon beim Bauen ans Hochwasser denken

Grundsätzlich sollten alle Neubauten in Stadt und Land wassersensibel geplant werden. Als Vorbild empfiehlt die Studie ein sogenanntes starkregen-geschütztes Musterhaus, mit Dachbegrünung, Regenwasser-Rigolen zum gezielten Versickern und speziellen Kellereingängen und -fenstern, die keine Überflutung zulassen. Von der Politik fordern die beiden Autoren der Starkregen-Studie: Das geltende Baurecht müsse dringend starkregen- und hochwasserkonform angepasst werden. Das ist sicher der Vorschlag aus der Starkregen-Studie, auf dessen Umsetzung wir am längsten warten werden.

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