Neurowissenschaftlerin: Die Krise bleibt – was wir aber ändern können

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AUTOR/IN
Ulrike Alex
ONLINEFASSUNG
Laura Koppenhöfer

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Schon vor einem Jahr dachten viele: Es kann nur besser werden! Von wegen. Zu Pandemie, Klima- und Flüchtlingskrise kamen noch Krieg, Energieknappheit, Inflation und die Angst vor Wohlstandsverlust dazu.
Geht das so weiter - wird Krise das neue Normal? Wahrscheinlich schon, fragt man die Neurowissenschaftlerin und Bestsellerautorin Maren Urner, die schon vor zwei Jahren das Buch "Raus aus der ewigen Dauerkrise" geschrieben hat.

 Sie findet, wir sollten nicht länger darauf warten, dass die Krisen aufhören. Sondern lieber unsere Sicht, Sprache und Haltung ändern. Den Krisenbegriff überdenken und sagen:

"Ist das eigentlich der Normal-Zustand des Lebens? Und haben wir uns vorher eine Sicherheit vorgegaukelt, die es eigentlich nie gab?"

Die Neurowissenschaftlerin betont: Die Reaktion in Hirn und Körper auf Stress und Gefahr habe sich im Grunde seit der Steinzeit nicht geändert. Aber während damals "der Säbelzahntiger vor der Höhle" tatsächlich eine Lebensgefahr darstellte, seien die heutigen Bedrohungen viel indirekter.

"Wir haben uns eine Infrastruktur geschaffen, auch durch die mediale Berichterstattung, wo wir im Prinzip eine Art digitalen Säbelzahntiger 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche erleben können, wenn wir das zulassen."

Das führe bei vielen zu einem sehr negativen Weltbild und einem starken Gefühl der Hilflosigkeit nach dem Motto: "Die da oben oder einfach die anderen machen doch eh was sie wollen und ich kann nichts dagegen ausrichten."

Darum empfiehlt die Neurowissenschaftlerin und Medienpsychologin, sich ganz gezielt auch um sich selbst zu kümmern: "Wie im Flugzeug, wenn wir bei Gefahr erstmal die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen." Ein schlechtes Gewissen müsse deshalb niemand haben, denn durch die eigene Krisenstimmung werde nichts besser.

Von der Strategie, nur noch das Positive wahrnehmen zu wollen, hält sie dagegen wenig. Viel wichtiger sei, lösungsorientierter zu denken und den "konstruktiven Journalismus" zu stärken.

"Das heißt, dass wir nicht nur nach hinten schauen und fragen, was war. Sondern den Blick vor allem nach vorne richten und fragen: Was jetzt?"

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