Maurermeisterin und Influencerin: „Es haben schon einige wegen mir eine Ausbildung angefangen“

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AUTOR/IN
Schäfer, Julia

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In kaum einem Wirtschaftszweig ist der Fachkräftemangel so groß wie im Handwerk. Immer weniger Jugendliche wollen hier eine Berufsausbildung machen. Julia Schäfer aus Kraichtal ist eine Ausnahme, sie ist Maurermeisterin – und weil sie ihren harten Job auch als Influencerin auf Instagram präsentiert, ist sie ein Star mit fast einer halbe Million Followern. Warum der Social-Media-Auftritt sogar Menschen bei ihrer Berufsentscheidung motiviert, erklärt sie im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.

SWR Aktuell: Das Handwerk leidet ja extrem am Fachkräftemangel. Kann man da als Social-Media-Content-Produzent irgendetwas bewirken?

Julia Schäfer: Ja klar - man kann halt mal seinen Beruf zeigen. Man kann die Vor- und die Nachteile zeigen – es halt nicht immer alles Goldschlecken. Man kann einfach mal präsentieren, was mein Beruf, mein Maurerhandwerk alles macht - und was für coole Sachen man eigentlich macht. Und ganz viele Mädels wissen das gar nicht, dass auch sie das Handwerk überhaupt machen können. Und deswegen mache ich mein „Social-Media-Zeug“: Einfach, um junge Leute dazu zu motivieren, sowas zu machen.

SWR Aktuell: Das Mauern ist ja an sich eher ein männliches Handwerk - bis jetzt zumindest. Warum ist es denn gerade das Mauern, was in Ihren Augen auch für Frauen so interessant ist?

Julia Schäfer: Genau das finde ich ein bisschen schade, dass es immer noch so ist. Eigentlich sollte das alles abgeschafft werden, so Männlein- oder Weiblein-Berufe, das sollte eigentlich alles gleich sein. Jeder kann alles machen, was er will. Aber ich finde, das Mauern ist einfach auch für Frauen da, weil es einfach so ein filigraner Job ist. Man muss mitdenken, man muss auch mal schön arbeiten. Durch den technischen Fortschritt, der ja auf dem Bau draußen herrscht, ist jedem möglich, bei uns mitzuschaffen. Vor 50 Jahren war das schon ein richtig harter Job, aber mittlerweile sind wird da angekommen, wo es wirklich jeder packt.

SWR Aktuell: Haben Sie denn schon mal mitbekommen, dass sich tatsächlich wegen Ihnen oder Ihrer Arbeit auf Instagram und TikTok jemand eine Maurerausbildung angefangen hat?

Julia Schäfer: Ja klar! Und ich war neulich bei meinem ehemaligen ABZ (Ausbildungsbildungszentrum, d.Red.) in Karlsruhe, und da waren mittlerweile vier oder fünf Frauen - eine Maurerin, eine Betonbauerin, eine Fliesenlegerin und zwei Zimmerinnen. Vier davon habe wegen mir eine Ausbildung anfangen im Handwerk, und ich hätte fast geheult, weil das echt schön ist!

SWR Aktuell: Was haben die erzählt? Haben die einfach nur ein Video von ihnen gesehen, und sich daran gedacht „Ja, das könnte ich auch machen?“

Julia Schäfer: Anscheinend schauen die ab und zu immer mal wieder meinen Kanal an, und die haben sich dann motiviert gefühlt, und dann haben sie ein Praktikum gemacht. Und dann haben sie auch entdeckt, ja, das ist genau das Richtige für Sie. Ich sage ja immer: Viele habe die Leidenschaft oder diese Affinität zum Handwerken in sich. Und deswegen sage ich ja immer: Macht mal ein Praktikum um zu gucken, ob das was für Euch ist – und das haben die gemacht.

SWR Aktuell: Nur mit Instagram werden wir den Fachkräftemangel im Bausektor auch nicht unbedingt lösen können, auch wenn Sie vielleicht jetzt schon die eine oder andere dazu animiert haben. Was bräuchte man denn noch dafür?

Julia Schäfer: Das beginnt von klein auf. Das hängt mit den Eltern zusammen. Ich will jetzt auch gar nichts Böses sagen, jeder soll sein Kind erziehen, wie er will. Aber: Lasst Eure Kinder einfach das machen, was sie wollen, und zwingt sie nicht irgendwo in einen Bürojob, nur weil es ja „besser ist“. Ich höre es immer wieder, „ja, mein Papa hat aber gesagt, ich bin für was Besseres bestimmt - fürs Büro oder für ein Studium.“ Glaubt mir oder glaubt es mir nicht: Irgendwann wird das Studium so überholt sein, dass das Handwerk dann einfach mehr Wert hat als irgendein Studium. Das ist jetzt nicht bös – also, das brauchen wir ja auch! Aber das ist es: Man muss den Eltern einpredigen, ihre Kinder machen zu lassen, was sie wollen, sich selber zu finden in ihrem Beruf.

SWR Aktuell: Da geht es aber auch häufig einfach um Geld, weil man häufig auch nach mit einem Studium mehr Geld verdienen kann. Ist da was dran?

Julia Schäfer: Nein, das sehe ich nicht so. Schauen Sie mal: Man kann ja eine Ausbildung machen.          Das finde ich ja ganz toll in Deutschland: Du kannst ein einen Hauptschulabschluss machen, dann machst Du eine eine Lehre, und mit der Lehre kannst du auch studieren gehen, rein theoretisch, oder Deinen Techniker oder Deinen Meister machen. Und dann bist Du auch fünf, zehn Stufen weiter oben und verdienst auch mehr Geld – verdienst genauso viel Geld wie ein Studierter. Doch! In Deutschland ist es echt gut gemacht. Da stehen jedem die Türen offen!

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Schäfer, Julia