Der Temperaturregler (Thermostat) einer Heizung ist auf die Stufe 3 aufgedreht (Foto: IMAGO, APress)

Energiesparen im Winter

Mit so viel Energiebedarf beim Heizen sollten Sie rechnen

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Wie kalt Herbst und Winter bei Ihnen am Ort wirklich sind und wie hoch Ihr Energiebedarf fürs Heizen dadurch ausfällt, berechnet der SWR Heiz-Check für 11.000 Städte und Gemeinden:

Mit dem SWR Heiz-Check können Sie in nur drei Schritten Ihren Energiebedarf mit dem Vorjahr vergleichen. Mit Hilfe der aufgezeichneten Temperatur- und Wetterdaten bei Ihnen am Ort lässt sich berechnen, ob Ihre Heizung bis heute eher mehr oder weniger Energie benötigt hat:

Je kälter es wird, desto schwieriger wird es, beim Heizen zu sparen. Denn die wenigsten Gebäude in Deutschland sind so gebaut, dass sie möglichst wenig Heizenergie benötigen. „Der Dämmzustand hat einen ganz erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch“, sagt Heizexperte Tobias Loga vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU). Geben Sie an, wie gut Ihre Wohnung isoliert ist, lässt sich der Heizbedarf noch genauer abschätzen:

Die bisherigen Berechnungen im SWR Heiz-Check gehen davon aus, dass Sie Ihre Wohnräume im Vorjahr und in diesem Jahr auf 20 Grad heizen. Drehen Sie Ihre Zimmertemperatur in diesem Winter runter, lässt sich über eine Heizperiode hinweg vergleichsweise viel Energie einsparen: „Mit jedem Grad weniger sinkt der Energiebedarf in Altbauten um rund sechs Prozent, in besser gedämmten Häusern ist dieser Effekt noch größer“, erklärt Experte Loga. Mit dem Schieberegler können Sie Ihre aktuelle Zimmertemperatur einstellen:

Fazit: Die meisten Deutschen haben wetterbedingt bis heute kräftig Energie sparen können. Wenn Sie auch weniger heizen mussten, ist das erstmal eine gute Nachricht. Nur durch sparsamen Energieverbrauch kommt Deutschland in dieser Energiekrise durch den Winter. Das muss aber nicht heißen, dass am Ende der Heizsaison wirklich weniger verbraucht wurde. Denn den ersten drei Monate der Heizperiode von September bis November folgen erst noch die richtig kalten Tage mit hohem Heizbedarf.

Vorsicht Kostenfalle: Trotz mildem Herbst kann es teuer werden

Im langjährigen Durchschnitt verbraucht die Heizung von September bis November rund ein Viertel der jährlichen Heizenergie. Im vergangenen Jahr entfielen auf die Herbstzeit rund 27 Prozent des gesamten Heizbedarfs. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert zwar einen vergleichsweise milden Winter. Der wird aber wahrscheinlich trotzdem um rund ein Grad kälter als im Vorjahr. Wenn es noch kälter wird, kann der Energiebedarf entsprechend stark ansteigen. Dann könnten die Einsparungen aus dem Herbst schnell aufgebraucht sein. Der Energiebedarf für Millionen Menschen wird wohl auf die ganze Heizsaison bezogen doch wieder ähnlich hoch oder sogar höher ausfallen als vor einem Jahr.

Wenig Heizbedarf im Herbst

Für den Herbst hat eine SWR-Datenanalyse für die Tage bis zum 30. November 2022 berechnet, dass rund 45 Millionen Menschen deutlich weniger heizen mussten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt demnach in einem Ort, an dem die warmen Temperaturen von September bis November den Heizbedarf um 20 bis 40 Prozent gesenkt haben. SWRdata hat dazu Tagesdurchschnittstemperaturen für alle fast 11.000 Städte und Gemeinden ausgewertet und das temperaturbedingte Einsparpotential beim Heizen hochgerechnet. Die Berechnung zeigt, wie viele Menschen weniger heizen mussten aufgeschlüsselt nach dem temperaturbedingten Einsparpotential.

Südwesten profitiert besonders von milden Herbst-Temperaturen

Vor allem die Menschen im Südwesten profitierten: Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg leben in Regionen, wo der Herbst besonders mild war. In weiten Teilen der beiden Bundesländer ist der Heizbedarf laut der SWR-Analyse im Vergleich zum Vorjahr temperaturbedingt für fast alle um 20 bis 40 Prozent gesunken. Das verdeutlicht auch ein Blick auf die Deutschland-Karte:

Grafik und Karte der SWR-Datenanalyse zeigen aber auch: Für rund elf Millionen Menschen, vorwiegend im Norden Deutschlands, bleibt die wetterbedingte Einsparung gegenüber dem Herbst 2021 so gut wie aus. Rund 200.000 Menschen müssen sogar mit einem Mehrbedarf von bis zu fünf Prozent rechnen. Das ist vor allem im Nordosten Deutschlands der Fall, wo der Herbst vergleichsweise kühl war.

Sonne ins Haus lassen

Es gibt eine Reihe weiterer Einflussfaktoren beim Heizbedarf. Dazu zählen etwa die Intensität und Dauer der Sonneneinstrahlung. Wer die Rollläden an sonnigen Tagen oben lässt, heizt durch die Sonne. „Rund zehn Prozent Energie lässt sich durch eine effektive Nutzung des Sonnenlichts im Jahr durchschnittlich einsparen", sagt Experte Tobias Loga. Passivhäuser nutzen die Sonneneinstrahlung durch ihre besondere Dämmung besonders effektiv.

Nicht alle Räume gleich aufheizen

Auch die beheizte Fläche insgesamt ist für den tatsächlichen Verbrauch relevant. So kann weitere Energie dadurch gespart werden, indem in weniger Räumen die Heizung aufgedreht wird. Das gilt vor allem für Räume, die nicht wirklich bewohnt werden. Wichtig ist, bei allen Sparmaßnahmen darauf zu achten, dass es nicht zu feucht wird, sonst bildet sich Schimmel. Denn „sobald ich ein Gebäude als Mensch nutze, gebe ich Feuchtigkeit ab. Etwa durch Schwitzen, Duschen oder Wäschewaschen“, sagt Tobias Loga. „Diese Feuchtigkeit muss ich durch Stoßlüften rausbringen.“ Der Experte empfiehlt: Die Türen von beheizten Räumen geschlossen halten und die warme, feuchte Luft direkt über die Fenster nach außen führen. Ansonsten würde sich die Luft in kalten, nichtbeheizten Räumen als Feuchtigkeit niederschlagen.

Dämmung entscheidend fürs Energie-Sparen

Die energetische Sanierung von Altbauten ist laut einer IWU-Untersuchung sehr wirksam. Mit einer verbesserten Dämmung verbrauchen die sanierten Gebäude im Schnitt etwa die Hälfte der Energie, die in einem unsanierten Altbau nötig ist. Um in Deutschland den Energiebedarf fürs Heizen, insbesondere mit Gas, dauerhaft zu reduzieren, wäre die flächendeckende Dämmung von Gebäuden daher eine entscheidende Maßnahme.

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