Weil die Europäische Zentralbank den Leitzins angehoben hat, steigen auch die Zinssätze für Darlehen wie Immobiliendarlehen. Die Zinsen für Hypotheken-Darlehen haben sich in diesem Jahr verdreifacht und könnten weiter steigen. Bei Bausparverträgen steigen die Zinsen nicht so schnell an, weswegen sie aktuell wieder attraktiv sein können.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Bausparvertrag

FAQ: Lohnt sich Bausparen wieder?

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Bausparen ist altmodisch und verstaubt? Von wegen: Mit den aktuell steigenden Zinsen wird der Bausparvertrag für viele Menschen mit Eigentumswunsch wieder interessant.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Erst sparen, dann bauen oder kaufen: Einen Bausparvertrag schließt man ab, um Eigenkapital für die Finanzierung von Wohneigentum anzusparen. Sollte man sich dazu entscheiden, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, wird nämlich empfohlen, mindestens zehn Prozent der Kaufsumme selbst einbringen zu können.

Beim Bausparen zahlt man über einen vorher festgelegten Zeitraum monatlich eine ebenfalls festgelegte Summe ein. Im Bausparvertrag wird bei Abschluss eine bestimmte Bausparsumme festgelegt. Diesen Betrag bekommt man dann nach der vereinbarten Zeit ausgezahlt. Er setzt sich zusammen aus dem Ersparten und einem Darlehen. Das Darlehen können Bausparer jedoch erst dann ausgezahlten bekommen, wenn sie mit ihrem Ersparten einen bestimmten Mindestwert erreicht haben. (Foto: SWR)
So funktioniert ein Bausparvertrag.

Beim Bausparen zahlt man über einen vorher festgelegten Zeitraum monatlich eine ebenfalls festgelegte Summe ein. Im Bausparvertrag wird bei Abschluss eine bestimmte Bausparsumme festgelegt. Diesen Betrag bekommt man dann nach der vereinbarten Zeit ausgezahlt. Er setzt sich zusammen aus dem Ersparten und einem Darlehen. Das Darlehen können Bausparer jedoch erst dann ausgezahlt bekommen, wenn sie mit ihrem Ersparten einen bestimmten Mindestwert erreicht haben. Der Vertrag wird dann "zuteilungsreif".

Warum ist Bausparen gerade wieder attraktiv?

Weil die Europäische Zentralbank den Leitzins angehoben hat, steigen auch die Zinssätze für Darlehen wie Immobiliendarlehen. Die Zinsen für Hypotheken-Darlehen haben sich in diesem Jahr verdreifacht und könnten weiter steigen. Bei Bausparverträgen steigen die Zinsen nicht so schnell an, die Zinsentwicklung ist deutlich träger, weswegen sie aktuell wieder attraktiv sein können. Wer in den nächsten Jahren ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen will, der kann sich mit einem Bausparvertrag niedrige Zinsen sichern. Denn bei einem Bausparvertrag ist der Zins festgeschrieben.

Die Verbraucherzentrale schreibt dazu: "Ob ein Bausparvertrag in der Darlehensphase vorteilhaft ist, hängt vom Darlehenszins des Bausparvertrags im Vergleich zum dann üblichen Darlehenszins ab." Und da eben jene Darlehenszinsen im Moment hoch sind und weiter steigen, können sich Bausparverträge wieder lohnen.

Für wen kann sich ein Bausparvertrag lohnen?

Wer sich in den nächsten Jahren Wohneigentum anschaffen will, der sollte über einen Bausparvertrag nachdenken. Aber auch für Menschen, die Renovierungen oder Sanierungen an ihren Häusern planen, sind Bausparverträge interessant. Denn für solche Dingen können die Gelder ebenfalls verwendet werden.

Menschen mit geringerem Einkommen, können beim Abschließen eines Bausparvertrages Zulagen vom Staat bekommen. Verdient man im Jahr bis 17.900 Euro brutto (bzw. 35.800 als Ehepaar), kann man die sogenannte Arbeitnehmer-Sparzulage beantragen. Mit einem Brutto-Jahreseinkommen bis 35.000 Euro (bzw. 70.000 Euro bei Ehepaaren) ist man berechtigt, eine Wohnungsbauprämie zu erhalten.

Was muss ich vor Vertragsabschluss beachten?

Wer einen Bausparvertrag abschließt, sollte beachten, dass er ausschließlich für den Bau und Kauf von Wohneigentum bzw. für Renovierungs- und Sanierungsarbeiten verwendet werden darf. Zum Sparen ohne Immobilienwunsch eignet sich ein Bausparvertrag nicht.

Wer über einen Bausparvertrag nachdenkt, sollte außerdem vor Abschluss eines solchen Vertrages gründlich die verschiedenen Tarife der einzelnen Bausparkassen vergleichen. Denn: Die Angebotslandschaft ist kompliziert. Wichtig ist deswegen, alle in Frage kommenden Anbieter möglichst genau zu vergleichen und so das beste Angebot für sich zu finden.

Außerdem beachten sollte man, dass Bauspardarlehen deutlich schneller zurückgezahlt werden müssen als andere Darlehen. Das sollte man bei seiner Finanzplanung berücksichtigen. Die Darlehen muss man laut Verbraucherzentrale innerhalb von gut neun Jahren tilgen.

Welche Risiken birgt ein Bausparvertrag?

Sollten die Zinsen weiter steigen, könnte es laut Verbraucherzentrale passieren, dass Bausparkassen versuchen, Bausparverträge mit niedrigen Darlehenszinsen zu kündigen. Wer mit der Zahlung seiner Sparbeiträge im Verzug ist, also monatlich weniger einzahlt, als im Vertrag vereinbart wurde, riskiert dann zum Beispiel eine Kündigung seines Vertrages.

Die Verbraucherzentrale rät deswegen: Wenn man noch nicht genau weiß, ob und wann man ein Bauspardarlehen benötigt, sollte man sich wegen der Kündigungsrisiken die Abschlusskosten eines Bausparvertrages sparen.

Kann ich mit einem Bausparvertrag meinen Immobilienkauf komplett finanzieren?

Nein. Allein mit der Summe aus einem Bausparvertrag lässt sich der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung meist nicht finanzieren. Oft machen die Guthaben aus Bausparverträgen nur rund 30 Prozent einer Baufinanzierung aus. Für den Restbetrag benötigt man weitere Kredite.

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