Atom-Zwischlager Würenlingen (Foto: IMAGO, Imago/E-PressMarkusForte)

Atomendlager an der deutschen Grenze

Kommentar: "Zuerst kommt die Sicherheit, dann alles andere"

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Matthias Zeller

Die Schweiz will an die Grenze zu Deutschland ein Atomendlager bauen. Der Protest war bislang verhalten. Das hat mehrere Gründe, sagt SWR-Regionalkorrespondent Matthias Zeller.

Ein Schweizer Atomendlager an der deutschen Grenze. Das möchte niemand freiwillig in seiner Nachbarschaft haben - die Deutschen auf der anderen Rheinseite nicht, aber auch nicht die Schweizer, die in der Nähe des geplanten Standortes wohnen. Das wirft die Frage auf, warum der Protest, auch auf deutscher Seite, bislang trotzdem verhalten ausgefallen ist. Dafür gibt es mehrere Gründe. Auch, dass die Schweiz beim Verfahren vieles richtig gemacht hat.

Standortsuche war wissenschaftlich und transparent

Die Schweiz hat bei der Standortsuche wissenschaftlich seriös und transparent gearbeitet und dabei auch deutsche Vertreter eingebunden. Selbst Atomkraftgegner unterstellen den Behörden nicht unbedingt, dass es eine rein politische Entscheidung gewesen ist. Wenngleich sowohl der ausgewählte als auch die beiden anderen möglichen Endlager-Standorte an der Grenze zu Deutschland liegen.

Aber dort befinden sich eben auch die Atomkraftwerke und damit der Atommüll und der muss nun mal entsorgt werden.

Porträtfoto Matthias Zeller  (Foto: SWR)
Matthias Zeller, SWR-Regionalbüro Lörrach

Atomendlager: Sicherheit ist das einzig wichtige Kriterium

Geologisch ist das Grenzgebiet laut der Schweizer Experten besonders geeignet, weil dort in 900 Metern Tiefe der Opalinuston den Atommüll sicher umschließen kann. Und das ist am Ende die einzige Frage, auf die es ankommt und die jetzt kritisch hinterfragt werden muss: Ist der gewählte Standort wirklich der mit der größten Sicherheit?

Felder und ein Bauernhof an einem Wald (Foto: SWR)
Unter diesen Feldern soll das Schweizer Atom-Endlager entstehen.

Falls ja, dann ist auch die Tatsache, dass das Atomendlager in der Nähe der deutschen Grenze liegt, kein triftiges Gegenargument. Sollte daran aber noch begründete Zweifel auftauchen, dann muss neu nachgedacht werden.

Deutschland muss im weiteren Prozess mitsprechen können

Zu kritisieren gibt es einiges. Dass Deutschland nicht gegen den Standort klagen und auch nicht wirklich mitbestimmen kann. Umso wichtiger ist jetzt, dass der deutschen Seite aber alle Beteiligungsmöglichkeiten bei den weiteren Schritten eingeräumt werden und dass auch die deutschen Nachbargemeinden des Atomendlagers von der Schweiz Entschädigungen bekommen. Zum Ausgleich für den Fall, dass in ferner Zukunft Touristen wegbleiben und Grundstückspreise sinken.

Aber eines ist klar: Geld kann Sicherheit nicht aufwiegen. Denn der Atommüll soll nicht einige Hundert Jahre unter der Erde bleiben, sondern Millionen Jahre, kurzum eine Ewigkeit. Deshalb kommt erst die Sicherheit und dann alles andere.

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