Max Mutzke hat das Festival "Stimmen 2022" in Lörrach eröffnet (Foto: SWR, Matthias Zeller)

Sänger mit politischer Haltung

Max Mutzke: "Alle haben ein Recht darauf zu wissen, wie ich ticke"

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Matthias Zeller
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Wera Engelhardt

Max Mutzke verrät im SWR-Interview, wieso er grundsätzlich politisch Stellung bezieht - und wieso Konzerte wichtig für die Demokratie sind.

SWR: Herr Mutzke, beim Konzert auf dem Lörracher Stimmen-Festival diese Woche haben Sie auch das Lied "Ich will nicht werden wie mein Vater" gesungen. Das ist sehr kritisch, insbesondere mit Blick auf Krieg. Sie äußern sich ja immer wieder auch politisch - welche Position nehmen Sie zum Krieg in der Ukraine ein?

Max Mutzke: Der Song hat mit der Ukraine nichts zu tun. Er stammt von Peter Plate, dem Produzenten von Rosenstolz und von Sarah Connor. Die haben ein Musical gemacht, "Ku’damm 56", das in der Nachkriegszeit spielt. Es geht um einen Sohn, der diesen Song an seinen Vater richtet, weil der Bruder im Krieg ums Leben kam. Der Vater ist Waffenproduzent. Der übrig gebliebene Sohn soll dieses Waffengeschäft übernehmen und fragt nun: Dein Lieblingssohn ist im Krieg gestorben, und du möchtest, dass ich Waffen verkaufe? Trotzdem finde ich, dass der Song eine hohe Aktualität hat, auch wenn meine Meinung zum Ukraine-Krieg ganz anders ist.

Hier das komplette Interview zum Nachhören:

Und wie ist Ihre Meinung?

Ich bin dafür, dass die versammelte und geeinigte demokratische Welt die Ukraine nach Kräften unterstützt. Nicht nur im Wiederaufbau, sondern vor allem jetzt im Krieg. Wir haben gesehen, was mit der Krim passiert ist. Ich sehe eine große Gefahr darin, dass - wenn die Ukraine von der Landkarte verschwinden und von Russland einverleibt werden würde - es nur ein, zwei Jahrzehnte geht, bis wir den nächsten Krieg vor der Tür stehen haben. Ich bin dafür, dass Russland in die Schranken gewiesen wird, und ich glaube, dass die Ukraine daher auch Waffen braucht. Eigentlich ist es absurd, dass ich das sage, weil ich totaler Pazifist bin. Aber ich glaube, anders ist es nicht möglich.

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Ist es Ihnen wichtig, politisch Stellung zu beziehen?

Grundsätzlich positioniere ich mich immer politisch. Wir sind in der Kunstszene sehr am Zahn der Zeit, weil wir uns viel mit anderen Menschen austauschen. Und das sehe ich auch als meine Aufgabe. Ich nehme es Künstler:innen persönlich, wenn sie sich nicht politisch äußern, weil sie so breit wie möglich im Publikum aufgestellt sein wollen. Ich finde, die Leute, die für ein Konzert von mir Eintritt bezahlen, haben ein Recht darauf zu wissen, wie ich ticke.

"Wir sind in der Kunstszene sehr am Zahn der Zeit."

Künstlerinnen und Künstler können also politisch etwas bewegen?

Oh ja, sehr viel mehr, als das vielleicht jemand kann, der in der Politik fest verankert ist. Und wir haben dafür mannigfaltige Möglichkeiten, ob mit bildender Kunst, mit Film, Theaterstücken, Opern oder mit Gedichten oder Liedern. Wir können emotional einen Schlüssel stecken in das Herz des Zuhörers, des Zuschauers, und denjenigen oder diejenige erreichen. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn man Herbert-Grönemeyer-Fan ist, weiß man, dass er wie 99 Prozent aller Künstler:innen im Land für ein buntes Deutschland ist, für Vielfalt und gegen rechte Gedanken. Sein Konzert verlässt man mit diesem Gefühl: Ja, ich stimme dem zu. Ich will auch, dass es ein buntes Deutschland ist, dass wir in Frieden leben. Und diese Meinung vertritt man dann vielleicht am Stammtisch, bei der Arbeit, in der Familie, unter Freunden. Das sind Werkzeuge, um die Demokratie zu schützen.

Max Mutzke hat das Festival "Stimmen 2022" in Lörrach eröffnet (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Max Mutzke schätzt den Veranstaltungsort Burghof. Matthias Zeller

In der Pandemie konnten Konzerte lange nicht stattfinden. Hatte das aus Ihrer Sicht Folgen?

Als in der Pandemie Konzerte nicht möglich waren, haben sich viele Menschen im Internet orientiert. Viele Inhalte dort haben den Zweck, Ängste zu schüren, Macht zu verschieben, Leute zu spalten. Das hat zur Folge, dass manche mittlerweile allem und jedem misstrauen - der Demokratie, dem Staat, dem Gesundheitswesen, dem eigenen Nachbarn. Dagegen muss man etwas tun.

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