Baden-Württembergs Minister Winfried Hermann (Grüne). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod (Archivbild))

Lindners Vorschlag "falscher Ansatz"

BW-Verkehrsminister Hermann will Investitionen statt Schuldenbremse

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Erstmals nach drei Jahren soll die Schuldenbremse 2023 wieder eingehalten werden. Der Haushaltsentwurf dazu von Bundesfinanzminister Lindner (FDP) stößt aber auf Kritik - auch in Baden-Württemberg.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rüttelt angesichts der wirtschaftlich gravierenden Folgen von Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie an der Schuldenbremse. "In dieser Krisensituation, die vom Staat offenkundig viel Schlagkraft verlangt, kann man doch jetzt nicht wie der Bundesfinanzminister sagen, aber jetzt mache ich ernst mit der Schuldenbremse", sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Anspielung auf Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Stattdessen müsse massiv in den Umbau der Wirtschaft, den Klimaschutz und die Verkehrswende investiert werden. Lindners Ansatz sei in dieser Situation der falsche.

Sondervermögen mögliche Lösung?

Die Schuldenbremse sei "ein Konzept von vor 15 Jahren, als die Staatsverschuldung durch die Decke ging, die Zinszahlungen unermesslich waren und wo man irgendwie mal sagen musste, es ist Schluss". Der Politiker vom linken Flügel der Grünen brachte ein Sondervermögen - wie das für die Bundeswehr - ins Gespräch. "Ich kann mir das schon vorstellen, wenngleich das nicht ganz leicht ist. Ein Sondervermögen ist eine Verschuldung, nur eben außerhalb des Haushalts." Hermann sagte weiter: "Aber aus meiner Sicht als Pazifist wäre es klüger gewesen, ein Sondervermögen für Klimaschutz und Friedenssicherung zu machen als für die Aufrüstung und Modernisierung der Bundeswehr."

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, kann sich vorstellen, dass die Schuldenbremse auch im kommenden Jahr ausgesetzt bleibt:

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Hermann will klare Regeln für Klimaschutz

Landesverkehrsminister Hermann forderte die Ampel-Bundesregierung zudem auf, endlich klimaschädliche Subventionen für Diesel- und Dienstwagen abzuschaffen. "Aber auch ordnungsrechtliche Maßnahmen wie das Tempolimit dürfen nicht länger tabu sein." Er warnte davor, dass Deutschland ohne Investitionen und weitere Maßnahmen seine Klimaziele verfehlen könnte. "Es droht die ganze Transformation zu scheitern, wenn wir uns jetzt nur fokussieren auf Reparaturmaßnahmen bei Corona, auf Reparaturmaßnahmen in der Energieversorgung, weil über Jahrzehnte die falsche Politik gemacht worden ist." Er forderte, die jetzige Krise als "Transformationsbeschleuniger" zu sehen.

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