Sorge um Inflation - Steigende Preise an der Tankstelle, Anzeigetafel für Spritpreise (Foto: dpa Bildfunk, SWR, Julian Stratenschulte, Montage SWR)

BW-Trend Oktober 2021

Inflation: Menschen in Baden-Württemberg machen sich große Sorgen über steigende Preise

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Heizöl, Benzin, Strom, Lebensmittel - die Verbraucher in Deutschland müssen derzeit für viele Dinge mehr bezahlen als vor einem Jahr. Laut aktueller Umfrage machen sich deshalb viele Menschen Sorgen.

Wer an die Tankstelle fährt, sein Heizöl bestellt oder im Supermarkt in Baden-Württemberg einkaufen geht, der muss teilweise erstmal tief Luft holen und durchatmen. Denn die Preise sind deutlich gestiegen: im Vergleich zum September 2020 um 4,1 Prozent.

Diese Entwicklung macht vielen Menschen in Baden-Württemberg Sorgen. Das belegen die Zahlen der aktuellen Umfrage BW-Trend. Demnach gaben fast 60 Prozent der Befragten an, dass sie sich wegen der steigenden Preise Sorgen machen.

Ein Fünftel aller Befragten hat große Sorgen wegen der aktuellen Inflationsquote

Schlüsselt man die Zahlen derer weiter auf, die sich wegen der derzeitigen Teuerungsrate sorgen, dann kommt heraus, dass sich sogar 21 Prozent der Befragten sehr große Sorgen machen. 30 Prozent gaben an, dass sie sich große Sorgen machen.

Dem gegenüber steht ein Block von 40 Prozent, die sich wegen der derzeitigen Preisentwicklung nicht so große Sorgen machen. Sieben Prozent gaben an, sich keine Sorgen zu machen. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) geht mit der Preisentwicklung relativ entspannt um. Sie gaben an, sich weniger große Sorgen zu machen. Was allerdings nicht ausschließt, dass sie sich ab und zu vielleicht doch ein wenig Sorgen machen.

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Insgesamt sorgt die derzeitige Preissteigerung in Baden-Württemberg laut den Zahlen der aktuellen Umfrage BW-Trend aber für einige Sorgenfalten. Viele Menschen befürchten, dass sich die steigenden Kosten für Energie und Nahrungsmittel negativ auf sie auswirken könnte.

Sind die Sorgen wegen einer Preissteigerung berechtigt?   

Die Inflationsrate hat grade erstmals seit 28 Jahren die Vier-Prozent-Marke überschritten: Im Vergleich zum September 2020 sind die Verbraucherpreise um 4,1 Prozent gestiegen. Vor allem Energie ist teurer geworden. Fürs Tanken und Heizen und für Strom müssen wir also mehr Geld ausgeben. Und zwar rund 20 Prozent mehr. Das hat das Vergleichsportal Verivox hat ausgerechnet. Ein Durchschnittshaushalt (Vier Personen, 150 Quadratmeter Wohnfläche) zahlt demnach dieses Jahr über 4.000 Euro für Heizung, Strom und Sprit. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 600 Euro weniger.   

Bei Lebensmitteln sind die Preissprünge zwar nicht so hoch wie bei Energie, aber ebenfalls spürbar, schließlich ist ein voller Kühlschrank mindestens so existentiell wie eine warme Heizung. Trotzdem: Im internationalen Vergleich zahlen Menschen in Deutschland immer noch relativ wenig für Lebensmittel und wenden zwischen 15 und 30 Prozent ihres Einkommens dafür auf. In anderen Ländern ist dieser Anteil teils deutlich höher. Insgesamt dürften steigende Lebensmittelpreise die Lebensqualität in Deutschland also nicht unmittelbar beeinträchtigen. Für Haushalte mit knappen Einkommen können sie aber durchaus zum Problem werden oder sind es schon.  

Wie wirkt sich eine steigende Inflation aus?

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor.   

Wie haben sich die Preise entwickelt beim Heizöl?   

Für leichtes Heizöl mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher laut Statistischem Bundesamt rund 76,5 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Nach Angaben des Vergleichsportals Check 24 kosteten 2.000 Liter Heizöl im September fast 1.500 Euro. Die Heizölpreise sind deutlich stärker gestiegen als beim Gas und beim Strom. Das liegt daran, dass Heizöl zu aktuellen Preisen gekauft wird, bei Erdgas und Strom werden dagegen oft langfristige Verträge geschlossen. Die Versorger können die Preise deshalb da oft nur jährlich oder mit einigem Vorlauf erhöhen. Ein Drittel aller Heizungen in Deutschland werden mit Öl betrieben. Wer mit Heizöl heizt und noch für den Winter vorsorgen muss, sollte das jetzt tun, denn nach Einschätzung von Experten wird der Preis weiter steigen.  

Wie haben sich die Preise entwickelt beim Gas?

Erdgas ist innerhalb eines Jahres 5,7 Prozent teurer geworden. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 liegt der Gaspreis in der Grundversorgung auf einem Rekordhoch, ein Haushalt, der rund 20.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht bezahlt etwa 1.500 Euro jährlich für Gas. 50 Gasgrundversorger haben laut Check 24 bereits ihre Preise erhöht oder Preiserhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt liegen die bei 11,5 Prozent. Wer zu viert auf 150 Quadratmetern wohnt und mit Gas heizt, zahlt durchschnittlich 172 Euro mehr pro Jahr. 

Nach Angaben des Verbandes für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg werden im Land etwa 37 Prozent der Wohnungen mit Erdgas beheizt.

Wie haben sich die Preise entwickelt beim Strom? 

Für Strom zahlen wir grade so viel wie nie. 5.000 Kilowattstunden kosten laut Check 24 grade 1.500 Euro. Acht Grundversorger haben die Preise bereits erhöht oder planen das. Für einen Musterhaushalt (Vier Personen, 150 Quadratmeter Wohnfläche) heißt das: 63 Euro mehr im Jahr. 

Wie haben sich die Preise entwickelt beim Benzin und bei Diesel?

An den Tankstellen zahlen Autofahrer so viel wie seit acht Jahren nicht mehr: Der Liter Superbenzin liegt grade bei etwa 1,70 Euro (Stand: 14. Oktober). Das ist fast ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Der Liter Diesel kostet je nach Standort zwischen 1,50 Euro und 1,60 Euro (Stand: 14. Oktober). Auch der Diesel ist damit deutlich teurer geworden.

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Wie haben sich die Preise entwickelt bei Nahrungsmitteln? 

Nahrungsmittel sind unterm Strich knapp fünf Prozent teurer als noch vor einem Jahr, das ist ebenfalls ein überdurchschnittlicher Anstieg. Für Gemüse zahlen wir sogar über neun Prozent mehr, für Milchprodukte und Eier fünfeinhalb Prozent. Allerdings waren die Preise für Lebensmittel - anders als bei Kraftstoff und vielen andere Produkten - auch vor einem Jahr schon auf hohem Niveau. Vergleicht man die heutigen Preise mit einem Jahr wie 2015, als Lebensmittel deutlich billiger waren, kommt man auf Teuerungsraten von 10 oder sogar 20 Prozent, je nach Produkt. 

Auch hier sind die Gründe für den Preisanstieg vielfältig. In den letzten Monaten waren auch hier vor allem logistische Probleme und Engpässe durch die Corona-Krise schuld. Doch es gibt auch dauerhafte Effekte wie den Klimawandel oder die Umwidmung von Ackerland zum Beispiel in Bauland oder Solarparks. 

Wie geht es weiter mit der Inflation?

Experten schließen nicht aus, dass Inflationsraten von zeitweise an die fünf Prozent möglich sind. Allerdings wohl nicht dauerhaft. Denn manches, was die Preise grade treibt, lässt sich noch als Corona-Nachwirkungen beschreiben: Die Mehrwertsteuer, die wegen der Pandemie gesenkt wurde und zu Jahresbeginn wieder angehoben wurde. Oder auch die Lieferengpässe, zum Beispiel bei Rohstoffen oder bei Chips, die spätestens nächstes Jahr wohl nicht mehr so dramatisch sein werden wie im Moment. Im Moment gehen die meisten Experten davon aus, dass sich die Konjunktur wieder normalisieren wird und mit ihr dann auch die Preise. Aber es gibt auch Ökonomen, die warnen, die Inflation werde uns länger erhalten bleiben und die Inflationsrate stärker steigen, als angenommen.

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