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Johanna Juni (Foto: Chris Weiß)
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Die 1968er stellen Kleinfamilie und Ehe gehörig infrage. Heute gibt es die Ehe für alle, Polyamorie und Co-Parenting. Wieso hat sich die romantische Liebe so drastisch verändert?

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Die Krise der klassischen Familie

Das klassische Bild der Familie bröckelt. Im Schnitt wird heute jede dritte Ehe geschieden. Zwischen 1950 und 2016 hat sich die Zahl der Einpersonenhaushalte fast verdoppelt. Das „Golden Age of Marriage“ ist längst vorüber. Trotzdem hat die Liebe in Paarbeziehungen nicht an Bedeutung verloren, sagt die Soziologin Mona Motakef.

Die zweite Welle der Frauenbewegung

Nach dem Zweiten Weltkrieg staute sich ein immer größer werdendes Ungerechtigkeitsempfinden an. Die Bildungschancen für Mädchen verbesserten sich und immer mehr Frauen gingen einem Beruf nach. Gleichzeitig veränderte sich jedoch nichts an den patriarchalen Strukturen der Gesamtgesellschaft. Mit der Studentenbewegung in den 1960er-Jahren brach die zweite Welle der Frauenbewegung an.

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Ein Tomatenwurf für Selbstbestimmung

Auf dem Parteitag des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) setzte Sigrid Rüger ein Zeichen: Sie bewarf das einflussreiche SDS Mitglied Hans-Jürgen Krahl mit einer Tomate. Anlass dafür war, dass Geschlechtergerechtigkeit im männerdominierten SDS nur eine untergeordnete Rolle spielte.

„Wir können mit der Lösung der gesellschaftlichen Unterdrückung der Frauen nicht auf Zeiten nach der Revolution warten, da eine nur politisch-ökonomische Revolution die Verdrängung des Privatlebens nicht aufhebt.“

Helke Sander, Rede auf der SDS-Delegiertenkonferenz 1968

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Selbstbestimmung und Gerechtigkeit waren die großen Themen der Frauenbewegung. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wurden auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. In einer Ausgabe des Sterns bekannten 374 Frauen öffentlich: „Ich habe abgetrieben“ und forderten eine Reform des Paragrafen 218 zum Schwangerschaftsabbruch.

Erfolge der Frauenbewegung

Der Protest lohnte sich. 1976 wurde das erste Frauenhaus West-Deutschlands errichtet. 1977 wurde das neue Eherecht eingeführt. Damit wurde die Verpflichtung der Frau zur Haushaltsführung abgeschafft. Im selben Jahr wurde das Scheidungsrecht reformiert, indem das Schuldprinzip abgeschafft wurde. Bis dahin konnten Ehen nur dann geschieden werden, wenn dem Ehemann schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden konnte. Es wurde für Frauen also leichter, einem Beruf nachzugehen. Außerdem konnten sie sich einfacher Scheiden lassen.

Die gewonnene Selbstbestimmung veränderte das klassische Bild der Familie: In den 1970er-Jahren beginnt die Selbstverständlichkeit der Ehe zu bröckeln.

Demonstrierende setzen sich auf dem Dyke*March 2020 in Berlin für die Sichtbarkeit von Lesben ein. Auch wenn sich das Bild der klassischen Familie mittlerweile verändert hat, werden homosexuelle Frauen immer noch oft an den Rand der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt. "Dyke" ist ein ursprünglich abwertender Begriff für Lesben. Lesbische Aktivistinnen haben den Begriff aber umgedeutet und nutzen ihn heutzutage als positive Selbstbezeichnung.  (Foto: Imago, IMAGO / Christian Spicker)
Demonstrierende setzen sich auf dem Dyke*March 2020 in Berlin für die Sichtbarkeit von Lesben ein. Auch wenn sich das Bild der klassischen Familie mittlerweile verändert hat, werden homosexuelle Frauen immer noch oft an den Rand der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt. "Dyke" ist ein ursprünglich abwertender Begriff für Lesben. Lesbische Aktivistinnen haben den Begriff aber umgedeutet und nutzen ihn heutzutage als positive Selbstbezeichnung. Imago IMAGO / Christian Spicker

Neue Beziehungsmodelle: Vielfalt statt Hochzeit

Der Zuwachs an Scheidungen bedeutet aber nicht, dass es einen Rückgang an romantischen Beziehungen gibt.

„Die romantische Liebe ist seit jeher ganz stark eine Orientierung für viele Menschen. Es gab einen Bedeutungsverlust der Ehe, aber nicht der romantischen Liebe; das ist wichtig.“

Mona Motakef, Soziologin, TU Dortmund

Das "goldene Zeitalter der Ehe" ist vorüber und macht Platz für neue Beziehungsmodelle. Ob Patchwork, Co-Parenting, offene Beziehung oder Polyamorie: Heute gibt es statt einer Hoheit der Hochzeit ein Nebeneinander von verschiedenen Lebensentwürfen. Denn romantische Gefühle sind heute genauso wichtig wie früher.

Reihe: Geschichte der Liebe

Geschichte der Liebe (1/3) Liebe bei den alten Griechen und Römern

In der Antike wurden Ehen meist arrangiert. Sex und Leidenschaft fanden zumindest Männer jenseits der Familie. Gab es also schon Romantik, wie wir sie am Valentinstag inszenieren?  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Geschichte der Liebe (2/3) Höfische Liebe im Mittelalter und die Erfindung der Romantik

„Dû bist mîn, ich bin dîn“ – Minnesänger beschworen große Gefühle. Dabei klafften Liebesideal und Realität im Mittelalter weit auseinander. Wie kam es zum Siegeszug der Romantik?  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Frauenemanzipation

Hedwig Richter über 150 Jahre Deutsches Kaiserreich Emanzipation im Schatten der Pickelhaube

Im Januar 2021 jährt sich die Gründung des Deutschen Kaiserreichs zum 150. Mal. Der Blick zurück auf eine dunkle Zeit, in der Männer mit Pickelhauben ihr Unwesen trieben, sei unvollständig, meint die Historikerin Hedwig Richter im SWR2 Gespräch. In dieser Zeit beginne ebenso eine neue Geschlechterordnung sowie die politische Teilhabe der einfachen Bevölkerung.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Frauen an die Urne! 100 Jahre Frauenwahlrecht

Am 19. Januar 1919 war es so weit: Auch Frauen durften wählen. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung, die 1919 in Weimar tagte, gingen sie erstmals an die Urne.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Emanzipation Die "Neue Frau" der 1920er – Träume vom selbstbestimmten Leben

Bubikopf, Fransenkleid und Zigarettenspitze: In Serien wie "Babylon Berlin" lebt die selbstbewusste, mondäne Frau der 1920er-Jahre wieder auf.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Evolution Wie entstand der Kuss?

Vieles spricht dafür, dass es vor allem eine sexuelle Signalfunktion hat, es bringt ein intimes Verhältnis zum Ausdruck. Denn beim Küssen sind ja vor allem Lippen und Zunge beteiligt. Von Gábor Paál | Dieser Beitrag steht unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

Die Welt in Zahlen 80 Millionen Bakterien werden beim Kuss übertragen

Dieses Wissen im Hinterkopf kann eine intensive Knutscherei schon etwas ernüchtern: 80 Millionen Bakterien hat das Amsterdam Institute for Molecules, Medicine and Systems gezählt, die bei einem Zungenkuss den Besitzer wechseln.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Film und Literatur

1.2.1968 Der Film „Das Wunder der Liebe“ kommt in die Kinos

Vor der Freigabe des Films musste Oswald Kolle sich den Diskussionen stellen: „Herr Kolle, Sie wollen wohl die Welt auf den Kopf stellen, jetzt soll sogar die Frau oben liegen!“  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

Buch der Woche Bettina Stangneth – Sexkultur

Was ist Sex und was macht Sex mit uns? Die Philosophin Bettina Stangneth streitet für einen selbstbestimmten und unvoreingenommenen Umgang mit der eigenen Sinnlichkeit.  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Reihe zur Sexualität

Gesellschaft Was guter Sex ist – Eigene Normen setzen (4/4)

Schlechten Sex zu haben ist keine Kunst. Sex wird besser, wenn man nicht nur sich, sondern auch den Partner oder die Partnerin spürt. Guter Sex fängt mit Kommunikation an. Auch nonverbaler.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Gesellschaft Wie wir Sex haben wollen – Die eigene Lust bestimmen (2/4)

Erwachsene können noch eine Menge über Sex lernen. Dass Frauen immer selbstbewusster ihren Körper und ihre Lust entdecken, darüber reden, sich dabei filmen, ist eine Chance, auch für Paare.  mehr...

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Gesellschaft Wann wir Sex haben – Sich selbst erfahren (1/4)

Sex ist überall: im Internet, in Pornos. Doch die gezeigte Vielfalt macht es Jugendlichen nicht leichter, ihre sexuelle Identität zu entwickeln. Gute Aufklärung kann helfen. Und die nimmt zu.  mehr...

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Gesellschaft Warum wir Sex ausprobieren – Grenzen überschreiten (3/4)

Sex hat eine irrationale, unvernünftige Seite. Was wir mögen, hängt oft tief vergraben mit unserer Kindheit zusammen. Manche überschreiten deshalb Grenzen, suchen Rausch, Schmerz, Dominanz.  mehr...

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Biografien Frauen im Porträt

Lebenswege mutiger und engagierter Frauen zum Hören und Lesen. Von Herrscherinnen, Wissenschaftlerinnen sowie Frauen aus Kunst und Literatur, Wirtschaft und Gesellschaft. Von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart.  mehr...

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