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INTERVIEW

„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Mit diesen Worten schwört Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bürgerinnen und Bürger am 18. März 2020 auf eine schwierige Zeit ein. Merkels erste Fernsehansprache in Sachen Corona hat das Rhetorik-Seminar der Universität Tübingen am 18. Dezember zur „Rede des Jahres“ gekürt, nach Martin Walser, Papst Benedikt, Jean Ziegler, Cem Özdemir und Ursula von der Leyen in den vergangenen Jahren.

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Rational, empathisch und anschaulich

Der Tübinger Rhetorikprofessor Olaf Kramer sitzt in der Jury, die Merkels Ansprache „historisch“ nennt. "Sehr sachlich“ und „eindringlich“ habe Merkel in ihrer Ansprache die Mittel der Corona-Bekämpfung erklärt und zugleich empathisch auf die Menschen und deren Sorgen geschaut.

„Sie bemüht sich, sehr konkret und anschaulich zu machen, dass diese Infektionszahlen und dieses Schreckensszenario wirkliche Menschen betreffen.“, sagt Kramer. Dieses Ringen um Anschaulichkeit sei „wirklich gut“.

Video von Angela Merkels Rede am 18. März 2020

Auch im internationalen Vergleich steche Merkel heraus

„Wir sind im Krieg“, erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in seiner ersten Corona-Fernsehansprache. Diese wirke wie eine Anordnung, „weniger empathisch“ und auch bei den wissenschaftlichen Erkenntnissen "nicht so transparent“, meint Olaf Kramer.

Der britische Premierminister Boris Johnson wiederum habe die Bedrohungslage im Frühjahr „in einem sportlichen Gestus“ heruntergespielt. Damit steche Merkels Rede auch im internationalen Vergleich heraus, findet Kramer.

Die Wirkung: „Menschen sind zu Hause geblieben"

Über die Wirkung der Fernsehansprache sagt Olaf Kramer im Gespräch mit SWR2: „Jeder hat sie wahrgenommen.“ Merkel habe damit die Bürger zu einer "massiven Verhaltensänderung" bewegt: „Menschen sind zu Hause geblieben und haben sich angepasst.“

Die Rede habe ein Gemeinschaftsgefühl und Solidarität hergestellt. Im Grunde brauche es auch heute wieder eine solche Rede. „Da wäre ein starker rhetorischer Aufschlag nötig, damit wir einigermaßen heil durch diese zweite Corona-Welle kommen“, warnt Olaf Kramer.

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Ziel des Auftritts sei es gewesen, die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch die Rhetorik Merkels habe gepasst: „Es macht keinen Sinn Menschen zu beschimpfen, die sich unvernünftig verhalten“, urteilt der Professor für Medienethik an der Uni Erlangen. Zur Bezeichnung „Krieg“ für die Situation, wie sie Frankreichs Präsident Macron gewählt hat, meint Schicha: „Das halte für völlig daneben und für völlig falsch.“  mehr...

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