STAND
INTERVIEW

Der Journalist Geseko von Lüpke im Gespräch mit dem geistigen Führer der Yanomami in Brasilien, Davi Kopenawa.

Audio herunterladen (26 MB | MP3)

Steckbrief Davi Kopenawa

Mein Name ist Davi Kopenawa Yanomami, ich bin der offizielle Vertreter der Völker der Yanomami und Equuana im Territorium der brasilianischen Bundesstaaten Amazonas und Oreima.

Ich vertrete aber auch unser Stammesmitglieder, die auf dem Gebiet von Venezuela leben.

Ich bin zudem der Präsident der Hutukara Assoziation und arbeite dort als traditioneller Häuptling, aber auch als ein Koordinator mit der weißen Außenwelt, da ich Portugiesisch spreche.

Ich bin der Schamane meines Volkes und heile die Männer, Frauen und Kinder.

Goldsucher bedrohen die Yanomami

Eins der größten Probleme, vor denen wir stehen, betrifft unsere Landrechte. Immer wieder dringen fremde Menschen in unser Territorium ein, das uns schon lange ganz offiziell garantiert worden ist.

Goldgräber des Amazonas verkaufen ihren Fund (Foto: Imago, imago images / Rolf Hayo)
Nachdem in Brasiliens Wäldern Gold gefunden wurde, machten sich Tausende auf den Weg, ihr Glück bei der Goldsuche zu finden. Imago imago images / Rolf Hayo

Es handelt sich dabei primär um Goldsucher, die niemals ein Land verlassen wollen, solange sie Gold finden können. Sie bedrohen ganz unmittelbar unser Überleben.

Eine weitere große Bedrohung liegt in den Krankheiten, die die Goldsucher mitbringen, und dem Alkohol, den sie dabei haben; der ist im Yanomami-Land verboten. Den schmuggeln sie hinein.

Der Regenwald ist unser Bruder

Die Erde und der Wald wurden einstmals von einem männlichen Wesen erschaffen, von dem niemand weiß, wo er lebt.

Nur wir als Schamanen kennen den Ort. Wir nennen dieses Wesen "OMAMA". Er lebte und er verliebte sich einst und erschuf daraus den Wald, der die Quelle allen Lebens ist.

Im Wald leben wir gut – nicht nur als Yanomamis – das kann auch für die Weißen gelten. Der Wald repräsentiert Gesundheit, er ist voller Schönheit. Wir sehen den Wald wie unseren Bruder. Ohne ihn hätten wir nichts zu essen.

Die Yanomami leben in Wäldern (Foto: Imago, imago images / Agencia EFE)
Die Yanomami leben in Wäldern und bezeichnen sich selbst als "Wächter des Waldes". Für sie ist der Wald nicht nur Lebensraum, sondern der Ursprung allen Lebens. Imago imago images / Agencia EFE

Druck auf Jair Bolsonaro

Für mich ist die wichtigste Botschaft an die Menschen der Städte, dass Ihr Eure Kraft dafür einsetzen solltet, Druck auf die brasilianische Regierung auszuüben.

So können die Regierungen in Europa die brasilianische Regierung bitten, die Goldsucher aus unserem Gebiet herauszuholen. Das würde uns dabei unterstützen, diese Invasion unseres Territoriums aufzuhalten. 

Ein Kontakt zum Stamm ist über die E-Mail-Adresse hutukaraassociacaoyanomami@gmail.com möglich.

Evangelikaler oder Faschist? Jair Bolsonaro

Wie sich das religiöse Klima in Brasilien verändert
Von Gudrun Fischer  mehr...

SWR2 Glauben SWR2

Südamerika Brasilien: Warum das Coronavirus so verheerende Folgen hat

Brasilien überschreitet in diesen Tagen die Marken von 400.000 Covid19-Fällen und 25.000 Toten. Präsident Bolsonaro lehnt Isolierung, Kontakt- und Ausgangssperren ab und setzt auf das „Wundermittel“ Chloroquin. Das Virus ist in den Favelas der Großstädte angekommen.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

STAND
INTERVIEW