SWR Tagesgespräch mit Umweltminister Untersteller "20 Prozent weniger Dünger ist machbar"

Immer mehr Masse, immer günstigere Preise, immer mehr Druck für die Bauern, das könne es nicht sein, sagt der baden-württembergische Umweltminister Untersteller (Grüne). Die Nitratbelastung müsse runter.

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Im Streit um die Nitratbelastung des Grundwassers hat der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller, Grüne, auf die Nachbarländer Niederlande und Dänemark verwiesen. Dort sei deutlich weniger Dünger erlaubt, als in Deutschland, sagte Untersteller im SWR Tagesgespräch. Deshalb sei es nachvollziehbar und machbar, wenn die EU-Kommission verlange, 20 Prozent weniger zu düngen. Außerdem bleibe gar nichts anderes übrig, wenn "wir unseren Kindern und Kindeskindern" gesundes Wasser und Böden hinterlassen und Strafzahlungen von einer Million Euro am Tag vermeiden wollen.

Es könne nicht sein, dass "immer noch größere" Ställe gebaut würden, erklärte der Grünen-Politiker. Es könne aber auch nicht sein, dass die Verbraucher immer noch günstigere Lebensmittel forderten und die Bauern noch mehr unter Druck gesetzt würden. Bauern müssten von dem, was sie tun, leben können, dazu gehörten auch vernünftige Preise. Beides zusammen lasse sich aber nicht über die Masse bewerkstelligen, "das ist unser Kernproblem", so der Minister. Er erwarte deshalb, dass Bundesagrarministerin Jutta Klöckner (CDU) sich in der EU dafür einsetze, dass eine stärker flächengebundene Landwirtschaft betrieben werde. "Wir müssen da rangehen", so der Umweltminister wörtlich.

In Baden-Württemberg sei man in den letzten Jahren erfolgreich dabei gewesen, die Belastung durch Dünger in Grenzen zu halten, so Untersteller. Es gebe neun Prozent Problemgebiete, in Norddeutschland, wo die großen Massenviehbetriebe ihren Sitz hätten, seien es 50 bis 60 Prozent. Allerdings machten Sonderkulturen wie Erdbeeren und Spargel entlang des Rheins oder Schweinezuchtbetriebe in Hohenlohe Probleme, dort seien die Nitratwerte noch zu hoch.

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