SWR Tagesgespräch mit Daniel Caspary, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament "Hoffe, dass May im Amt bleibt"

Europapolitiker Caspary fürchtet, dass ein Rücktritt der britischen Premierministerin die Unsicherheit in London noch verstärkt. Er geht davon aus, dass viele Briten bei der Europawahl für EU-kritische Parteien gestimmt haben.

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Der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Daniel Caspary hofft, dass die britische Premierministerin trotz Rücktrittsgerüchten im Amt bleibt. Im SWR Tagesgespräch sagte der Europapolitiker, May sei Garant für eine gewisse Stabilität im politischen System Großbritanniens. Wenn jetzt in einem großen Land mitten in der Europawahl Unsicherheit einkehre, sei das nicht hilfreich. Das Beispiel Brexit zeige, was passiert, wenn die pro-Europäer nicht zu Wahl gingen und sich Spalter, Nationalisten und Extremisten durchsetzten. Seither herrsche in Großbritannien politisches Chaos. Wenn Theresa May jetzt scheitere, sei das ein schlechtes Signal, so Caspary. Er selbst habe immer noch die Hoffnung, dass Großbritannien am Ende in der EU bleiben könne.

Die Europawahl sei seiner Wahrnehmung nach für viele in Großbritannien ein zweites Referendum. Das halte er für äußerst schlecht und er rechne damit, dass die Ergebnisse für die staatstragenden Parteien miserabel ausfallen werden.  Caspary erwartet von der EU Nachsicht mit den Briten, auch wenn es bedeuten könne, dass die Hälfte der künftigen britischen Europaabgeordneten anti-Europäisch eingestellt sind und damit die Arbeit des EU-Parlaments noch schwieriger werde.

Europaweit geht Caspary aber nicht davon aus, dass die Beteiligung an der Wahl nach zuletzt 43 Prozent noch weiter sinkt. Viele Menschen spürten, dass Europa immer wichtiger werde, so Caspary. Wenn es bis Sonntag gelänge, deutlich zu machen, dass es auf jede Stimme ankommt, dann könne es gerade wegen Brexit-Chaos und Regierungskrise in Österreich gelingen, den einen oder anderen Wähler zusätzlich an die Wahlurne zu bekommen. „Wir haben sehr gute Zahlen bei der Briefwahl und deswegen habe ich einen gewissen Optimismus“, betonte Caspary im SWR.

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