Mitglieder des SWR Vokalensembles

Eva-Maria Schappé

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"Wir sind eine Art Forschungslabor."

Die Sopranistin Eva-Maria Schappé wurde in Homburg an der Saar geboren. Nach dem Abitur studierte sie Gesang an der Musikhochschule des Saarlandes. Außerdem besuchte sie Meisterkurse u.a. bei Philippe Huttenlocher, Hilde Zadek und Marius van Altena. Eva-Maria Schappé lebt mit ihrer Familie in ihrem Heimatort Homburg an der Saar. Seit 1992 ist sie Mitglied des SWR Vokalensembles.

Vokalensemble Eva-Maria Schappé (Sopran) (Foto: SWR, SWR - Klaus Mellenthin)
Eva-Maria Schappé singt Sopran im SWR Vokalensemble.

Frau Schappé, war es schon immer klar, dass sie Chorsängerin werden wollten?

Eigentlich wollte ich Opernsängerin werden. Als Schülerin bin ich über Freunde zum Kammerchor der Universität des Saarlandes gekommen und habe dort zum ersten Mal erlebt, dass der Chor ein ganz toller Klangkörper ist. Auch während des Musikstudiums habe ich im Kammerchor der Hochschule gesungen. Und irgendwann war für mich klar, dass ich viel lieber in einem Rundfunkchor singen möchte.

Ist man nach so vielen Jahren professionellem Singen überhaupt noch aufgeregt vor Auftritten?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal muss ich ganz schwere Werke singen und bin die Ruhe selbst, und manchmal singe ich etwas, das gar nicht so schwer ist und bin total aufgeregt. Wobei Lampenfieber an sich keine schlechte Sache ist, solange man es in positive Energie umsetzen kann.

Sie haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Kann das auch eine Bürde sein?

Nein, das ist keine Bürde. Klar, ich muss manchmal Kompositionen singen, die mir vielleicht nicht so gefallen. Aber wer hat in seinem Beruf schon jeden Tag das Highlight? Manchmal denkt man: Ich bin froh, wenn das Konzert vorbei ist. Aber das ist selten. Bei Projekten mit hohem Schwierigkeitsgrad sind die Anfangsproben sehr anstrengend. Aber mit jeder Probe steigt man mehr in das Stück ein, man erarbeitet sich die Musik, findet immer mehr den Klang, und dann ist es plötzlich doch schön. Am Ende singe ich immer beseelt und mit großer Freude, weil mir auch bewusst ist, dass ich diese Begabung habe. Das ist ein Geschenk.

Wie lang dauert es, ein Stück einzustudieren?

Das ist unterschiedlich. In der Regel haben wir zwei, maximal drei Wochen für ein ganzes Konzertprogramm – was nicht besonders viel Zeit ist. Wir hören oft von Dirigenten, dass wir sehr schnell in der Umsetzung seien.

Was ist für Sie das Besondere am SWR Vokalensemble?

Neben klassischen Stücken singen wir viel Neue Musik und sind da eine Art Forschungslabor. Es werden auch Chorwerke für uns in Auftrag gegeben. Das heißt wir entwickeln die Chormusik weiter und sind Vorbild für Laienchöre. Wir gestalten auch viel Programm für die Jugend. Ich finde das ganz wichtig, weil ich die Erfahrung mache, dass in Familien gar nicht mehr so viel gesungen wird. Ich finde, es müsste mehr gesungen werden, das ist mir ein großes Anliegen. Deshalb habe ich vor Jahren einen Kinderchor gegründet. Dort erfahren die Kleinen, dass es ein Miteinander gibt. Durch das Chorsingen lernen sie sich gesellschaftlich einzufügen, sich zu benehmen, den Nachbarn zu respektieren. Sie erspüren, dass Singen mit dem ganzen Körper zu tun hat und gut tut. Und letztlich fördert es die Konzentration und steigert die kognitiven Fähigkeiten.

Eva-Maria Schappé (Foto: SWR, SWR -)
Selfie: Eva-Maria Schappé
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