Mitglieder des SWR Vokalensembles

Bernhard Hartmann

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"Die Erfahrung lehrt, dass im Grunde nahezu alles machbar ist."

Der Bariton Bernhard Hartmann erhielt seine musikalische Ausbildung an der Musikhochschule Stuttgart bei Julia Hamari und Bruce Abel. Er absolvierte in Stuttgart die Studiengänge Schulmusik, Gesang und Opernschule sowie Germanistik. Bernhard Hartmann ist verheiratet, hat drei Kinder und ist seit 2001 Mitglied des SWR Vokalensembles.

Vokalensemble Bernhard Hartmann (Bass) (Foto: SWR, SWR - Klaus Mellenthin)
Bernhard Hartmann singt Bass im SWR Vokalensemble.

Herr Hartmann, wie verlief Ihr Weg zum Profisänger?

Ich habe erst mit 26 Jahren angefangen Musik zu studieren. Davor habe ich eine Lehre als Industriekaufmann gemacht, aber das Musikstudium schwirrte schon immer in meinem Kopf herum. Als ich langsam an die Altersgrenze für das Musikstudium kam, dachte ich, wenn ich jetzt in meinem Job bleibe, dann wird's wohl nichts mehr mit dem Studium. Daraufhin habe ich dort gekündigt, die Aufnahmeprüfung gemacht, und zum Glück hat es ja geklappt.

Was zeichnet das SWR Vokalensemble aus?

Mal abgesehen vom Repertoire, ist es eine Feinheit im Klang. Wenn man den Chor kennt, kann man ihn durchaus am Klang erkennen. Diese Feinheit hat auch mit dem Stimmmaterial zu tun. Wenn ein stimmgewaltiger Opernchor etwas singt, dann ist es mitunter nicht ganz so fein wie wir das machen können – das hat nichts mit Wertung zu tun. Uns hingegen würde man wohl nicht für eine Wagner-Oper anfragen.

Ist es möglich, diesen Klang in Wort zu fassen?

Jede Beschreibung lässt sich am besten verstehen, wenn man es gehört hat. Eine Komponente ist natürlich der Klang und die Qualität jedes Einzelnen, denn daraus ist der Gesamtklang gemacht. Daher achten wir auch bei den Einstellungen darauf, dass der Klang des Einzelnen zu uns passt. Wir haben auch Sänger mit tollen, aber zu opernhaften Stimmen abgelehnt. Wir versuchen uns bei dem Vorsingen immer vorzustellen, wie sich alles mischt. Die Stimmen sollen miteinander harmonieren, und das macht uns ein Stück weit aus.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Da würde ich Bach sagen. Vor allem, weil mich der Glaube dieses Menschen aus seiner Musik heraus anspringt. Er ist klar und zieht mich nicht wie zum Beispiel eine Verismo-Arie auf eine bestimmte Ebene. Seine Musik ist sehr tiefgehend, und das beruhigt mich.

Gab es schon Stücke, bei denen Sie dachten: Das kann man jetzt unmöglich singen?

Ein konkretes Stück fällt mir jetzt nicht ein. Ich erinnere mich aber an ein Stück, dass ein früherer Dirigent abgelehnt hat, weil er es für unsingbar hielt. Unser jetziger Dirigent Marcus Creed hat es dann einfach gemacht und es ging (lacht). Die Erfahrung lehrt, dass im Grunde nahezu alles machbar ist.

Was für Klänge werden denn von Ihnen verlangt?

Zum Beispiel Klänge wie "Twang" und "Growling" aus dem Jazzgesang. Das sind ganz andere Techniken, die wir nicht gewöhnt sind und bei denen wir uns schnell wehtun. Da muss man einen Weg finden.

Und neben dem Singen?

Zuhause rufen viele Stellen nach mir. Außerdem bin ich in meiner katholischen Gemeinde im Kirchengemeinderat und bringe mich ich da ein.

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