Musikstück der Woche

Nils Mönkemeyer spielt Mozarts Variationen über „Hélas, j’ai perdu mon amant“

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AUTOR/IN
Christiana Nobach

Ein Riesengeschäft war für Wolfgang Amadeus Mozart das Publizieren von eigenen Variationswerken, und trotz ‚Modeartikel‘ zeichnen sich die Variationen durch Erfindungsreichtum, Spielfreude und Eleganz aus. Auch die über das französische Lied „Hélas, j'ai perdu mon amant“.

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Duo und Variation

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte neben seinen 18 Klaviersonaten fast ebenso viele Variationszyklen für Klavier, nämlich 15 durchaus umfangreiche Werke. Daneben hat Mozart aber keine kammermusikalische Gattung mit so vielen Werken bedacht wie die des Duos für Klavier und Violine.

Dazu gehören auch zwei Variationen, die er 1781, also in seinem ersten Wiener Jahr, wahrscheinlich im Hinblick auf seine verschiedenen Schüler und Schülerinnen komponierte. Die Verbindung der beliebten Gattungen Duo und Variation sollte die beiden Stücke wohl besonders bekannt machen.

Variationen als Modeartikel

Variationen über populäre, aber auch über eigene Themen waren eine Art Modeartikel, und Mozart steuerte seinen Teil zu diesem Genre bei. Modeartikel ließen sich schon zur damaligen Zeit gut verkaufen, und so wird er sicherlich auch aus finanziellen Gründen diese Kompositionen verfasst haben.

Bezeichnenderweise sind Mozarts Variationen, ganz im Gegensatz zu seinen Klaviersonaten, alle zu seinen Lebzeiten im Druck erschienen. Dass es Modeartikel waren, bedeutet aber, gerade bei Mozart, nicht, dass sie nicht von feinster Qualität wären, voller Erfindungsreichtum, Spielfreude und Eleganz.

Wahrscheinlich waren die Variationen KV 360 von 1781 ursprünglich nur für Klavier geschrieben, denn sie sind Mozarts erster Klavierschülerin in Wien, einer Gräfin Thiennes de Rumbeke, gewidmet.

Mit der Violine oder Bratsche ad libitum

Die hinzugefügte Violinstimme hat aber durchaus ihre Berechtigung, und in der Bearbeitung für Bratsche entwickeln sie noch einmal einen ganz besonderen Reiz: Die vornehmlich in g-Moll geschriebenen Veränderungen lassen sich mit ihren herbstlichen Farben und der fast durchgehenden Melancholie auf dem Instrument kongenial darstellen.

Die Variationen insgesamt sind - wie das Andantino-Thema selbst - eine schlichte, aber eindringliche Klage über den Verlust des Geliebten. So sind sie denn mit vielen Seufzermotiven und Chromatik (vor allem in der 1. und 2. Variation) ausgestattet.

Bei der 3. begnügt sich die Violine mit Einwürfen. Die 4. Variation ist ein Dialog zwischen Klavier und Violine. Danach wird die Bewegung durch Triolisierungen schneller, in der 6. wird das Tempo durch Zweiunddreißigstel-Begleitfiguren noch bewegter. In der 5. Variation wird die Bewegung reduziert und traditionellerweise nach Dur gewechselt.

Man sollte diese feinen Variationen technisch und musikalisch nicht unterschätzen, sondern einfach seine Freude an diesen ansprechenden Werken haben.

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