Musikstück der Woche

Jamie Phillips dirigiert Haydns Sinfonie „Le Matin“

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AUTOR/IN
Bettina Müller-Hesse

Man muss nicht im Grand Canyon auf der Lauer liegen oder an einem exotischen Strand, um spektakuläre Sonnenaufgänge zu erleben. Es reicht oft schon, früh morgens vor die eigene Haustür zu treten – oder aber zu lauschen, denn die Sonne kann auch musikalisch aufgehen!

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Spezialist für Sonnenaufgänge

Haydn komponiert in seinem Oratorium „Die Schöpfung“ einen überwältigenden Sonnenaufgang. Und so einen baut er auch in sein etwa zeitgleich entstandenes sog. „Sonnenaufgangsquartett“ ein. Aber schon 35 Jahre vorher hat er diesen magischen Moment in eine Sinfonie gebannt: In die Sinfonie „Le Matin“ – der Morgen. Diese morgenfrische Sinfonie markiert auch einen Neuanfang für Haydn – ab jetzt steht er im Dienst des Fürsten Esterházy.

Ein guter Stratege

Am 1. Mai 1761 unterschreibt Haydn, damals 29, seinen Dienstvertrag als Vizekapellmeister am Fürstenhaus Esterházy in Eisenstadt. Über 40 Jahre wird er in einem der schönsten Barockschlösser Österreichs leben und arbeiten. Seinen Einstand gibt Haydn mit gleich drei Sinfonien, den sog. „Tageszeiten-Sinfonien“: „Le Matin“, „Le Midi“, „Le Soir“. Strategisch klug gibt er in seiner „Morgensinfonie“ jedem seiner Musiker eine solistische Aufgabe, damit sind ihm die Sympathien der Musiker sicher. Einen großen Auftritt hat gleich am Anfang die Flöte.

Und zügig geht die Sonne auf

Der Sonnenaufgang, also der Moment, in dem der Oberrand der Sonnenscheibe den Horizont überschreitet, dauert in Mitteleuropa bis zu vier Minuten, an den Polen mehr als einen Tag lang, in den Tropen geht´s am Schnellsten. Aber besonders flott komponiert ihn Joseph Haydn. Ganze 50 Sekunden braucht es, bis sich aus einer langsamen Streicher-Einleitung die Flöte jubelnd nach oben schraubt wie eine Morgenlerche und den Tag einläutet. Die insgesamt vier Sätze machen die Sinfonie zu einer spritzigen, charmanten Musik, die ihrem Namen alle Ehre macht!

Jamie Phillips

Der britische Dirigent Jamie Phillips hat 2012 als erst 21-Jähriger den renommierten Dirigentenwettbewerb in Basançon gewonnen und seither Orchester in ganz Europa und den USA geleitet. Ein besonderes Interesse gilt der Musik des 20. Jahrhunderts. Aber auch die Klassiker der Literatur liegen gerne auf seinem Notenpult. Die Kritik lobt ihn als einen Dirigenten „mit der ungewöhnlichen Fähigkeit, ein bekanntes Stück am Nacken aufzuheben und ihm neues Leben einzuhauchen“.

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