Musikstück der Woche

Das franz ensemble spielt Ernst von Dohnányis Sextett in C-Dur op. 37

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AUTOR/IN
Lara Fischer

Er war einer der genialsten Pianisten des 20. Jahrhunderts und ein Organisationsgenie. Ihm verdankte Ungarn wesentliche Teile seines modernen Musiklebens: Ernst von Dohnányi. Von Dohnányi? Da war doch was!

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Eine prominente Familie

Ernst von Dohnányi war nicht nur ein brillanter Klaviervirtuose, sondern auch eine Schlüsselfigur des ungarischen Musiklebens. Aber Moment mal: Von Dohnányi? Da war doch was! Ja, genau: Ernst von Dohnányi war der Großvater des ehemaligen Ersten Bürgermeisters von Hamburg Klaus von Dohnányi und außerdem war er auch der Großvater des Dirigenten Christoph von Dohnányi.

Geboren wurde Ernst von Dohnányi 1877 in Pressburg, dem heutigen Bratislava. Damals gehörte die Stadt noch zu Ungarn. Von Dohnányi war ein gefeierter Klaviervirtuose, er trat in ganz Europa, in Russland und in den Vereinigten Staaten auf. Doch nicht nur das. Er machte auch Karriere als Dirigent, Pädagoge und nicht zuletzt als Komponist.

Viele Ämter, wenig Zeit

Mit seinen Werken tat er sich schon früh hervor. Von Dohnányi war gerade einmal 15 Jahre alt, als sein Kompositionsprofessor sein Klavierquintett – sein Opus 1 – Johannes Brahms vorspielte. Und der war begeistert und förderte den jungen ungarischen Komponisten.

Ernst von Dohnányi entwickelte sich nach und nach zu einer der zentralen Musikerpersönlichkeiten seines Heimatlandes: Er war Mitglied des Verwaltungsrates für Musik, Direktor der Musikakademie von Budapest, Chef der Philharmonischen Gesellschaft von Budapest und Musikdirektor beim ungarischen Rundfunk. Ein – man kann es nicht anders sagen – vielbeschäftigter Mann.

Dass er bei all den Ämtern überhaupt noch Zeit zum Komponieren fand, grenzt an ein Wunder. Tatsächlich haben wir das Sextett op. 37 auch nur einer kleinen Erholungspause zu verdanken. Von Dohnányi schrieb das Werk 1935. Kurz zuvor war er an Thrombose erkrankt und so musste er ein wenig kürzertreten – zumindest für eine gewisse Zeit. Glück für uns, denn so konnte eine wirklich spannende Komposition entstehen.

Spätromantik trifft Zeitgeist

Anders als sein Landsmann, Zeitgenosse und Schulfreund Bela Bartók, komponierte von Dohnányi ganz im Sinne der Spätromantik. Er bezieht sich eher auf das, was war, als auf das, was kommen wird – sozusagen ein Meister zwischen den Epochen.

Teilweise verwebt er die Instrumentalstimmen in seinem Sextett sehr dicht miteinander, sodass man manchmal meint, ein Sinfonieorchester zu hören.

Spätromantik hin oder her – im vierten und letzten Satz lässt sich Dohnányi dann doch noch vom Zeitgeist anstecken: Denn das Finale eröffnet er mit einer Art Ragtime für Klarinette und Klavier.

franz ensemble

Das franz ensemble ist eine Kammermusikformation, die aus jungen, international renommierten SolistInnen und KammermusikerInnen besteht. Es vereint Streicher, Bläser und eine Pianistin. Diese Besetzung ermöglicht ein enormes Spektrum, das von feinsten Kammermusikfarben bis hin zu orchestralen Klängen reicht.

Die MusikerInnen fanden sich erstmals 2017 zusammen. Aus der Begeisterung gemeinsamer Konzerte mit dem Oktett von Franz Schubert, Namenspatron des Ensembles, entstand der Wunsch, regelmäßig gemeinsam aufzutreten und sich als festes Ensemble zu formieren.

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Lara Fischer