Jazz Mühelose Meisterschaft: Kenny Werner solo 1992 in Stuttgart

Von Georg Waßmuth

Eines des Standard-Lehrbücher des Jazz zum Thema „Improvisation“ stammt von dem 1951 in Brooklyn geborenen Pianisten Kenny Werner. „Effortless Mastery - Mühelose Meisterschaft“ lautet sein Titel. Seine Thesen zum „freien Flug der Gedanken“ hat Kenny Werner während seiner langen Karriere immer wieder mit außergewöhnlichen Konzertauftritten untermauert. Das belegt auch die Archivaufnahme „Solo in Stuttgart“, die das Label „(SWR) Jazzhaus“ veröffentlicht hat.

Variationen von „Dolphin Dance“

Zum Auftakt seines Konzertes am 10. Juni 1992 im Studiosaal des Süddeutschen Rundfunks stimmte Kenny Werner mit lyrischem Ton einen Klassiker von Herbie Hancock an. Über 17 Minuten lang variierte er das Thema und gewann ihm mit großer Finesse immer wieder neue Schattierungen ab.

„Musiker für Musiker“ mit Klanggespür und fulminanter Technik

Dem damals 41jährigen Kenny Werner eilte der Ruf voraus, irgendwie in der Liga von Keith Jarrett zu spielen, doch bei weitem nicht dessen Popularität zu erreichen. Dabei galt er da bereits als wichtiger Impulsgeber der Szene. Als „Musiker für Musiker“, der bei der Umsetzung der eigenen Kreativität ganz eigene Wege geht. Am Klavier standen Kenny Werner alle Möglichkeiten zur Gestaltung offen, auf sein Klanggespür und seine fulminante Technik konnte er sich dabei stets verlassen.

Kenny Werner Classic Photo (Foto: Pressestelle, Kenny Werner -)
Pressestelle Kenny Werner -

Enorm präsenter Live-Mitschnitt

Die Tontechniker haben das inspirierte Spiel von Kenny Werner im Jahr 1992 durchhörbar und enorm präsent eingefangen. Deshalb kann sich die CD „Live in Stuttgart“ mit jeder neuen Produktion aufnehmen. Der Hörer bekommt den Eindruck, er sitzt in der ersten Reihe, während sich Kenny Werner Zeit und Raum für seine epischen Improvisationen nimmt.

„Wenn Du an einem Abend schrecklich spielst, geht trotzdem am nächsten Tag die Sonne auf und die Vögel zwitschern. Das ist schon seit ewigen Zeiten meine feste Überzeugung und so setze ich mich auch ans Klavier. Das Publikum erwartet zwar immer irgendeine Art von besonderem Drama, aber das interessiert mich nicht wirklich. Meine Einstellung ist eher: was passiert, das passiert eben.“ Kenny Werner

CD-Tipp am 5.7.2019 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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