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Bei Brahms, sagt Dirigent Philippe Jordan, gehe es um das „innere Singen“. Dies sei gerade für die Sinfonien entscheidend. Was das bedeutet und wie das klingt, verrät eine Aufnahme, die im Herbst 2019 entstanden ist. Hier hat Jordan mit seinem Orchester, den Wiener Symphonikern, im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins einen Brahms-Zyklus gespielt – und den gibt es nun auf CD. Das richtige Orchester mit dem richtigen Repertoire am richtigen Ort? Christine Lemke-Matwey hat sich die CD vorgenommen.

Auch in seinen Sinfoniesätzen denkt Brahms oft vom Gesang her

Beim Hören des dritten Satz aus Johannes Brahms‘ ersten Sinfonie fällt sofort das schlanke, transparente, federnde Klangbild auf. Brahms, wie Jordan und seine Wiener ihn verstehen, ist kein pastoser Spätromantiker, sondern ein natürlicher Nachfahre von Beethoven, Schumann und Mendelssohn. Und hier kommt das „innere Singen“ ins Spiel: Auch in seinen Sinfoniesätzen denkt Brahms nämlich oft vom Gesang her, von Madrigalen, Chorälen, Arien und Liedern. Das ist es, was Philippe Jordan besonders herausarbeitet und was seinen Brahms, so geschmeidig macht, so fließen lässt, ja geradezu jugendlich klingen lässt.

Sinnlich und leichtfüßig zugleich

Die vierte Sinfonie, da war Brahms immerhin 52 Jahre alt und trug schon Rauschebart und Spazierstock. Seine Musik aber atmet bei aller formalen Strenge eine Vitalität und Lieblichkeit, eine Sehnsucht nach der Sehnsucht, die aufhorchen lässt. So sinnlich und leichtfüßig zugleich haben die fallenden Terzen und aufsteigenden Sexten zu Beginn des Kopfsatzes der Vierten lange nicht geklungen.

Sechs Jahre lang leitete Philippe Jordan die Wiener Symphoniker

Schubert, Tschaikowsky, Berlioz, Beethoven – und jetzt eben Brahms. Sechs Jahre lang leitete Philippe Jordan die künstlerischen Geschicke der Wiener Symphoniker, und wie gut Orchester und Dirigent sich verstanden haben, das hört man auch ihrer fünften gemeinsamen CD-Produktion an.

Die Box mit allen vier Brahms-Sinfonien ist im hauseigenen Label der Sinfoniker erschienen und wird über Sony vertrieben. Mit der neuen Saison wechselt Jordan zwar nicht die Stadt, er bleibt in Wien, wohl aber das Orchester und die Institution: seit 1. September darf er sich Musikdirektor der Wiener Staatsoper nennen. Herzlichen Glückwunsch!

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