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Können Kirchenorgeln cool sein? Julia Spyker hat junge Youtuber getroffen, die die Fragen eindeutig beantworten.

14 Jahre alt und fasziniert vom Orgel-Register "Spanische Trompete"

Martin Schikarski ist 14 Jahre alt, kommt aus Aachen und betreibt seit anderthalb Jahren den Youtube-Kanal "Spanische Trompete" – benannt nach einem Register der Orgel. Die Pfeifen der "Spanischen Trompete" stehen nicht senkrecht, sondern ragen in den Kirchenraum hinein und haben einen ganz besonderen und lauten Klang. "Ich habe den Kanal so benannt, weil mich dieses Register sehr fasziniert", sagt Martin.

Die Faszination für die Königin der Instrumente packte Martin bereits im Alter von sechs Jahren, seitdem erhält er Orgelunterricht. Mit elf Jahren spielte er seinen ersten Gottesdienst. Er ist ein richtiger Orgel-Nerd könnte man sagen, doch da steht man mit 14 Jahren ziemlich alleine da. Also kam ihm die Idee zum Youtube-Kanal, über den man leicht auf Gleichgesinnte treffen kann.

So jemand ist Max: Er betreibt den Youtube-Kanal "Max der Musiker". Als er zwölf Jahre alt war, hat er den Kanal eingerichtet. Von dem Youtuber "Ben das Brot", der auch Orgelvideos hochlädt, hat er sich inspirieren lassen. Mit drei Jahren hatte Max den ersten Kontakt zur Orgel – sein Vater ist Pfarrer. Ihn begleitet er auch im Gottesdienst, ohne jemals Orgelunterricht gehabt zu haben. Ein Autodidakt also mit bemerkenswertem Können.

Videos zum Thema Hochzeit werden "wie blöd geklickt"

Ein Vorreiter in Sachen Orgel-Youtuber ist Ludwig Martin Jetschke. Er ist Ende 20 und betreibt seinen Youtube-Kanal „Lingualpfeife“ seit 2012. In der Kirchenmusik-Szene ist er so etwas wie ein Star. "Wenn ich auf eine Priesterweihe gehe, komm ich eigentlich keine fünf Meter weit, ohne dass mich jemand anspricht. Daran hab ich mich gewöhnt", so Jetschke.

Mit über 7.000 Abonnenten betreibt er den größten Orgel-Youtube-Kanal. Die rund 2.000 Videos reichen von Erklärvideos musiktheoretischer Natur bis hin zu Improvisationsanleitungen. "Wie blöd geklickt werden meine Hilfestellungen zum Thema Hochzeit. Die Leute wissen nicht, wie man an geeignete Lieder kommt."

Eigene Kamera für die Fußarbeit

Auch Martin und Max bilden verschiedene Themen rund um die Orgel mit ihren Videos ab. Martin kann man z.B. dabei zusehen, wie er an der Orgel sitzt und die Gemeinde begleitet. Er verwendet dabei sogar eine Kamera für das Pedal: Man kann ihm also nicht nur auf die Finger schauen, sondern sogar auf die Füße. Außerdem stellt Martin immer wieder Orgeln vor.

Live-Streamings

Neben Gottesdiensten gibt es bei Max noch eine Video-Kategorie: Pannen und Quatsch. Außerdem hat Max damit begonnen live zu streamen, d.h. direkt mit seinen Fans oder Abonnenten in Kontakt zu treten, um beispielsweise Fragen zu beantworten. Irgendwie mutig, wenn man bedenkt, dass gerade im Netz die Höflichkeit oft hinten ansteht oder sich Trolle beleidigend in Kommentaren unter den Videos äußern.

Inzwischen haben die jungen Orgel-Youtuber untereinander Kontakte geknüpft. Letztes Jahr gab es sogar ein erstes Treffen in der analogen Welt.

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