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Mit ihrer einzigartigen Stimme und ihrem ikonischen Retrolook machte Amy Winehouse den Sound der 60er Jahre wieder populär. Doch ihre psychischen Probleme – sie selbst sprach von „Dämonen“ –  standen ihr immer wieder im Weg: Mit nur 27 Jahren starb Amy Winehouse am 23.7.2011 an einer Alkoholvergiftung.

Ein temperamentvolles Mädchen, das den Jazz liebt

Amy Jade Winehouse, 1983 in London in eine jüdische Familie geboren, wurde die Liebe zur Musik und insbesondere zum Jazz in die Wiege gelegt: In ihrer Familie gab es zahlreiche professionelle Jazz-Musiker und ihr Vater Mitch, ein Taxifahrer, dessen Mutter bereits Jazz-Sängerin war, sang häufig Sinatra-Songs für seine Tochter.

Doch Mitch Winehouse verlässt die Familie, als Amy neun Jahre alt ist. Ab diesem Zeitpunkt wird aus dem ruhigen Mädchen, das heimlich die Jazz-Platten des Vaters hört, eine verhaltensauffällige Starrköpfin, die von mehreren Schulen fliegt.

10. Todestag von Amy Winehouse  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa)
Als Mitch Winehouse die Familie verlässt, verändert sich seine Tochter für immer. Trotz allem spielt er in ihrer späteren Karriere eine entscheidende Rolle: Er hat vor allem Interesse am wirtschaftlichen Profit. picture-alliance/ dpa

Bereits mit 13 bekommt sie Antidepressiva verschrieben und ihre Mutter hat große Probleme, Amy und ihr eigenwilliges Temperament im Zaum zu halten. Abseits der Musik kann sich Winehouse für nichts begeistern, doch ihr Ausnahmetalent verhilft ihr trotz ihrer unangepassten Art zu Auftritten.

Winehouse nutzt die Musik als Ventil für psychische Probleme

Schon früh schreibt die junge Amy Winehouse Gedichte und persönliche Texte, in denen sie ihren Emotionen Ausdruck verleiht. Die Musik sei ihr Ventil, sagt Winehouse und sie sucht in der Musik schon früh nach Linderung ihrer psychischen Probleme. Bis zu ihrem Tod wird ihr Privatleben Thema ihrer Songtexte sein.

Viele Leute haben Depressionen. Nicht alle haben ein Ventil dafür.

Ihre spätere Alkoholsucht sei nur ein weiterer „Dämon“, mit dem die Sängerin zu kämpfen habe, sagt ihre Mutter Janis in Interviews. Winehouse selbst gibt bei einem Zusammenbruch in einem Londoner Aufnahmestudio Satan und bösen Dämonen die Schuld am tragischen Verlauf, den ihr Leben genommen hat.

Mit dem ersten Album „Frank“ kommt der nationale Durchbruch

10. Todestag von Amy Winehouse  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Photoshot)
Winehouse sah den Jazz der 60er Jahre als ihre größte Inspiration. Künstler*innen wie Sarah Vaughan, Tony Bennett, James Taylor oder Ella Fitzgerald waren ihre Vorbilder. picture alliance / Photoshot

2003, als Amy Winehouse gerade 19 Jahre alt ist, geht es schnell: Sie bekommt einen Plattenvertrag und macht sich mit ihrem ersten Album „Frank“ einen Namen in England. Die charismatische Sängerin gewinnt im Folgejahr den BRIT-Award als beste Solo-Künstlerin und stellt ihre einzigartige Stimme auf großen Festivals wie dem Glastonbury unter Beweis.

Was damals noch niemand ahnt: Die Sängerin kämpft jeden Tag mit ihren inneren „Dämonen“ und kann nur schwer mit dem plötzlichen medialen Interesse an ihrer Person umgehen.

10. Todestag von Amy Winehouse  (Foto: Imago, imago/ZUMA Press)
In einem frühen Interview wurde Amy Winehouse gefragt, ob sie berühmt werden wolle. Sie verneinte: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit umgehen könnte.“ Imago imago/ZUMA Press

Amy Winehouse live beim SWR3 New Pop Festival 2004

Amy Winehouse bei ihrem Konzert 2004 im Theater Baden-Baden. (Foto: SWR3)
Amy Winehouse bei ihrem Konzert 2004 im Theater Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
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Amy Winehouse bei ihrem Konzert 2004 im Theater Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Und Amy Winehouse: bei ihrem Konzert 2004 im Theater Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
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Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen
Amy Winehouse in der Festival Lounge beim New Pop Festival 2004 in Baden-Baden. Bild in Detailansicht öffnen

Die Beziehung zu Blake Fielder-Civil verändert Amy Winehouse für immer

In einer Bar trifft Winehouse 2005 auf den heroinsüchtigen Blake Fielder-Civil und verliebt sich sofort in ihn. Schnell steht sie unter dem Einfluss des Schauspielers und rutscht immer mehr in einen Lebensstil ab, bei dem die Musik in den Hintergrund gerät und exzessive Partys in den Vordergrund rücken.

Die stürmische Beziehung von Winehouse und Fielder-Civil hält nicht lange, doch richtet sie in Amys Leben und Psyche nachhaltigen Schaden an.

10. Todestag von Amy Winehouse  (Foto: Imago, picture-alliance/ dpa)
In einem Interview gab Blake Fielder-Civil zu, Amy Winehouse erstmals in Kontakt mit harten Drogen gebracht zu haben. Sie hätten beide einen Hang zum selbstzerstörerischen Verhalten gehabt, den sie in ihrer gemeinsamen Zeit auslebten, so der Ex-Mann der Musikerin. Imago picture-alliance/ dpa

Rehab - aus einem großen Fehler entsteht der größte Hit

Nachdem Fielder-Civil sie für seine Ex-Freundin verlässt, stürzt Winehouse ab. Sie leidet unter Bulimie und wird alkoholkrank, weswegen Freund*innen ihr einen Entzug nahelegen. Amy willigt ein – sofern ihr Vater das Okay gibt. Weil der aber der Meinung ist, dass es seiner Tochter gut geht, gibt es keinen Entzug und in Folge wohl Amys größten Hit „Rehab“:

they tried to make me go to rehab
but I said no, no, no
[...]
I ain't got the time
and if my daddy thinks I'm fine
just try to make me go to rehab
but I won't go, go, go

„Back to Black“ sprengt Rekorde und macht Winehouse zum Weltstar

Winehouse verarbeitet die Trennung von Fielder-Civil bei den Aufnahmen zu ihrem Album „Back to Black“, das 2006 in Miami von Mark Ronson produziert wird. Die Platte, auf der sie bewusst die Einflüsse von Indiebands aus ihrem Wohnort, dem Londoner Stadtteil Camden einfließen lässt, wird anders als „Frank“ – doch längst keine Popmusik, wie Winehouse sagt.

10. Todestag von Amy Winehouse  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / AP Photo)
Mit aktuellen Hits und den britischen Charts kann Winehouse nichts anfangen. Sie hält die zeitgenössische Musik, die größtenteils den Stars auf den Leib geschrieben wird, für verwässert. Für sie ist ein guter Song eine Geschichte, die man selbst gefühlt und erlebt haben muss. picture alliance / AP Photo

you went back to what you knew
so far removed
from all that we went through
and I tread a troubled track
my odds are stacked
I'll go back to black

Das Album mit dem gleichnamigen Titeltrack wird ein Welterfolg und verhilft Winehouse zum internationalen Durchbruch: Über Nacht wird aus dem kleinen Mädchen aus London ein Weltstar. Sie verkauft Millionen Tonträger und räumt bei Preisverleihungen wie den Grammys ab.

Der Sound der Sechziger als Inspiration

Passend zu dem von Winehouse so verehrten Sound der Sechziger verändert sie in dieser Zeit auch ihre optische Erscheinung. Mit ihrer ikonischen Beehive-Frisur, dem markanten Lidstrich und bunten Kleidern und Accessoires setzt Winehouse von nun an Retro-Akzente.

Winehouse macht außerdem mit „Back to Black“ ein ganzes Genre wieder populär: Zahlreiche, heute sehr erfolgreiche Musikerinnen wie Adele, Lana Del Rey oder Duffy sagen später, dass die Musik von Amy Winehouse sie in ihrem Schaffen inspiriert habe. Mit „Back to Black“ treffen der Jazz der Sechziger und der Soul der Nuller-Jahre aufeinander, so Produzent Mark Ronson.

Drogen bringen Winehouse an den Tiefpunkt ihrer Karriere

Im Juni 2007, auf der Spitze ihres Erfolges, folgt jedoch ein weiterer Absturz: Nach einem Liebescomeback mit Blake Fielder-Civil heiratet das Paar und Amy Winehouse verfällt den harten Drogen.

Amy Winehouse: Zehnter Todestag (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Cinesoundz)
Die eigentlich für ihre eindrucksvollen Live-Performances bekannte Winehouse macht in dieser Zeit Negativ-Schlagzeilen mit zugedröhnten Auftritten bei Konzerten und Festivals. Teilweise kann sie kaum noch das Mikrofon halten. picture alliance / Cinesoundz

Das Paar lässt sich nach nur zwei Jahren scheiden und Winehouse versucht, ihre Dämonen unter Kontrolle zu bekommen. Die Plattenfirma drängt auf ein neues Album und ihr Management pocht auf eine rentable Tour durch Europa, angefeuert durch Amys Vater Mitch. Doch Winehouse hat keine Kraft dafür.

Der Todestag von Winehouse jährt sich zum zehnten Mal

Die harten Jahre der medialen Omnipräsenz in den Boulevardblättern, das stark beeinträchtigte Privatleben und ihr destruktiver Lebensstil haben Amy Winehouse zermürbt. Sie wird kein neues Album mehr aufnehmen.

Berühmt und erfolgreich werden war nie das Ziel von Amy Winehouse. Sie wollte mit der Musik nur eines: Glücklich werden. Geprägt von gescheiterten Beziehungen zu den Männern in ihrem Leben und der unerfüllten Liebe, nach der sie stets suchte, stirbt Amy Winehouse alleine am 23. Juli 2011 im Alter von 27 Jahren in Camden. Als ihr Bodyguard sie tot in ihrem Apartment findet, hat sie über vier Promille im Blut.

Amy Winehouse (Foto: picture-alliance / Reportdienste, RPB/Columbia/Sony; )
Nur wenige Monate vor ihrem Tod wurde Winehouse von ihrem Idol Tony Bennett eingeladen, um ein Duett aufzunehmen, welches posthum erschien. RPB/Columbia/Sony;

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Doku Classic Albums: Amy Winehouse - Back to Black

Classic Albums: Amy Winehouse - Back to Black

Logo SWR2 (Foto: SWR)

Konzert Amy Winehouse Live at Shepherd's Bush

Amy Winehouse Live at Shepherd's Bush

Kulturmedienschau Instrumentalisierung des Helfens: Rechte Propaganda in den Flutgebieten | 23.7.2021

Auf den die Kulturseiten der Zeitungen und im Netz wird heute an die Sängerin Amy Winehouse erinnert, die vor genau 10 Jahren mit erst 27 an einer Alkoholvergiftung starb. Und es geht um die Instrumentalisierung des Helfens: Querdenker und Rechtsextreme fahren in die Flutgebiete, um durch vermeintliche Hilfsaktionen Anständigkeit zu suggerieren. Zugleich verbreiten sie per Lautsprecher Falschmeldungen: Dass etwa die Unterstützung der Behörden so schlecht sei, dass sie sich nun selbst darum kümmern müssten.  mehr...

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