Kulturgeschichte

Eine berührende Art der Kommunikation – Verliert Küssen an Bedeutung?

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INTERVIEW
Doris Maull

Küssen ist Kommunikation, sagt Kommunikationswissenschaftler Hektor Haarkötter. Seine Forschungen zum Thema bringt er jetzt mit seinem Buch „Küssen – Eine berührende Kommunikationsart“ raus. Darin geht es um die Geschichte des Küssens von der Antike bis heute mit vielen Beispielen aus Film, Literatur, Märchen und aus der Kunst.

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Verliert Küssen an Bedeutung?

In den 50ern und 60ern hat Küssen in der Öffentlichkeit oder im Film noch für Aufregung gesorgt, das ist heute nicht mehr so, sagt Haarkötter: „Das Küssen ist im Gesellschaftlichen Diskurs und damit vermutlich auch im gesellschaftlichen Verhalten offenbar im Rückgang begriffen.“

Ikonische Küsse der Filmgeschichte – Von Spider Man bis Frühstück bei Tiffany's:

Spiderman (Foto: IMAGO, imago images/Everett Collection)
Für einen kurzen Moment steht die Welt auf dem Kopf: So war es buchstäblich in „Spiderman“, als Kirsten Dunst und Tobey Maguire einander näher kamen – einer der ungewöhnlichsten und gleichermaßen unvergesslichsten Küsse der Filmgeschichte. Bild in Detailansicht öffnen
Susi und Strolch (Foto: IMAGO, imago/ Mary Evans)
Rührende Filmküsse gibt es auch in der Zeichentrick-Welt: Als Susi und Strolch 1955 genüsslich ihre Spaghetti schlürfen und sich letztendlich ihre Schnauzen zum Schmatzer treffen, wird die Szene sofort zum Kult. Bis heute wird der Kuss in zahlreichen Filmen und Serien nachgestellt. Bild in Detailansicht öffnen
Frühstück bei Tiffany's (Foto: IMAGO, imago images/Mary Evans)
Und gleich noch ein tierischer Kuss: In „Frühstück bei Tiffany's“ war „Katze“ eigentlich immer der Sittenwächter über seine Herrin Holly (Audrey Hepburn) und wenig begeistert von ihrem Männergeschmack. Doch beim romantischen Kuss mit Paul (George Peppard) gibt auch der hartnäckigste Kater auf. Bild in Detailansicht öffnen
Star Wars (Foto: IMAGO, imago images/Mary Evans)
Und plötzlich war Han nicht mehr so Solo: In „Das Imperium schlägt zurück“ kommt es zum ersten Kuss zwischen Han Solo (Harrison Ford) und Prinzessin Leia (Carrie Fisher). Auf dem Milennium Falken besiegeln sie ihre Liebe – diesem ergreifenden Moment können sich auch Science-Fiction-Nerds nicht versperren. Bild in Detailansicht öffnen
Brokeback Mountain (Foto: IMAGO, imago images/Ronald Grant)
Es war der Film, der queere Liebe plötzlich auch auf Kinoleinwänden sichtbar machte: In „Brokeback Mountain“ knutschten sich Heath Ledger und Jake Gyllenhaal und verhalfen Regissuer Ang Lee damit zum Oscar. Doch die ersten waren sie damit nicht: Der erste schwule Filmkuss überhaupt war in „Sunday, Bloody Sunday“ von John Schlesinger im Jahr 1971. Bild in Detailansicht öffnen
Froh here to Eternity (Foto: IMAGO, imago images/Everett Collection)
Eine Zeitreise ins Jahr 1955: Die Wellen rauschen und Burt Lancaster und Deborah Kerr liegen eng verschlungen im Sand und küssen sich. Wenngleich es in der Szene aus dem Militärdrama „Verdammt in alle Ewigkeit“, anders als in der Buchvorlage, „nur“ bei einem Kuss blieb: Für die 1950er-Jahre war die Strand-Liebelei auf Hawaii eine mehr als nur heiße Szene. Bild in Detailansicht öffnen
Titanic (Foto: IMAGO, imago images/Mary Evans)
Zu diesem Filmkuss an der Reling der Titanic braucht es nicht viele Worte, nur einen Blockflüten-Ohrwurm zum Mitnehmen: My Heart Will Go On, bitteschön. Bild in Detailansicht öffnen
Harry Potter und Cho Chang küssen scih  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa)
Einfach zauberhaft: Im fünften Teil der Saga, „Der Orden des Phönix“, küsst Harry Potter zum ersten Mal ein Mädchen. Auch wenn er am Ende nicht Cho Chang sondern Ginny Weasley heiratet, bleibt es ein einschneidender Moment für alle Fans der Fantasy-Reihe. Bild in Detailansicht öffnen
Pretty Woman (Foto: IMAGO, imago/Cinema Publishers Collection)
„Ich küsse nicht auf den Mund“ waren die Worte, die Julia Roberts zu Beginn von „Pretty Woman“ hauchte. Bevor sie schließlich doch auf den Mund küsste, gab es einen intimen Moment, einen Beinahe-Kuss, der fast noch intensiver war als das schließliche Happy-End des Liebespaars. Bild in Detailansicht öffnen
Slumdog Millionaire (Foto: IMAGO, imago images/Mary Evans)
„Antwort D: Es ist Schicksal.“ So löst sich die Lebensgeschichte des „Slumdog Millionärs“ Jamal (Dev Patel) im Film auf. Nach einer packenden Hatz um den Hauptgewinn der Gaming-Show kann er in der letzten Szene des Films schließlich auch das Herz seiner großen Liebe Latika (Freida Pinto) gewinnen. Bild in Detailansicht öffnen
Eiskalte Engel (Foto: IMAGO, imago/United Archives)
Wie kaum ein anderer Film prägte „Eiskalte Engel“ die Jugendlichen gegen Ende der 1990er-Jahre. Die Szene, in der Sarah Michelle Gellar als versnobte Kathryn der naiven Cecile (Selma Blair) das Küssen beibringen wollte, rundete ihre Rolle als intrigantes Biest ab. Der Hauptpreis geht allerdings nicht an den Kuss, sondern an den Soundtrack des Films. Bild in Detailansicht öffnen
E.T. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, United Archives / kpa Publicity Stills)
Der letzte Kuss der Reihe: Anfangs ist die kleine Gertie, gespielt von Drew Barrymore, kein großer Fan des Außerirdischen E.T.. Langsam kann er jedoch auch ihr skeptisches Herz erobern. Es zeigt sich: Nicht alle Küsse müssen romantischer Natur sein, um das Herz zu berühren. Bild in Detailansicht öffnen

Was drücken wir mit Küssen aus?

Kommunizieren heißt, anderen Menschen etwas mitzuteilen, erklärt Haarkötter, dafür gebe es Regeln. Aber „die Regeln haben sich massiv verändert und auch das, was wir anderen mit dem Kuss sagen, hat sich massiv verändert“. In den 60er-Jahren wurden zum Beispiel „Kiss-Ins“ veranstaltet, weil man damals glaubte, mit Küssen die Welt verändern zu können. „Ganz ehrlich: Das glaubt heute niemand mehr“, so Haarkötter.

Kann Küssen die Welt friedlicher machen?

Haarkötter stellt die These auf, dass die Welt friedlicher sein könnte, wenn die Menschen mehr küssten. Der Wandel habe auch damit zu tun, dass der Kuss in Hollywood-Filmen nicht mehr die Bedeutung habe, die er bis Mitte der 50er-Jahre gehabt habe.

Gespräch „Wir leben im Zeitalter der Zunge“ – Autor Florian Werner über ein unterschätztes Körperteil

Kosten, lecken, schmecken, küssen, sprechen, abschneiden – all das kann man mit der Zunge machen. Sie ist ein menschliches Organ von vielen, vielleicht aber das meist unterschätzte. Dabei leben wir längst im „Glossozän“, dem Zeitalter der Zunge, sagt Autor Florian Werner. Und holt die Zunge, die immer auch ihren Eigensinn hat, vom Schatten ins Licht.
Auf die Idee, sich genauer mit der Zunge zu beschäftigen, haben ihn sein Hund und sein Sohn gebracht. Als Florian Werner beobachtete, dass sein Sohn das Hecheln und Lecken seines Hundes zu imitieren begann, wurde ihm klar: Tier und Menschen, alle Säugetiere haben eine Zunge, „aber es ist sehr unterschiedlich, was sie damit tun.“
Das wichtigste Interface zur Außenwelt
Das Gemeinsame vielleicht: die Zunge dient der Kommunikation im Sinne des in Verbindung Tretens mit der Außenwelt. Die ausgereifteste Variante diese Kommunikation ist die Sprache. Anders, als in Zeiten von Internet, Homeoffice und Cybersex vielleicht zu vermuten wäre, hat deshalb die Zunge auch heute eine immense Bedeutung. In einem immer mehr von sprachgesteuerten Tools geprägten Alltag, ist sie eines der wichtigsten Interfaces zur Umwelt, sagt Florian Werner. „Wir leben im Zeitalter der Zunge“.
Körperteil mit Eigensinn
Die vielfachen Redewendungen über die Zunge – „Die Zunge hüten“, „Mit Engelszungen sprechen“, „Mit gespaltener Zunge reden“ – verraten zugleich etwas vom Misstrauen des Menschen gegenüber einem Körperteil, dass zwar ganz nah am Gehirn liegt, aber eben doch eigensinnig bleibt. In den Redewendungen „spricht das Wissen darüber, dass wir dieses Organ ganz nah am Kopf haben, dass es aber auch seinen eigenen Kopf hat“, sagt Werner.
Das Genie und die Zunge
Florian Werner holt mit seinem Buch „Zunge. Ein Porträt“ ein Körperteil aus dem Schatten ins Licht. Wobei er einen Schlüsselmoment für das neue Bewusstsein für dieses Körperteil im Jahr 1951 verortet. In diesem Jahr streckte das Genie Albert Einstein genervt Fotografen die Zunge heraus. Entstanden ist ein Bild, das ikonisch wurde. Der Raum des Vorzeigbaren war erweitert. Auch für die Zunge!

SWR2 am Morgen SWR2

Mainz

Umfrage zum Internationalen Tag des Kusses Wie oft küssen sich die Menschen in Mainz?

Küssen ist eine Geste der Liebe und darüber hinaus sogar gesund. Am Internationalen Tag des Kusses wollten wir wissen, wie viel in Mainz geküsst wird. Wir stellten fest: Manch einer muss sich seinen Kuss ganz schön hart erarbeiten.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Küsse vor der Kamera - Intimitätskoordinatorin Julia Effertz

Julia Effertz berät Filmproduktionen, wenn Nackt- und Sexszenen gespielt werden sollen. Bei imtimen Szenen sei das Verletzungsrisiko höher als bei Kampfszenen - nämlich seelisch.

SWR2 Tandem SWR2

Max Raabe, Palast Orchester - Küssen Kann Man Nicht Alleine (Live)

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