Platz 8 (30 Punkte)

Aras Ören: Berliner Trilogie. Drei Poeme

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Aras Örens zwischen 1973 und 1980 entstandenen Langpoeme zählen zu den ersten literarischen Projekten in Deutschland überhaupt, die den türkischen Arbeitsmigranten in Deutschland Stimme und Gewicht verlieh. Ören, 1939 in Istanbul geboren, seit 1969 in Berlin lebend, zeigt das Leben in einem fremden Land in all seinen Schwierigkeiten und Widersprüchen. Wie Ören in seinem Vorwort zur Neuausgabe feststellt, waren die Hirten und Bauern, die einfachen Handwerker und Händler, die aus den Kleinstädten und aus der Provinz nach Deutschland kamen, um zu arbeiten, mit dem modernen Leben und dem plötzlichen Sturz in die urbane Anonymität überfordert.

Und doch charakterisiert der Autor sie als immens wichtigen Faktor im Hinblick auf gesellschaftlichen Wohlstand und europäischen Humanismus. So eröffnet ein Vers: „In der Naunynstraße / liegt jedem Fenster gegenüber / ein anderes Fenster / und hinter jedem Fenster / verschiedene Sorgen und / frische Hoffnungen. Örens drei Langpoeme sind aber mehr als Sozialreportagen in Gedichtform; sie waren für die türkische Community eine Hoffnung, eine Ermunterung und ein Impuls. Örens Ton wechselt die Klangfarben ständig zwischen poetisch formulierten Alltagsbeobachtungen und politisch grundiertem Zeitkommentar.

Berlin-Kreuzberg wird zum Zentrum eines Umbruchs, der sich auch sprachlich manifestiert. Ein rhythmischer Kiezspaziergang; ein Buch, das sich gerade jetzt bestens wiederlesen oder entdecken lässt.

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Autor/in
SWR