Zeitwort

4.3.2003: Der erste SARS-Patient stirbt an Coronaviren

STAND
AUTOR/IN
Wolfgang Meyer

Als im November 2002 ein 33 Jahre alter Koch mit trockenem Husten und hohem Fieber in ein Krankenhaus im chinesische Heyuan eingeliefert wird, ahnt noch niemand die Tragweite seiner Krankheit.

Audio herunterladen (4,2 MB | MP3)

Eine neuartige Krankheit namens SARS stellt die Mediziner vor Rätsel

Bei der Verlegung ins städtische Krankenhaus infiziert der Mann den Fahrer des Krankenwagens und acht Klinikangestellte. Sein Zustand verschlechtert sich, die Ärzte sind alarmiert. Die Einschätzung der Mediziner: Wir haben es mit einer völlig neuartigen und gefährlichen Krankheit zu tun.

Ein damals noch völlig unbekannter Virologe namens Christian Drosten, der sich an der Erforschung dieser neuen Krankheit beteiligt, ist sich bereits früh sicher, dass es sich bei dem neuen Virus um eine Zoonose handelt, also um eine Krankheit, deren Erreger eigentlich im Tierreich sitzt und die nur zufällig auf den Menschen als Fehlwirt gewechselt ist.

Liu Jianlun wird zu Patient eins des internationalen SARS-Ausbruchs

“Die Wissenschaftler bezeichnen das neue Virus als „SARS“ – „Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom“. Die Krankheit wird als „COV – „Corona-Virus-Desease“ – klassifiziert.

Das alles ist damals – als die Ärzte ratlos den 33 Jahre alten Koch behandeln - noch unbekannt. Weil es dem Patienten zunehmend schlechter geht, verlegen die Ärzte ihn im Januar 2003 in das Zhongshan Memorial Hospital in Heyuan.

Dort steckt der junge Mann in wenigen Stunden 13 medizinische Mitarbeiter an, auch einen 64 Jahre alten Oberarzt. Dieser Mann heißt Liu Jianlun. Er wird in die Virologiegeschichte eingehen als Patient eins des internationalen SARS-Ausbruchs.

Innerhalb von 24 Stunden werden zwölf weitere Menschen infiziert

Der 64-Jährige reist am 21. Februar 2003 nach Hongkong. Er ist zu einer Hochzeit eingeladen und quartiert sich in einem Hotel ein. Bereits seit einigen Tagen leidet Liu Jianlun unter Erkältungssymptomen.

Später werden die Virologen detailgenau ermitteln, wie der Ausbruch seinen Lauf nahm. Sie bekommen heraus, dass der Arzt im neunten Stock des Hotels Quartier bezieht, in Zimmer Nummer 911, und dass er innerhalb von 24 Stunden zwölf Hotelgäste mit dem neuen Virus infiziert, Gäste, die wiederum Reisende sind und das Virus weitertragen werden.

Liu Jianlun stirbt an Coronaviren

Liu Jianlun, der Oberarzt, wird ins Hongkonger Kwong Wah Hospital eingeliefert. Sein Zustand hat sich innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtert. Die Mediziner lassen ihn beatmen.

Vergeblich. Am 4. März 2003 stellen seine behandelnden Ärzte den Tod fest. Liu Jianlun ist der erste Coronatote.

Eine Pandemie kann damals noch verhindert werden

Unter den zwölf Hotelgästen, die er angesteckt hat, sind eine Kanadierin und ein Kanadier, ein US-amerikanischer Geschäftsmann auf der Durchreise und drei Menschen aus Singapur. Sie sind es, die – ohne es zu ahnen - das Virus mit auf die Reise nehmen. Der Geschäftsmann wird SARS nach Taiwan bringen, die Kanadierin nach Toronto. Auch sie und später ihr Sohn werden an der neuen Krankheit sterben.

Die WHO kann fast jeden Ansteckungsweg verfolgen, den Ärzten gelingt es bereits im Sommer 2003, eine Pandemie zu verhindern. Dennoch: Insgesamt haben sich damals 8096 Menschen mit diesem neuen Virus infiziert, 774 sind gestorben.

Archivradio Umgang mit Corona – Aus früheren Pandemien gelernt?

Spanische Grippe, Asiatische Grippe, SARS: Historische Tonaufnahmen zeigen, wie die Gesellschaft mit solchen Situationen umging. Was haben wir daraus gelernt? Christoph König im Gespräch mit Gábor Paál

Medizingeschichte Pandemien und andere Plagen

Immer wieder wird die Menschheit von Seuchen heimgesucht. Die Medizin lernt immer dazu – und erlebt auch Rückschläge.

Mehr zur Corona-Krise:

Pandemie Drei Jahre Corona – was haben wir daraus gelernt?

Was haben wir aus der Pandemie gelernt? Was hat uns überrascht? Wo waren wir zu unvorsichtig und was hätte besser laufen können? Welche Fehler haben wir generell gemacht? Wir fragen nach - drei Jahre nach dem ersten Covid-19-Fall in Deutschland.
Ralf Caspary im Gespräch mit Prof. Sandra Ciesek, Virologin, Uniklinik Frankfurt

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Long Covid – das weiß man inzwischen über Ursachen und Therapien

Einer neuen Studie zufolge kämpfen mindestens zehn Prozent aller Infizierten weltweit mit den Spätfolgen einer Corona-Infektion. Zu möglichen Ursachen gibt es auch erste Erklärungsansätze. Ansätze für Therapien sind verfügbar.

SWR2 Impuls SWR2

Umwelt Wolkenforschung war hilfreich in der Pandemie | Atmosphärenforscherin Mira Pöhlker

Ohne Wolken gäbe es keine Niederschläge, keine Vegetation und kein Leben auf der Erde. Wie Wolken entstehen und welche Rolle sie für unser Klima spielen, erforscht Mira Pöhlker, Professorin für Experimentelle Aerosol- und Wolkenmikrophysik. Was ihre Arbeit mit der Corona-Bekämpfung zu tun hat, erzählt sie SWR Wissenschaftsredakteur Gábor Páal im Science Talk (SWR 2022) | Mehr zur Sendung: http://swr.li/wolkenforschung-klima | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Mastodon: @swr2wissen@social.tchncs.de

SWR2 Wissen SWR2

STAND
AUTOR/IN
Wolfgang Meyer