Bilder von Prominenten in der Düsseldorfer Ausstellung "Beyond Fame"  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | David Young)

Ausstellung „Beyond Fame“

Kunst oder nur Kommerz? Nicht jeder Star ist auch ein Künstler!

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AUTOR/IN
Christian Batzlen

Es gibt Künstler, die sind sehr prominent. Gerhard Richter zum Beispiel oder Anselm Kiefer, und ihre Werke kosten Millionen. Und dann gibt es Prominente, die auch Kunst machen. Sind diese Prominenten dann automatisch auch prominente Künstler? Es gibt Bedenken. 

Michael Stich, Tim Bendzko oder Samy Deluxe: Promis machen Kunst

Bryan Adams etwa oder Pete Doherty haben Millionen Platten verkauft, nun fotografiert der eine und der andere malt mit Blut und Kohle, kombiniert mit Zeichnungen und Collagen. Die kanadische Sängerin Grimes zeichnet mythische und psychedelische Bilder, entleiht Figuren und Motive beim Jugendstil und Surrealisten und setzt oft Künstliche Intelligenz ein. 

In der nun im NRW-Forum Düsseldorf beginnenden Ausstellung „Beyond Fame – Die Kunst der Stars“ sind neben diesen internationalen Stars auch deutsche Künstler (oder doch nur Prominente?) ausgestellt.

Werke von Sänger Tim Bendzko, den Rappern Cro und Samy Deluxe, aber auch des einstigen Wimbledon-Siegers Michael Stich oder der ehemaligen Fußball-Nationalspielerin Josephine Henning sind zu sehen. Eine Kunstakademie haben die wenigsten von ihnen besucht. 

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Michael Stich in 30 Jahren als Künstler bekannter ist als Sportler.“ 

Bilder von Prominenten in der Düsseldorfer Ausstellung "Beyond Fame"  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | David Young)
Der ehemalige Wimbledon-Sieger Michael Stich entdeckte nach seiner Tenniskarriere Malen als Hobby, studierte Kunstgeschichte und richtete sich ein Atelier ein. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder von Prominenten in der Düsseldorfer Ausstellung "Beyond Fame"  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | David Young)
Auch der Rapper Samy Deluxe macht inzwischen Kunst: Hier ein Werk, das in der Düsseldorfer Ausstellung „Beyond Fame – Die Kunst der Stars“ zu sehen ist. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder von Prominenten in der Düsseldorfer Ausstellung "Beyond Fame"  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | David Young)
„Peter Doherty verarbeitet in seiner Kunst auch seine Drogenabhängigkeit“, sagt der künstlerische Leiter des NRW-Forum, Alan Bieber bei SWR2. Hier steht der Rockstar vor seinen Werken. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, NRW-Forum / Foto: Andreas Endermann)
Blick in die Ausstellung „Beyond Fame“: Auf der rechten Seite sind Werke von Anton Hofreiter zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, © Grimes x Mac Boucher)
Die kanadische Sängerin Grimes zeichnet mythische und psychedelische Bilder und setzt oft Künstliche Intelligenz ein. Hier zu sehen: „I wanted a puppy“ (2019/2020). Bild in Detailansicht öffnen
Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, NRW-Forum )
Der Modeschöpfer Harald Glööckler geht ebenfalls unter die Künstler ... Bild in Detailansicht öffnen
Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, Harald Glööckler)
... und wird teilweise selbst zum Motiv seiner Kunst: „Pieta“ (2023), 201 x 208 cm, Fotografie. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder von Prominenten in der Düsseldorfer Ausstellung "Beyond Fame"  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | David Young)
Werke des kanadischen Sängers Bryan Adams sind auch in der Düsseldorfer Ausstellung „Beyond Fame“ zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen

Ist Tim Bendzko ein prominenter bildender Künstler?

Tim Bendzko sagte dieses Jahr über sich, er habe von Kunst überhaupt keine Ahnung. Er fand Kunst in der Schule schrecklich und malt nun recht frei und ahnungslos eher kleinformatige, abstrakte geometrische Formen, bei denen er die gewünschten Formen mit Malerkrepp abklebt, bevor er die Leinwand bepinselt. Ist er jetzt ein bildender Künstler? Ein prominenter, bildender Künstler? 

Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, NRW-Forum /Foto: Andreas Endermann)
Abstrakte geometrische Formen sind das künstlerische Œuvre von Tim Bendzko.

Auch der Rapper Cro veröffentlicht seit geraumer Zeit Kunst unter einem Pseudonym.

Was braucht man, um Künstler zu sein?

Der Kunstkritiker Kolja Reichert hat im vergangenen Jahr mit seinem Buch „Kann ich das auch?“ 50 Fragen an die Kunstwelt beantwortet.

Die Antworten auf Frage 19: Was braucht man, um Künstler zu sein?: „1. Geld ist schon mal sehr hilfreich. 2. Den direkteren Zugang zum eigenen Schmerz. 3. Fantasie, Mut, Fleiß. 4. Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Distanz zu sich selbst und dem, was man macht.“

Das alles zusammen erlaube es, die eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen so mit den verfügbaren Formen der Kunst kollidieren zu lassen, dass etwas Einzigartiges entstehe, das niemand anderes so hätte machen können.

 Ein Künstler, der aus der Politik kommt: Anton Hofreiter malt Blumenbilder

Auch der frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, ist bei der Gruppenausstellung im NRW-Forum Düsseldorf dabei. Er ist nicht als Künstler anderer Disziplinen berühmt, sondern als Politiker. Und als solcher nun Blumenbilder auszustellen, erfordert auch Mut, wobei nicht sicher ist, ob Kolja Reichert genau diesen Mut meint.

2021 hatte er in Berlin-Kreuzberg eine Ausstellung mit dem Titel „Watching Flowers“. Zu sehen waren kindlich anmutende Pflanzenmotive in satten Farben, mit einem Himmel, der immer das gleiche Blau hatte. Auf die Frage, ob das Kunst ist, antwortete er wohl freundlich, dass dies andere beurteilen sollen

Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, Konstanze Schäfer / Galerie pavlovs dog)
Als studierter Botaniker sucht sich Anton Hofreiter Motive aus der Natur.

Ein spezieller Markt für Fans

„Nur weil ein Promi etwas gemalt hat, ist es noch lange keine Kunst“, erklärte die Münchner Kunstberaterin Eva Mueller dem Capitalmagazin und beschreibt dort, wie Stars keinerlei Einfluss auf den Kunstmarkt hätten, sie zählten gar nicht wirklich dazu.

Profis wüssten, dass ein Kunstwerk Substanz haben muss, um es wirklich als solches zu bezeichnen. Die Kunst der Stars sei ein spezieller Bereich für Fans. Die Kunstwelt goutiere diese Werke kaum, weil man kaum professionelle Kriterien anlegen könne. Es sei auffällig, dass bei Prominenten viele der Motive Repliken sind oder Selbstporträts. Für Fans sei das natürlich doppelt interessant: Sie haben ein Bild, das ihr Star gemalt hat und er ist auch noch darauf zu sehen. 

„Pete Doherty verarbeitet in seiner Kunst auch seine Drogenabhängigkeit. Es gibt Werke, wo auch sein Fixerbesteck drin vorkommt. Er malt dann auch mit seinem eigenen Blut und man spürt die Punkrock-Attitüde.“

In Düsseldorf ist so ein Werk von Pete Doherty, zu sehen. „I am a stranger in my own skin“ (2016) zeigt ein großes Bild von ihm als Sänger vor dem Mikro aus seinen besten Zeiten. Das Werk ist im Sepia-Retro-Stil gehalten, auf ihm kleben wie bei einer Collage Schreibmaschinen-Textzeile und ein kleines Polaroid mit keinem wirklichen Motiv außer einem verschwommenen weiß-schwarzen Blick ins Leere. Fans wird es bestimmt gefallen. 

Bilder aus der Ausstellung "Beyond Fame" in Düsseldorf  (Foto: Pressestelle, Courtesy of janinebeangallery)
Pete Doherty: „I am a stranger in my own skin“ (2016).

Der Kunstmarkt freut sich über Promi-Künstler

Es stimmt natürlich, dass Joseph Beuys den berühmten Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ in den 1960er-Jahren manifestierte und auch schon Novalis drückte Ende des 18. Jahrhunderts denselben Gedanken aus. Beuys meinte damit jedoch nicht, dass alle Menschen Maler oder Bildhauer werden sollten.

Vielmehr ging es ihm um die jedem Menschen innewohnende schöpferische Kraft und Kreativität. Und diese lässt sich von Prominenten zu Geld machen, gerade in der zweiten Lebenshälfte.

Auch wenn Kunst ganz nach dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu „mit der Absicht einer ausdrücklichen Verneinung des Ökonomischen hergestellt wird“, sind es doch vor allem die Galerien und Auktionshäuser, die sich auf dem Kunstmarkt an Promi-Künstlern erfreuen.

Für Britney Spears‘ belächeltes Blümchen-Bild zahlte 2017 ein Käufer noch 10.000 Dollar, Bilder von Sylvester Stallone waren schon vor vielen Jahren bei rund 50.000 Euro und für ein von Pierce Brosnan gemaltes Bob-Dylan-Porträt zahlte 2018 ein Käufer 1,4 Millionen Dollar bei einer Versteigerung. 

Der institutionalisierte Kunstbetrieb ist skeptisch

In diesem Feld ist es oft ein schlichter Bilder- statt Kunstmarkt, der aus dem Bekanntheitsgrad der Prominenten Kapital schlagen will. Der institutionalisierte Kunstbetrieb steht hauptberuflichen Musikern wie Cro, Tennisspielern wie Michael Stich, Fußballer*innen wie Josephine Henning, Modemachern wie Harald Glööckler oder Schauspieler:innen wie Meret Becker, die zum Pinsel greifen, jedoch generell skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Zu sehen sind sie trotzdem im NRW-Forum Düsseldorf. Fans werden es lieben.

Gespräch Düsseldorfer Ausstellung „Beyond Fame“ – Die Kunst der Stars

Eine Ausstellung in Düsseldorf zeigt das künstlerische Talent von Prominenten aus dem Sportbereich, der Politik und, dem Showbiz. „Beyond Fame“ im NRW-Forum widmet sich ihrem Zugang zu Malerei, Fotografie, Video und Installationskunst. Entscheidend für die Auswahl der Werke war nicht der Promi-Status der Künstler*innen, sondern die Ernsthaftigkeit ihres Umgangs mit Kunst.
„Wir pflegen hier den erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys: Jeder Mensch ist eine Künstler*In“, sagt der Kurator und künstlerische Leiter des NRW Forums, Alain Bieber, im Gespräch mit SWR2. Als Beispiel nennt er den ehemaligen Wimbledon-Sieger Michael Stich, der nach seiner Tenniskarriere Malen als Hobby entdeckte, Kunstgeschichte studierte und sich ein Atelier einrichtete. Typisch sei, sagt Bieber, dass Stich lange brauchte, bis er mit seiner Leidenschaft an die Öffentlichkeit ging. „Erst im letzten Jahr hat Michael Stich das erste Mal seine Bilder gezeigt“, weiß Bieber.
Britney Spears und ihre Blumenbilder im Bikini
Kurator Bieber findet es interessant, wer sich alles mit Kunst beschäftigt, gibt aber zu: Bei Promis sei die Produktion oft ein Marketing-Gag. „Ed Sheeran hat mal ein Action-Bild gemacht, Britney Spears hat im Bikini mal ein paar Blumen-Bilder gemalt“, weiß Alain Bieber. Bei „Beyond Fame“ habe er jedoch Menschen ausgesucht, die das mit großem Ernst betreiben. So sei auch ein Werk von Tim Bendzko zu sehen, dessen Kunst noch nie öffentlich ausgestellt worden sei.
Möglichst viel Abwechslung
Angesichts einer Ausstellungsfläche von 1200 Quadratmeter sei es schwierig gewesen, eine Auswahl zu treffen. „Wir hätten noch eine viel, viel größere Ausstellung machen können“, sagt Kurator Bieber über die Probleme bei der Zusammenstellung der Werke. Er habe auf große Diversität der Genres geachtet, auch auf unterschiedliche Lebensalter der Promi-Künstler*Innen.
Andere Facetten der Menschen sehen
Bei Tennisspieler Stich glaubt Alain Bieber, dass dieser angesichts der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen „in 20-30 Jahren als Künstler bekannter werde als zuvor als Sportler“. Die Ausstellung zeige auch, dass die Öffentlichkeit zu oft Prominente nur aus einem Blickwinkel kenne. Als Beispiel nennt Bieber den Grünen-Politiker Anton Hofreiter. „Dass er sehr naive Blumenbilder malt und gelernter Botaniker ist – das zeigt eine andere Facette“, meint der Kurator.
Wer ist "Gideon Geschenkt"?
Als Gag gibt es für die Besucher*Innen von „Beyond Fame“ ein Rätsel: Sie sollen tippen, wer sich hinter dem Pseudonym „Gedeon Schenkt“ verbirgt, der ebenfalls zu den ausgestellten Stars gehört. „Er mag gerne Andy Warhol und Walt Disney, ist aus Norddeutschland – und ein Mann“, verrät Alain Bieber nur. Die Auflösung gibt's erst Ende Dezember. Dann wird auch ein Kunstwerk des geheimnisvollen „G. Schenkt“ verlost.
Alain Bieber ist ein deutsch-französischer Kulturmanager, Jahrgang 1978. Er arbeitet seit 2015 am NRW Forum und kuratiert auch „Beyond Fame. Die Kunst der Stars“. Die Ausstellung läuft vom 18.August bis zum 21.Januar.

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