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Volker Schlöndorffs Kino-Doku „Der Waldmacher“: Wie Tony Rinaudo aus der Karst-Wüste Bäume wachsen lässt

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Im Alter von 83 Jahren hat Regisseur Volker Schlöndorff seine erste Kino-Doku gedreht. In „Der Waldmacher“ stellt er den australischen Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo vor. Seit Jahrzehnten forstet der in Afrika auf, wundersamerweise ohne einen einzigen Baum zu pflanzen.

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Die Lösung liegt unter der Erde

Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Weite Teile der Ackerflächen sind völlig verkarstet, die Folge von großflächigen Abholzungen. Doch Tony Rinaudo fand heraus: Das weit verzweigte Wurzelwerk der gefällten Bäume lebt unterirdisch weiter. Und manchmal stoßen immer noch einzelne Triebe durch die Erde. Wenn man sie regelmäßig beschneidet, versorgen die Wurzeln die Sprösslinge wieder mit genügend Nährstoffen, so dass — scheinbar aus dem Nichts — in der Ödnis Bäume wachsen.

Filmstill (Foto: Weltkino Filmverleih)
1981 kommt der Australier Tony Rinaudo als junger Agrarwissenschaftler in den Niger, um die wachsende Ausbreitung der Wüsten und das Elend der Bevölkerung zu bekämpfen. Radikale Rodungen haben das Land veröden lassen und einst fruchtbare Böden ausgelaugt. Weltkino Filmverleih

Fast ein Wunder

Diese Wiederentdeckung einer eigentlich uralten Methode war für Rinaudo der Wendepunkt. Seit vielen Jahrzehnten lehrt er Bauern in 25 Ländern Afrikas die simple Methode des Beschneidens. In Niger konnten auf diese Weise sechs Millionen Hektar gutes Ackerland gewonnen werden.

Die Bäume steigern die Erträge auf den Feldern deutlich. Denn sie spenden Schatten und schützen die Böden vor Erosion. Verrottende Blätter kühlen den Boden und werden zu Humus. Sogar Wasserquellen beginnen wieder zu sprudeln. Es wirkt wie ein Wunder.

Filmstill (Foto: Weltkino Filmverleih)
Rinaudos Versuche die Wüste durch das Pflanzen von Bäumen aufzuhalten scheitern und nahezu alle seine Setzlinge gehen wieder ein. Dann bemerkt er unter dem vermeintlich toten Boden ein gewaltiges Wurzelnetzwerk. Eine Entdeckung, die eine beispiellose Begrünungsaktion zur Folge hat und unzähligen Menschen neue Hoffnung schenkt. Weltkino Filmverleih

Umdenken erfordert Überzeugungsarbeit

Rinaudo ist überzeugt: Würden alle Bauern in Afrika mitmachen, könnte der Kontinent nicht nur sich selbst, sondern die ganze Welt ernähren. Und doch ist es schwer, die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Schlöndorff reiste für „Der Waldmacher“ zusammen mit Rinaudo, aber auch alleine durch Afrika.

Man hat den Eindruck: Mehr als für die Bäume interessiert sich der Filmemacher eigentlich für die Menschen, denen er begegnet. Streckenweise entfernt er sich relativ weit vom Thema, dokumentiert die Lebensweise der Landbevölkerung, zeigt die große Armut, aber auch die Tatkraft vieler, die mit wenigen Mitteln für ein gutes Leben kämpfen.

 

Filmstill (Foto: Weltkino Filmverleih)
Oscar-Gewinner Volker Schlöndorff widmet seinen ersten Dokumentarfilm dem Lebenswerk von Tony Rinaudo, der seit Jahrzehnten gemeinsam mit afrikanischen Bauern eine simple Schnitttechnik praktiziert und verbreitet. Weltkino Filmverleih

Vieles ist möglich, wenig konkret

In ihrer Machart ist die Doku denkbar konventionell, inhaltlich aber sehr informativ. Zudem belässt Schlöndorff es nicht bei der Perspektive zweier weißer Männer auf den Kontinent, sondern integriert Kurzfilme afrikanischer Filmemacher in seine Erzählung. Am Ende bleibt der Eindruck, dass in Afrika vieles möglich wäre — es aber noch ein ziemlich weiter Weg ist, bis aus den alten Wurzeln mehr als ein zartes Pflänzchen Hoffnung wächst.

Trailer „Der Waldmacher“ von Volker Schlöndorff, ab 7.3. im Kino

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