Max Ophüls Festival (Foto: Pressestelle, picture alliance/dpa)

Starke Frauen im Film-Nachwuchs

„Jenseits der blauen Grenze“ und „Milchzähne“ beim Max Ophüls Preis

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AUTOR/IN
Theresa Berwian

Der Max Ophüls Preis gilt als wichtigstes Festival für deutschsprachige Nachwuchsfilmschaffende. In diesem Jahr nehmen auch zwei SWR-Koproduktionen am Wettbewerb teil: Beide erzählen von jungen Frauen, die für ihre Zukunft kämpfen.

58 Filme nehmen in diesem Jahr an der 45. Ausgabe des Max Ophüls Preises teil. Die Themen der jungen Filmschaffenden sind in diesem Jahr vielfältig: Heimat, Kapitalismus, queere Liebe und Traumata, aber auch „Glaube und Religion sind stark vertreten“, sagt Programmleiterin Theresa Winkler. 

In der Kategorie Spielfilm nehmen in diesem Jahr auch zwei SWR-Koproduktionen am Wettbewerb teil: „Jenseits der blauen Grenze“ und „Milchzähne“. Bei beiden hat jeweils eine Nachwuchs-Regisseurin Regie geführt.  

Ophuels (Foto: Pressestelle, IMAGO/Future Image)
Am 22. Januar beginnt das Filmfestival Max Ophuels Preis in Saarbrücken.

 Die talentierte Schwimmerin Hanna träumt in der DDR von Olympia 

 „Jenseits der blauen Grenze“ spielt an der Ostsee in den letzten Jahren der DDR. Die talentierte Nachwuchsschwimmerin Hanna trainiert fleißig für immer größere Meisterschaften. Denn ihr Traum ist es, irgendwann mal Olympiasiegerin zu werden.  

Jenseits der blauen Grenze (Foto: Pressestelle, Jakob Fliedener)
Hanna (Lena Urzendowsky) ist eine ehrgeizige und talentierte Schwimmerin. In der DDR trainiert sie für ihren großen Traum: einen Sieg bei Olympia. Bild in Detailansicht öffnen
Jenseits der blauen Grenze (Foto: Pressestelle, Jakob Fliedner)
Nachdem ihr Freund Andreas ins Visier der Staatsmacht gerät, beschließt Hanna mit ihm über das Meer zu flüchten. Bild in Detailansicht öffnen
Jenseits der blauen Grenze (Foto: Pressestelle, Jakob Fliedner)
50 Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit. Verbunden mit einer dünnen Schnur versuchen sie eine waghalsige Flucht über das Meer Bild in Detailansicht öffnen
Jenseits der blauen Grenze (Foto: Pressestelle, Jakob Fliedner)
Die Geschichte der jugendlichen wird in Rückblenden erzählt. Szenen, die den Kampf mit dem Wasser zeigen, wechseln sich mit ihren Erinnerungen ab. Bild in Detailansicht öffnen

Ihr bester Freund Andreas hingegen hat Schwierigkeiten sich einzuordnen. Er gerät ins Visier der Staatsmacht und muss schließlich in einen Jugendwerkhof, wo er „sozialistisch umerzogen“ werden soll. Hanna sorgt sich um Andreas, denn der kann sich nicht mehr fangen und stürzt immer weiter ab, bis er den Plan schmiedet, über die Ostsee nach Fehmarn und damit in den Westen zu fliehen. 

 Eine waghalsige Flucht aus der DDR über die Ostsee  

Hanna wird schließlich vor die Entscheidung ihres Lebens gestellt: Verlässt sie ihren festen Platz in der sozialistischen Gesellschaft oder lässt sie ihren Freund allein über die Ostsee schwimmen – mit dem Wissen, dass er das ohne ihre Hilfe nicht schaffen wird. Sie entscheidet sich für ihre Freundschaft zu Andreas und lässt alles zurück – ihre Schwimmkarriere und ihre Eltern. 50 Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit. Und nur eine dünne, verbindende Schnur um ihr Handgelenk rettet sie vor der absoluten Einsamkeit.  

Dieser waghalsige Fluchtversuch auf dem offenen Meer hat Regisseurin Sarah Neumann besonders an der Geschichte gereizt. „Das Thema Flucht ist aktuell wie nie“, sagt Neumann. Dabei werde häufig vergessen, dass Flüchtende nicht nur Menschen aus weit entfernten Ländern seien, sondern dass auch „in unseren eigenen Familien geflüchtet wurde“, so die Regisseurin.  

Spielfilmdebüt „Milchzähne“mit überwiegend weiblichen Team realisiert

 „Jenseits der blauen Grenze“ ist das Langspielfilmdebüt von Sarah Neumann, die an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Ein weiteres Debüt ist auch die zweite SWR-Koproduktion im Wettbewerb: „Milchzähne“ ist das Spielfilmdebüt von Sophia Bösch, die diesen Film mit einem überwiegend weiblichen Team realisiert hat.

Sie arbeitete mit einer Kamerafrau, einer Editorin, einer Sounddesignerin und einer Szenenbildnerin. Auch das Drehbuch stammt von Sophia Bösch, in Zusammenarbeit mit Roman Gielke und nach einer Roman-Vorlage von Helene Bukowski.   

Film über die Sehnsucht nach Zugehörigkeit  

Und auch im Film selbst stehen Frauen im Mittelpunkt: Skalde ist Tochter einer Außenseiterin und musste sich daher ihren Platz in der Dorfgemeinschaft hart erkämpfen. Sie hat es geschafft, ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Doch Skaldes Wunsch dazuzugehören, hat Mutter und Tochter auseinandergetrieben.  

Milchzähne (Foto: Pressestelle, Merav Maroody)
Skalde (Mathilde Bundschuh) hat es geschafft von der Tochter einer Außenseiterin zu einem geachteten Mitglied der Gesellschaft zu werden. Bild in Detailansicht öffnen
indivq (Foto: Pressestelle, MErav Maroody)
Als ein fremdes Kind im Wald auftaucht, müssen Skalde und ihre Mutter wieder zusammenfinden, um das Mädchen vor der Dorfgemeinschaft zu schützen. Bild in Detailansicht öffnen
Milchzähne (Foto: Pressestelle, Merav Maroody)
Der Film spielt in einem Dorf an einem Ort und zu einer Zeit nicht allzu fern von unserer. Fremde werden in dieser Gemeinde nicht geduldet. Bild in Detailansicht öffnen
Milchzähne (Foto: Pressestelle, Merav Maroody)
„Milchzähne“ erzählt von Müttern und Töchtern, von der Angst vor dem Fremden, und von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Bild in Detailansicht öffnen
Milchzähne (Foto: Pressestelle, Merav Maroody )
Die Geschichte um Skalde ist hochkarätig besetzt mit Mathilde Bundschuh, Susanne Wolff (Skaldes Mutter) und Ulrich Matthes als Dorfvorsteher, zu dessen Schützling Skalde wird. Bild in Detailansicht öffnen

Eines Tages findet Skalde ein fremdes Kind im Wald. Um es zu retten, müssen Mutter und Tochter nach Jahren der Entfremdung zusammenhalten. Denn Skalde nimmt das Mädchen aus einem Impuls heraus mit nach Hause, obwohl die Gemeinde keine Fremden duldet. Um trotzdem ihre Position zu behalten und das Kind zu schützen, schlägt Skalde ein riskantes Geschäft vor. 

 Am 27. Januar wird der Max Ophüls Preis verliehen

Sechs Tage lang laufen die Wettbewerbsfilme in den Festivalkinos, bevor dann am 27. Januar die Preisverleihung stattfindet. Der Preis für den besten Spielfilm ist mit 36.000 Euro dotiert, für die beste Regie gibt es 11.000 Euro.  

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Theresa Berwian