TV- Kritik | ARD Mediathek Aenne Burda- Die Wirtschaftswunderfrau

Von Karsten Umlauf

Sie wurde zur „Königin der Kleider“ und der „Grande Dame der deutschen Mode“. Dabei stammte Aenne Burda aus ganz einfachen Verhältnissen. Sie startete 1949 mit einem verschuldeten Hinterhofverlag in der Nähe von Offenburg und hat ihre Zeitschrift „burda Moden“ aus eigener Kraft zur größten Modezeitschrift weltweit gemacht. Eine Nachkriegsgeschichte, die förmlich nach einer Verfilmung schreit. Teil 1 und 2 sowie die Doku "Aenne Burda-Königin der Kleider" in der ARD Mediathek.

Die resolute „Frau Doktor Burda“

Anna Magdalene Burda wird erst zu Aenne nachdem sie die vielleicht größte Enttäuschung ihres Lebens erfährt. Ihr Mann Franz betrügt sie, führt mit seiner früheren Sekretärin quasi ein zweites Familienleben.

Aber, was noch schlimmer ist: er hat seiner Geliebten einen Verlag und eine Modezeitschrift geschenkt. Dinge, von denen Anna schon lange träumt, Ideen, die ihr Mann einfach von ihr gestohlen hat. Anders als seine Geliebte soll seine Frau „daheim bleiben, wie es sich gehört“. Doch die resolute „Frau Doktor Burda“ setzt ihrem Mann die Pistole auf die Brust und droht mit Scheidung.

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Volles Risiko für den beruflichen Lebenstraum

Die, die von manchen so respekt- wie neidvoll als die „Königin von Offenburg“ bezeichnet wurde, weil ihr Mann mit seiner Druckerei ein Vermögen gemacht hatte, geht volles Risiko und übernimmt den hochverschuldeten Mode-Verlag, der sich zunächst in einer zugigen Halle in Lahr befindet.

Mit dem Sportwagen nach Paris

Sie schwört ihr Team ein auf die Idee, ein Magazin mit besonderer Mode für die einfache Hausfrau zu machen, mit Schnittmustern zum Selbernähen.

Zur Inspiration fährt sie mit dem eigenen Sportwagen nach Paris. Für den Haushalt und die Versorgung der Söhne Fritz, Frieder und Hubert hat sie ihre „Perle“.

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Eine Frau erfindet sich neu

Aus Anna wird Aenne: die Neuerfindung einer Frau aus dem Geist ihres Lieblingslieds „Ännchen von Tharau“. Eine, die ihrer inneren Stimme folgt und sich lieber dem Gerede aussetzt als Kompromisse zu machen.

So möchte sie der Film auf jeden Fall gerne darstellen und konzentriert sich auf ihren Aufstieg in den 1950er Jahren. Dass „burda Moden“ später sogar zur größten Modezeitschrift der Welt wird, spart er aus.

Entwaffnendes Lächeln und schonungslose Härte gegen sich selbst

Der Film erzählt „frei nach dem Leben von Aenne Burda“ und ist nicht bis ins biografische Detail historisch korrekt. Wichtiger ist ihm, ein Gesellschaftsbild zu malen, das noch von Kriegserinnerungen grundiert ist.

Sittliche Strenge und männliche Dominanz verlieren aber langsam ihre Kraft und die Lust nach Farben, Freiheit und Lebensfreude bricht sich Bahn.

Burda-Biografin Ute Dahmen über die Wirtschaftswunderfrau

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Überzeugende Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel

Dass das gelingt, liegt an aufwändigen Kostüm- und Szenenbildern und zu einem großen Teil an Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel. Sie schafft es, die verschiedenen Facetten dieser Wirtschaftswunder-Figur Aenne Burda, ein entwaffnendes Lächeln und schonungslose Härte gegen sich selbst in einem Gefühlsausdruck zu vereinen. 

Wackernagel zeigt Aenne Burda als eine Frau, die kaum Selbstzweifel zulässt und die trotz einer platonischen Beziehung in Frankreich und einer Affäre in Italien an der ambivalenten Beziehung zu ihrem Mann festhält.

Kein Leben nach Schnittmustervorlage

Franz und Aenne Burda lebten bis zu seinem Tod in einer offenen Beziehung und machten daraus auch keinen Hehl. So sehr sie ihren Erfolg auch den akkuraten und einfachen Nähanleitungen für ihre Leserinnen verdankte, in ihrem Leben wollte sich diese „Wirtschaftswunderfrau“ an kein Schnittmuster halten. 

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