Lionel Messi mit Geldscheinen im Hintergrund (Foto: SWR, Montage)

Sport erklärt

Salary Cap: Kann eine Gehaltsobergrenze den Fußball retten?

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Millionengehälter für Spieler sind im Profi-Fußball längst Normalität. Die Gefahr: Steckt ein Club zu viel Geld in seinen Kader, sind wirtschaftliche Probleme nicht weit. Braucht der Fußball eine Gehaltsobergrenze?

15.800 Euro - das verdient Lionel Messi pro Stunde. Die Zahlen aus dem Vertrag des sechsmaligen Weltfußballers mit dem FC Barcelona, die die spanische Zeitung El Mundo enthüllt hat, sind unglaublich. Und sie befeuern eine Diskussion, die in Zeiten der Corona-Krise immer heißer wird: Braucht der Fußball eine Gehaltsobergrenze? Doch das Thema ist komplex. Sport erklärt zeigt die Hintergründe. 

Etwa vier Milliarden Euro hat die Fußball-Bundesliga laut letztem Finanzbericht vor der Corona-Krise pro Jahr umgesetzt. Der Fußball verdient so gut wie nie, doch es gibt ein Problem: Die Spieler sind zu teuer! In Europas Fußballligen werden inzwischen wieder fast zweidrittel der Einkünfte der Clubs an das kickende Personal ausbezahlt. Das Wachstum betrug zuletzt fast zehn Prozent. 

Immer mehr Funktionäre fordern Gehaltsobergrenzen

Viele Manager stecken offenbar jeden verfügbaren Cent in die Mannschaft. Das zeigte die Corona-Krise überdeutlich: 13 von 36 deutschen Proficlubs waren während des Lockdowns im Frühjahr 2020 von der Pleite bedroht, nach nur ein paar Wochen ohne Einnahmen. 

Deshalb fordern immer mehr Funktionäre eine Gehaltsobergrenze im Fußball, wie DFL-Boss Christian Seifert oder DFB-Präsident Fritz Keller oder Frankreichs Ligaboss Bernard Caiazzo. Den stört nicht so sehr Messis astronomisches Gehalt, sondern die Bezahlung von Durchschnittsprofis: "Vier Messis oder vier Ronaldos - das werden wir nicht bekommen, auch wenn wir noch mehr Geld ins System pumpen“, sagt Caiazzo. "Wenn man viel Geld in eine Kunstakademie steckt, bildet man auch keine zehn Picassos aus. Talent ist rar. Heute bezahlen wir einfach zu viel Geld für mittelmäßige Spieler."

Ein Bundesliga-Spieler verdient inzwischen etwa zwei Millionen Euro

Caiazzos Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Im Durchschnitt verdient ein Bundesliga-Spieler inzwischen etwa zwei Millionen Euro im Jahr. Das ist etwa 40 Mal so viel, wie das Durchschnittseinkommen in Deutschland. Wohl ein Grund, warum sich auch der Bundestag dem Thema Gehaltsobergrenze im Fußball angenommen und ein Gutachten erstellt hat.

Dieses kommt zum Schluss, dass eine Salary Cap möglich sei. Doch Wirtschaftsanwälte wie Boris Dzida von der Kanzlei Freshfields sehen das deutlich skeptischer. Grund seien die verschiedenen Rechtssysteme in Europa, die zum einen eine einheitliche Gehaltsobergrenze schwierig machten. Zum anderen drohen Spielerberater schon mit Klagen, sollten FIFA oder UEFA eine Gehaltsobergrenze einführen wollen. 

"Die zahlen das alle freiwillig"

Für Gregor Reiter von der deutschen Beratervereinigung ist das Thema eh ganz einfach: "Mir ist kein Fall bekannt, wo ein Berater den Sportchef auf der anderen Seite mit gezogener Waffe gezwungen hat, mal 50 Millionen zu überweisen. Die zahlen das alle freiwillig." 

Man müsse einfach "Nein" sagen und dann auf eine Verpflichtung des jeweiligen Spielers verzichten. Eine Gehaltsobergrenze aber sei keine Option. 

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