Anne wohnt seit 30 Jahren ohne Strom auf 4x4 Meter

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EIN FILM VON
Feline Gerhardt (Redaktion, Kamera), Oleg Kauz (Kamera), Cécilia Marchat (Ton) und Farina Hasak (Schnitt). Produktion: EIKON Media GmbH, im Auftrag des SWR.

Gerade mal 4x4 Meter groß ist das Mini-Holzhaus von Anne Donath. Sie lebt hier weitgehend minimalistisch ohne Strom, verbraucht kaum Trinkwasser und ihre Heizkosten belaufen sich auf rund 150 Euro pro Jahr.

Kein Tiny House, einfach ein kleines Haus

Anders als moderne Tiny Häuser ist das Holzhaus von Anne wie ein ganz normales Haus konzipiert: Es ist voll unterkellert und hat sogar auch einen Dachboden. Allerdings gibt es in diesem Haus keinen Stromanschluss. Lediglich ein kleines, tragbares Solarpanel sorgt neuerdings dafür, dass Anne eine Powerbank aufladen kann, mit dem sie dann ihr Handy laden oder eine kleine Lampe über dem Bett betreiben kann. Ansonsten hat Anne ihren Rhythmus an das Tageslicht angepasst oder benutzt Kerzen. Andere Elektro-Geräte hat sie nicht. Statt eines Kühlschranks nutzt Anne ihren Erdkeller und gekocht wird auf dem kleinen Holzofen, mit dem sie auch heizt.

Wohnen ohne Strom und Heizung

Somit hat Anne kaum Fixkosten: Für Wasser zahlt sie ca. 20 Euro pro Jahr. Trinkwasser verbraucht sie nämlich nur fünf Liter am Tag. Das restliche Brauchwasser bezieht Anne aus einer Zisterne in ihrem Garten. Geheizt wird das Häuschen mit einem kleinen Holzofen. Durch die geringe Größe des Hauses belaufen sich aber auch die Heizkosten, beziehungsweise Holzkosten auf gerade mal 150 Euro im Jahr – selbst wenn Anne das ganze Jahr über zu Hause ist.

Ressourcen und Kosten sparen

Seit fast 30 Jahren wohnt Anne jetzt schon in ihrem kleinen Tiny Holzhaus in Steinach bei Bad Schussenried. Die 74-Jährige lebt extrem sparsam, nachhaltig und ressourcenschonend, auch wenn das gar nicht ihre Hauptmotivation war. Ihren Lebensstil führt sie auch nicht aus irgendeiner politischen, religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung heraus. „Ich sehe das ganze Leben als Experiment. Was mir guttut, mache ich weiter. Wenn mir etwas nicht mehr bekommt, werde ich es ändern.”

Minimalismus: Mit wenig glücklich sein

Auf den Geschmack des minimalistischen Lebens kam Anne während ihrer Reisen durch den Norden Afrikas: „Was auf Reisen gut funktioniert, funktioniert auch, wenn man zuhause ist. Ich möchte einfach mit so wenig wie möglich klarkommen. Das bedeutet auch weniger Arbeit und mehr Zeit zu haben, um faul zu sein”, erzählt sie mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

Das Haus ließ sich Anne speziell anfertigen. Dabei war ihr wichtig, dass überall die Form des Vierecks wiederzufinden ist. Für sie hat das Viereck eine klare und geordnete Wirkung. Auch sonst legt Anne viel Wert auf Ordnung: „Die Hütte lebt davon, dass die wenigen Dinge, die es in ihr gibt, alle ihren Platz haben. Sie erzieht einen zur Ordnung.”

In sieben Jahren schuldenfrei nach Hausbau

Als sie die Hütte bauen ließ, lieh sich Anne 124.000 Mark von der Bank und verkaufte ihr Auto für 10.000 Mark. Dieses Geld reichte aus, um das komplette Grundstück und das Holzhaus zu kaufen. Die Aussicht auf eine geringe Rente brachte sie dazu, möglichst schnell eine eigene Immobilie finanzieren zu wollen, damit sie keine Miete mehr zahlen muss. Sie schaffte es dann, innerhalb von sieben Jahren schuldenfrei zu sein und die komplette Darlehenssumme für ihren Hauskredit abzubezahlen.

Reisen als Inspiration für sparsamen Lebensstil

Anne legte das erste Staatsexamen als Grund- und Hauptschullehrerin in Bayern ab. Nach ihrem Umzug nach Baden-Württemberg wechselte sie den Beruf und machte ein dreijähriges Krankenpflegeexamen in der Psychiatrie in Bad Schussenried. Dort arbeitete sie von 1983 bis 2008 als Krankenschwester und in der Patientenschulung. Mittlerweile genießt Anne ihren Ruhestand und den Frieden der Hütte.

Über Winter hat sie ihr kleines Haus allerdings schon häufiger verlassen, um nach Griechenland in die Wärme zu reisen – zu Fuß, mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. „Wenn ich hier weggehe, muss ich mich um nichts kümmern. Ich drehe einfach nur den Wasserhahn ab und das wars. Die Hütte kommt dann allein über den Winter.” Spätestens im Frühling zieht es sie aber wieder zurück in ihr Holzhäuschen im Grünen. Im Garten hält sich Anne häufig auf. Sie probierte es auch mal mit dem Gärtnern: „Aber das war nichts für mich. Ich mochte es nicht, Schnecken umzubringen. Ich sitze hier lieber einfach und genieße die Ruhe.” Solange es ihr möglich ist, möchte Anne so weiterleben.

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